Rund ums Auto: Stop and Go mit Handy und Co. - DER SPIEGEL
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Rund ums Auto Stop and Go mit Handy und Co.

Mobile Telekommunikationstechnik ist auf dem Vormarsch - auch und gerade rund ums Auto. Das reicht vom Automieten per PDA, über Diebstahlsicherung per GPS und Funk-induziertem Zündversagen bis hin zur Servicehotline, die ein geklautes Auto zur hupenden, blinkenden "Immobilie" macht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Pullacher Autovermieter Sixt hat viel vor mit seinen "E-Sixt"-Diensten: Leasen, reisen, mieten - alles ist online möglich in Zeiten der "E-Mobility". Zur Fahrzeugbestellung muss man nicht länger einen Desktop-PC mit sich herumschleppen, denn das geht nun auch per Handy und PDA.

Neben dem bekannten WAP-Zugang lässt sich nun zum Beispiel per GPRS eine Seite speziell für Handhelds aufrufen. Ebenso wie im WAP-Portal wird die Bestellung über vordefinierte Kundenprofile abgewickelt. Das senkt die Anzahl erforderlicher Eingaben erheblich.

Trivial sind solche Dienstleistungen durchaus nicht: Die Bestelldaten von WAP und Internet werden direkt in das EDV-System der Fahrzeugdisposition übergeben. Es gilt, Handy, Internet und Telefonreservierungen in Echtzeit in das System zu übernehmen, um die richtige bundesweite Verteilung von immerhin 80.000 Mietfahrzeugen zu organisieren. Die Interaktion des Mietkunden mit der Online-Schnittstelle hat also direkte Auswirkungen auf das Flottenmanagement. Um Angaben in der Datenbank zur Verfügung stehender Fahrzeuge mit dem Online-Kundenwunsch in Einklang zu bringen, wird auch bei Sixt auf die Konvertierung der Daten in XML gesetzt. Nur so lassen sich die ganz unterschiedlichen EDV-Schnittstellen zwischen Kunden und Fahrzeugdisposition zeitnah zusammenbringen.

Mit seinem WAP- und Handheld-Portal ist Sixt der Konkurrenz klar voraus. Doch noch, das räumt man bei Sixt ein, ist der Zuspruch für diese mobilen Dienste gering. So gering, dass man sich über konkrete Zahlen ausschweigt. Wenn solche Services künftig aber salonfähig werden - und die Chancen hierfür stehen nicht schlecht - wird man das in Pullach viel früher registrieren als andernorts.

Diebstahl zwecklos!

Doch die Einsatzmöglichkeiten von Mobiltelefonie-Technik beschränken sich nicht auf den Bereich Buchung und Bestellung. Längst haben die führenden deutschen Autovermieter noch weit mehr Mobilfunk-Geheimnisse in ihren Autos versteckt.

Besonders teure Mietfahrzeuge dürfen wegen der hohen Diebstahlgefahr nicht in bestimmte Länder Europas ausgeführt werden. Inzwischen gibt es bereits Mobilfunk-gestützte Ortungssysteme, die das Fahrzeug bei Diebstahl blockieren. Während die Positionsdaten per GPS ermittelt werden können, lässt sich die Fahrzeugelektronik durch ein über GSM oder GPRS ausgestrahltes Datenpaket sperren. Unversehens wird ein geklautes Automobil zur wertlosen Immobilie.

Wenig bekannt ist das nicht zuletzt, weil die Vermieter damit gar nicht so gern werben. Die Sorge, Mieter hochwertiger Automobile könnten sich ausspioniert fühlen, gilt als wenig geschäftsfördernd. Noch sind aber längst nicht alle hochwertigen Mietwagen mit solchen Sicherungstechniken ausgerüstet. Das alles ist keine Science-Fiction, sondern Stand der Technik: Solche Systeme kann inzwischen jeder Fahrzeugbesitzer installieren lassen. Alternativ zu den Wegfahrsperren gibt es auch die Möglichkeit der "Diebes-Bremse".

In manchen osteuropäischen Ländern sowie in Südfrankreich sind die Diebe zum "Car-Napping" übergegangen. Sie überfallen Autofahrer an der roten Ampel, um ein Fahrzeug mit Schlüssel zu ergattern. Dem überrumpelten Besitzer reicht ein Anruf auf der Servicenummer, schon fängt das gestohlene Auto an zu hupen und zu blinken. Stellt der entnervte Räuber das Auto einmal ab, lässt es sich nicht wieder starten. Ein sich bewegendes Fahrzeug wird aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht sofort angehalten. Hier gibt es innerhalb Europas unterschiedliche Richtlinien. In einigen Ländern darf man ein zu blockierendes Fahrzeug kontinuierlich langsamer werden lassen. Dem Fahrer bleibt genug Zeit, einen technischen Defekt zu vermuten und das Auto sicher abzustellen.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) hat bislang keine Empfehlung zu Gunsten solcher Sicherungssysteme ausgesprochen. Die Auto-Diebstahlraten sinken kontinuierlich, erklärt hierzu Versicherungsexperte Klaus Brandenstein von der GdV. Für besonders teure Fahrzeuge mit Neupreisen jenseits von 100.000 Euro kommen Schutzsysteme, die über eine elektronische Wegfahrsperre hinaus gehen, allerdings schon in Betracht.

Mario Gongolsky