Satelliten-Spionage Im Netz Nachbars Garten erkunden
Als vor zwei Jahren Microsoft mit einigen anderen Unternehmen den freien Internet-Dienst TerraServer , einen der ersten Anbieter von Satellitenbildern im Netz, einrichtete, war Spionage plötzlich jedem möglich. Seitdem kann jeder Internetbenutzer die Erde nicht nur in großer Entfernung betrachten, sondern sich per Mausklick an Gebäude, Straßen und Nachbars Garten zoomen. Wer will, wird am Computer zum Spion.
Dass Big Brother sich nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Internet wachsender Beliebtheit erfreut, zeigt sich nun am Boom von Unternehmen, die Websites mit immer detaillierteren Satellitenbildern starten.
Die letzte Neugründung auf diesem Markt ist GlobeXplorer , ein Web-Anbieter, der bereits eine kostenlose Website verwaltet: Bekannte Städte der Welt, von Johannesburg über Kairo bis Paris, über 40 US-Städte und gar US-Flughäfen und -Golfplätze werden dem Betrachter in gewünschter Auflösung und im jeweils gewählten Bildabschnitt gezeigt. Der Tatsache, dass die Auflösung noch nicht ausreicht, um den Golfball auf der Wiese auszumachen oder den Nachbarn beim Grillen zu zuschauen, will GlobeXplorer nun abhelfen.
Demnächst soll GlobeXplorer Bilder mit sehr hoher Auflösung auf Abonnementsbasis an andere Websites verkaufen. Andere Unternehmen sind schon dabei oder ziehen nach. Im Netz boomt der Markt mit den Spion-Bildern: Eine völlig neue Generation, eine völlig neue Art der Anwendung von Satellitentechnik entsteht. Zurzeit wird fieberhaft an der Verbesserung der Datenbanken gearbeitet. Schließlich muss die Masse an Bildinformation so gespeichert werden, dass sie möglichst schnell abrufbar ist.
Den Anbietern geht es auch um die flächendeckende Allgegenwart der Satelliten. Denn: "Eine neue Ära der Vermarktung von Erdaufnahmen hat begonnen", meint Mark Pastrone, der stellvertretende Vorsitzende der Strategie-Abteilung von Orbimage, ebenfalls ein Unternehmen, das Satellitenbilder vertreibt. "Zum ersten Mal werden solche Bilder in beträchtlichem Ausmaß der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht."
Die Satellitenaufnahmen hoher Auflösung sind nicht billig. Zwar kostet, bei Space Imaging beispielsweise, ein Foto, das aus dem Archiv geladen werden kann, nur zehn Dollar. Für jede Extrabestellung jedoch wird ein Grundpreis von 1000 Dollar verlangt, pro abgebildetem Quadratkilometer kommen zwischen zwölf und 44 Dollar hinzu.
GlobeXplorer sticht nun die Konkurrenz aus: Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben das größte Archiv von Luft- und Satellitenaufnahmen - insgesamt eine Datenmenge von zwölf Billionen Bytes. Dafür hat GlobeXplorer eigens ein neues Bildformat entwickelt, in dem die Fotos komprimiert gespeichert und verschickt werden. Ergebnis ist unter anderem, dass der Benutzer die Ansichten leichter wechseln kann - und das in einer annehmbaren Geschwindigkeit.
Auf den Satellitenaufnahmen von GlobeXplorer kann der Betrachter Objekte in Größenordnungen von einem Meter bis zu einem Kilometer voneinander unterscheiden - und das kostenlos. Gleichzeitig mit der neuen Ära der Satellitentechnik beginnt nun wohl auch eine neue Ära der Spionage. George Orwell lag mit seiner Zukunftsvision wohl gar nicht so falsch.