Schülerwettbewerb Deutschland sucht den Roboking
Ingenieur? - Ach nö! Der Nachwuchs von heute will lieber Superstar, Werber oder Fernsehmoderator werden. Allenfalls noch Informatiker. Aber auf keinen Fall so ein Langweiler von Ingenieur. Schon seit Jahren rennen die Kids der Cebit die Tore ein - für die alte Technikschau Hannover Messe interessiert sich kaum jemand.
Doch ohne kontinuierlichen Nachwuchs an tüchtigen Tüftlern bekommt die hiesige Wirtschaft über kurz oder lang ein Problem. Denn die schnellen Motoren von Mercedes, BMW & Co entstehen nicht in einer hippen Castingagentur, sondern in den Köpfen findiger Ingenieure.
Angesichts des drohenden Ingenieurmangels hat die Technische Universität Chemnitz einen Roboter-Wettstreit ausgerufen, der in diesem Jahr erstmals bundesweit stattfindet. Vom 23. bis 24. April treten auf der Hannover Messe zwölf Schülerteams gegeneinander an.
Die selbst gebauten Roboter müssen sich nicht etwa in einem martialischen Zweikampf gegenseitig zerlegen - der Ingenieurnachwuchs soll schließlich von kleinauf konstruktiv und lösungsorientiert arbeiten lernen. Vielmehr müssen sich die Roboter in einem unbekannten Labyrinth zurechtfinden und darin verteilte "Leuchtbojen" finden.
Schülerwettbewerb: Deutschland sucht den Roboking
Die zwölf Roboter stammen aus Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Das Team der "Robotrixer" aus Buxtehude stellt mit zwölf Jahren die jüngsten Teilnehmer des Wettbewerbs.
In einer Spielrunde starten immer zwei Roboter in gegenüberliegenden Ecken des Labyrinths. Jedem Roboter wird vor Beginn der Runde eine Farbe zugeteilt. Der "rote" Roboter muss Bojen finden und diese per Knopfdruck auf seine Farbe umschalten. Kommt der "grüne" Roboter an einer Boje vorbei, die der "rote" Roboter bereits auf rot geschaltet hat, kann er die Boje durch erneutes Betätigen wieder auf grün zurück schalten.
Die Bojen strahlen über einen Infrarotsender Signale aus, die von den Robotern erkannt werden, wenn sie in die Nähe der Boje kommen. Sieger einer Runde ist, wer nach Ablauf der Spielzeit die meisten Bojen auf seine Farbe umgeschaltet hat.
Das Labyrinth ist quadratisch und insgesamt 2,40 Meter breit. Der genaue Aufbau des Irrgartens bleibt bis unmittelbar vor dem Wettbewerb geheim. Die Roboter müssen sich in einer für sie unbekannten Umgebung zurechtfinden.
Bleibt der Roboter im Labyrinth stecken und muss von Hand nachgeholfen werden, so kostet dies Strafpunkte. Natürlich dürfe ein Roboter den anderen auch nicht absichtlich behindern oder beschädigen, erklärten die Organisatoren. Der Wettstreit um den Titel "Roboking" wird im K.o.-System ausgetragen - wer ein Duell verliert, fliegt raus.
Das sächsische Wissenschaftsministerium stiftete den Hauptpreis - einen Roboterhund Aibo ERS-210 von Sony, den die Sieger mit nach Hause nehmen dürfen. Die Roboking-Kandidaten repräsentieren ganz verschiedene Konzepte, die vom Lego-Modell bis zu Eigenbauten aus Plastik, Acryl oder Aluminium reichen.
Zum Denken benutzen die Roboter sämtlich das gleiche Gehirn: ein bestimmtes, auch bei Handys genutztes Board mit Motorola-Prozessor. Diese Vorgabe soll für gleiche Chancen im Wettkampf sorgen: Wenn jedes Team einen anderen Microcontroller benutzt, würde der Wettkampf unfair wie ein Boxkampf von Schwergewicht gegen Fliegengewicht - so heißt es in der Ausschreibung.
Bei der Auswahl der Sensoren und Antriebe standen den Schülern jedoch alle Möglichkeiten offen. Am Samstag entscheidet sich, welches Team das beste Konzept hat.