Schulen ans Netz: Auch AOL gibt einen aus - DER SPIEGEL
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Schulen ans Netz Auch AOL gibt einen aus

Die Nummer zwei zieht nach: Nachdem T-Online vor kurzem verkündete, sämtliche Schulen kostenfrei ans Netz bringen zu wollen, holt AOL zum Gegenschlag aus. Der "Ich bin drin!"-Dienst will alle Lehrer ins Netz hieven - ohne Grundgebühr. Die Schulen bekommen einen völlig kostenfreien Account, während Schüler für eine Stunde rund 66 Pfennig berappen sollen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die beiden großen Internetprovider, die Telekom und AOL, kämpfen um die junge Generation: Die Telekom kündigte zwei Tage vor dem Beginn der Computermesse Cebit am Dienstag in Hannover einen Internetzugang für Schüler für weniger als eine Mark pro Tag an, wobei die Nutzung auf die Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr begrenzt ist. AOL bietet Schülern von sechs bis 16 Jahren einen Internetzugang für 19,90 Mark im Monat, in dem für eine Stunde am Tag die Telefongebühren enthalten sind. Darüber hinaus will AOL allen 900.000 deutschen Lehrern in den nächsten Monaten einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung stellen.

Auch um die Versorgung der Schulen mit dem Internet ist der Kampf zwischen AOL und der Telekom im vollen Gang: Der AOL-Europachef kündigte an, allen 44.000 deutschen Schulen einen kostenlosen Zugang zum Internet zu spendieren. Die Gesamtkosten der Aktion bezifferte Schmidt auf 150 Millionen Mark. Die Telekom hatte schon vor anderthalb Wochen angekündigt, alle Schulen mit einem kostenlosen ISDN-Anschluss an das Internet zu versorgen.

Schmidt forderte, dass die Schulen frei entscheiden dürfen, welchen Internetprovider sie haben wollen. AOL will sich in der nächsten Zeit an alle Schulen wenden, um ihnen kostenlose Zugangsprogramme zu überlassen. Die Lehrer sollen sich in den Schulen in Listen eintragen und bekommen den Angaben zufolge ebenfalls einen kostenlosen Zugang, müssen aber die Telefonkosten selbst tragen.

Bei den Billigtarifen für die Schüler wartet AOL mit einem Angebot von 19,90 Mark pro Monat auf, in dem die AOL-Grundgebühr und eine Stunde Netzzugang am Tag eingeschlossen sein sollen. Bisher kostet allein die Grundgebühr bei AOL 9,90 Mark im Monat plus 3,9 Pfennig für jede Minute Online. Schmidt sagte, mit dem neuen Tarif werde jeder Schüler von AOL im Monat mit 50 Mark subventioniert. Die Telekom will über ihre Internet-Tochter T-Online die Schüler von 14.00 bis 18.00 Uhr für unter eine Mark am Tag ins Netz lassen. Das wären etwa 30 Mark im Monat. Telekom-Vorstandschef Ron Sommer kündigte Angebote für die unbeschränkte Internet-Nutzung zum Festpreis an, was mit dem Schlagwort "Flat Rate" bezeichnet wird. Nach seinen Angaben soll es die Flat Rate für Privatkunden von T-Online ab 1. Mai zu einem Preis von unter 100 Mark im Monat geben; die Kosten für die Telefonverbindung sind inbegriffen.

AOL-Europe-Chef Schmidt forderte dagegen eine viel billigere Flat Rate und nannte Beträge von 20 bis 30 Mark. Zu hohe Zugangskosten könnten zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Internet führen, in der ärmere Gesellschaftsschichten ausgeschlossen blieben. "Es ist unverantwortlich, wenn der Zugang zum Internet durch Monopole zementiert wird", sagte er. Freier Zugang zum Internet sei ein Grundrecht.