Schweden: Webmiles macht dicht - DER SPIEGEL
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Schweden Webmiles macht dicht

Nach nur acht Monaten hat Webmiles die Aktivitäten in Schweden eingestellt: Die Markterwartungen seien nicht erfüllt worden. Droht den virtuellen Rabattmarken ein frühes Ende?
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Erst Anfang April hatte Webmiles im Zuge seiner europäischen Expansion in Schweden ein Büro eröffnet. Doch die erhofften Umsätze blieben aus. "Der skandinavische Markt hat die Erwartungen nicht erfüllt", sagte Mitgründer Patrick Boos der "Financial Times Deutschland". Obwohl mehr als die Hälfte der Schweden das Internet nutze, sei die Zahl derjenigen, die online einkaufen, zu gering.

Dabei blickte die Webmiles-Chefetage einst voller Optimismus in die Zukunft. Der Philosophie der New-Economie folgend, expandierte das Münchner Unternehmen in vielen europäischen Ländern. Stolz vermeldete die Presseabteilung des Unternehmens im Juni 2000: "Webmiles AG goes Europe". In Schweden und in den Niederlanden seien Büros eröffnet worden - weitere sollten folgen.

Ganz so schön war die Zukunft aber doch nicht. In den Niederlanden habe ein Büro im eigentlichen Sinne nie existiert, räumte ein Vorstandsmitglied des Start-ups gegenüber SPIEGEL ONLINE ein. In Schweden habe man nur den Markt ausloten wollen und festgestellt, dass sich ein Engagement dort nicht lohne. Mit gut 200.000 Mark habe das skandinavische Abenteuer zu Buche geschlagen, gesteht man in München kleinlaut. Wie es nun um die Webmiles-Niederlassungen und Kooperationen in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien steht, ist unklar. Sie dümpeln nach Webmiles-Angaben zwischen 8000 Nutzern in Spanien und 70.000 Usern in Frankreich vor sich hin. "Jedes Land steht auf dem Prüfstand", so das Vorstandsmitglied zu SPIEGEL ONLINE.

In der Branche kursierten seit längerem Gerüchte, dass es um die Finanzen von Webmiles nicht gut bestellt sei. Demnach habe nur der Einstieg von Bertelsmann das Start-up vor dem Aus bewahrt. Im Oktober hatte der Gütersloher Medienkonzern 70 Prozent der Anteile gekauft.

Seit der Gründung im Frühjahr 1999 ist Webmiles hinter den eigenen Umsatzerwartungen zurückgeblieben. Insgesamt 24 Millionen Mark hatten die Investoren vor dem Bertelsmann-Einstieg das Münchner Unternehmen gepumpt. 1999 wurden aber nur acht Millionen Mark umgesetzt. 2001 sollen die Erlöse auf 16 Millionen Mark steigen.

Damit dieses Ziel erreicht werde, habe der Bertelsmann-Konzern nun ein Machtwort gesprochen und den Rückzug aus Schweden beschlossen, heißt es im Bericht der "Financial Times Deutschland". Es sei die erste größere Management-Entscheidung der Gütersloher.

"Wir haben das Geld mit vollen Armen ausgegeben", räumt Webmiles-Vorstand Patrick Boos ein. Mit dem Einstieg von Bertelsmann solle dem Unternehmen "professionelle Strukturen" verpasst werden: "Wir müssen weg von diesem Happy-Peppy-Image." Immerhin sei innerhalb der kommenden zwei Jahre der Börsengang geplant.

Ganz neu ist die Geschäftsidee von Webmiles nicht: Bereits 1901 tauchten in Deutschland die ersten Rabattmarken auf, mit denen treue Käufer die Preise drücken konnten. Irgendwann in den sechziger Jahren ebbte das Interesse an den Papierschnippeln aber ab. In den Zeiten des Internets wurde die Idee wiederentdeckt und virtuell umgesetzt.

Zahlreiche Firmen schossen wie Pilze aus dem Boden und versuchten, sich einen Teil des Marktes zu sichern. Neben Webmiles, die nach eigenen Angaben mit 600.000 internationalen Nutzern der größte Anbieter sein wollen, tummeln sich auch noch Ecollect und Bonus.net in der Branche - Trademiles steht am Start. Für den größten Wirbel unter den im Internet konkurrierenden Rabattsystemen sorgte im März dieses Jahres allerdings die Payback-Karte von Loyalty Partner mit dem Haupteigner Lufthansa Commercial Holding.

Verbraucher- und Datenschützer beobachten das Wiederaufleben der Rabattsysteme mit Argusaugen. Payback, Webmiles & Co. dienten nur dazu, den gläsernen Kunden zu schaffen, kritisieren sie. Die Analyse der Einkaufsgewohnheiten, die zur Punkteverwaltung zwangsläufig gespeichert werden, legten die Interessen der Verbraucher offen und ließen auch Rückschlüsse auf die finanziellen Mittel der Punktesammler zu.