Schwerpunkte IV Wie breit darf's denn sein?
Der Hamburger Audiodesigner Rudolf Görtz komponiert elektronische Musik für Kunden, die ihre Online-Auftritte mit Klangkunst aufpeppen wollen. Sein Tonstudio hat er Zuhause. Kein Problem.
Schwieriger war es bisher für ihn, die fertigen Musikstücke übers Internet an seine Auftraggeber zu schicken. Seinem Internet-Anschluss fehlte es an Bandbreite. Jetzt hat Görtz einen SDSL-Anschluss (Symetric DSL) beantragt. Hoffentlich nicht zu früh, denn auf der Cebit werden zahlreiche Unternehmen ihre aktuellen Breitband-Lösungen präsentieren,.
Mit einem althergebrachten Modem und einer analogen Leitung lassen sich Daten mit einer Geschwindigkeit von gerade einmal 56 Kilobyte pro Sekunde (Kbit/s) transportieren. "Da hätte ich das Stück auch auf CD brennen und diese eigenhändig zum Kunden tragen können", sagt Rudolf Görtz. Selbst eine ISDN-Leitung genügt dem Datenvolumen eines fünfminütigen Musikstückes kaum, denn auch mit 64 Kbit/s dauert die Übertragung noch immer rund 20 Minuten.
"Für multimediale Anwendungen braucht man mindestens die dreifache ISDN-Leistung. Ab etwa 400 Kbit/s entsteht bei Streaming-Medien VHS-Qualität", sagt Alexander Felsenberg, Vizepräsident und Geschäftsführer des Deutschen Multimedia Verbands. Die großen Internet-Themen der Cebit wie das Telefonieren übers Internet, Interaktives Fernsehen oder Peer to Peer basieren allesamt auf Breitband-Lösungen.
Carsten Dierks vom Deutschen Multimediaverband schätzt, dass zehn bis zwanzig Prozent der deutschen Unternehmen bereits breitbandige Lösungen im Einsatz haben. Die Zielgruppe ist also noch groß für die Breitband-Anbieter wie QSC (Halle 24, A23), Mediaways (Halle 6, H17) oder Mediascape communications (Halle 25, B24).
Im Auge haben sie vor allem Werbe- und Fotoagenturen und mittelständische Unternehmen, die täglich aufwendige Grafiken, Entwürfe oder MP3s via Intranet oder Internet versenden oder mit vielen Mitarbeitern an einer Telefonleitung hängen.
"Der Bedarf an höheren Bandbreiten wird mit neuen Anwendungen im Internet beträchtlich steigen", ist Mediascape-Vorstand Frank Brügmann sicher. Sein Unternehmen bietet Highspeed-Internet-Zugänge von 144 Kbit/s bis 155 Mbit/s. Damit lässt sich die "letzte Meile" in der Telekommunikation, die Strecke von der letzten Internet-Vermittlungsstelle bis ins Büro oder Wohnzimmer, wie im Fluge überbrücken. Für die höchsten Bandbreiten nutzt Mediascape Richtfunk, für die niedrigeren die alten Kupferkabel der Telekom und die neue DSL-Technik (Digital Subscriber Line). Apropos: DSL
Zu dieser Technik finden in Halle 6 Sonderveranstaltungen statt. Bei DSL werden die bestehenden Telekom-Leitungen für größere Datenvolumen nutzbar gemacht, indem die Bandbreite in einzelne Bereiche aufgeteilt wird, um parallel mehrere Daten- oder Sprachpakete zu verschicken.
Ein weiterer Standard, der in Hannover gezeigt wird, ist Assymetric DSL (ADSL). Mit der assymetrischen Leitung lassen sich Daten in einem Tempo von bis zu 268 Kbits/s auf den Rechner laden. Umgekehrt läuft der Datenverkehr mit 128 Bits/s allerdings nicht ganz so flüssig. Bei SDSL rauschen die Daten in beide Richtungen mit bis zu 2,3 Mbit/s.
Noch ist das alles ein teurer Spaß
Audiodesigner Görtz muss für sein E-Business große Datenmengen versenden und empfangen. Er hat sich bei Intertelko eine Transferrate von 144 Kbit/s sichern lassen. Datenpakete von insgesamt einem Gigabyte darf er für 167 Mark im Monat durch die Netze schleusen. Wer noch größere Volumina schnell versenden will, muss locker 2000 Mark im Monat locker machen.
Alexander Felsenberg vom Multimediaverband ist sicher, dass die seit einigen Monaten von der Telekom angebotenen T-DSL-Leitungen - Felsenberg: "Bei ansehnlicher Leistung relativ günstig" - bald für einen wahren Boom bei privaten Nutzern sorgen werden.