SCM Microsystems Internet - Huckepack über das Fernsehprogramm
Das Design zumindest ist ansprechend: abgerundete Kanten, handlich wie eine Pralinenschachtel, halb silber und halb blau. Die Leistungen sollen dem Design nicht nachstehen - auch wenn sich davon auf der Cebit-Pressekonferenz niemand überzeugen konnte. Denn SCM Micrososystems präsentierte sein Breitband-Modem noch nicht in Aktion.
Ein Protoyp eben. Und doch viel versprechend. Denn St@rkey , so der Name des kleines Satellitenempfängers, soll einmal den Internet-Zugang über das - derzeit noch immer im Aufbau befindliche - digitale Fernsehnetz ermöglichen.
DVB lautet die Parole. Einst stand die Abkürzung für Digital Video Broadcasting, heute für Digital Versatile Broadcasting. Denn was da über Fernsehkabel, Satellit und Antenne auf digitale Weise in die Welt geschickt wird, muss nicht unbedingt die Wiederholung des Tatorts vom vergangenen Sonntag sein. Im Prinzip können Daten jeglicher Art, von Musik bis zu aktuellen Börsenkursen, über DVB verschickt werden.
Hier setzt SCM Microsystems, gemeinsam mit der Nokia-Tochter Nokia Multimedia Terminals, an. Der St@rkey-Empfänger kann, dank einer eingebauten Satelliten-Antenne, beinahe überall die verschlüsselten DVB-Signale empfangen. Und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 Megabit pro Sekunde.
Zur Entschlüsselung ist eine Smartcard, ähnlich der vom Laptop bekannten PCMCIA-Karte, nötig. Anschließend landen die Daten über den USB-Anschluss direkt auf dem PC oder Laptop. Zumindest in der Theorie.
Ein Internet-Zugang über Satelliten, das ist nicht neu. Set-Top-Boxen fürs Kabelnetz, über Smartcards geschützt, sind es auch nicht. Für Robert Schneider, Gründer und Vorstandsvorsitzender von SCM Microsystems, sind das keine Argumente. "Sicherheit ist der Schlüssel", sagt Schneider. "Und eine gute Verschlüsselung ist genau das, was wir anbieten."
Schneiders zweiter Trumpf: Anders als zum Beispiel Leo Kirch mit seiner D-Box fürs Fernsehen, setzt SCM Microsystems auf offene Standards. "Nichts von dem, was wir anbieten, ist proprietär."
Rund 250 Dollar (etwa 500 Mark) soll St@rkey einmal kosten. Im Gegensatz zum Satellitenfernsehen oder zu Sky-DSL fallen die Ausgaben für eine Satellitenschüssel weg. Demnächst soll auch ein Empfänger entwickelt werden, der die terrestrischen DVB-Signale empfangen kann.
"Uns eröffnet sich ein riesiger Markt", sagt Schneider. Ein Markt, der allerdings wesentlich vom Willen der Fernsehsender abhängt. Denn bis über DVB nicht nur Spielfilmen, sondern auch Internet-Seiten abgerufen werden können, wird wohl noch einige Zeit vergehen.
"Viele wissen gar nicht, auf was für einer wertvollen Datenleitung sie da sitzen", meint auch Helmut Stein von Nokia Multimedia Terminals. Gerade im Fernsehbereich seien offene Standards noch immer ein Fremdwort.
Für Stein wäre es daher auch nicht verwunderlich, wenn die ersten Internet-Angebot nicht in Europa, sondern beispielsweise in Singapur entwickelt würden. "Aber irgendwann macht es auch hier klick, und die Leute sehen, was alles möglich ist."