Seltsame Kiste: Bezaubernde "Audrey" - DER SPIEGEL
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Seltsame Kiste Bezaubernde "Audrey"

Mit "Audrey" möchte der Hersteller 3Com das Internet aus dem komplizierten PC herausholen. Auf der Cebit soll "Audrey" auch noch den letzten Computermuffel ins Netz locken. Mit der geplanten Preis- und Marketingstrategie könnte das Vorhaben Erfolg haben.
Von Mario Gongolsky
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Audrey" ist eine Mischung aus Webtablet und Organizer. An vorgefertigten Funktionen wie Familienplaner, E-Mail und den Direktzugriff auf regionale Internetinhalte soll sich die ganze Familie erfreuen. Navigiert wird überwiegend mit einem Stift auf dem drucksensitiven Display. Eine kleine kabellose Infrarottastatur kann aus der Geräterückseite hervorgezaubert werden, um E-Mails zu verfassen. Sogar per Sprachanweisung kann man Funktionen von Audrey aktivieren oder Familienmitgliedern eine kurze, klingende Nachricht hinterlassen.

Die Internetverbindung wird über ein eingebautes 56-KBit-Modem aufgebaut. Für DSL-Nutzer gibt es eine spezielle Ethernet-Adapterkarte. Webbrowser und Realplayer sind integriert, damit neben Internetseiten auch Webradios problemlos angezapft werden können. Als Betriebssystem setzt man bei 3Com auf QNX; dass Palm-Organizer mit Audrey synchronisiert werden können, versteht sich von selbst. Zum Anschluss von Peripheriegeräten stehen zwei USB-Ports zur Verfügung. In seiner Konzeption stellt Audrey ganz bewusst kein Gerät für den verwöhnten Vielsurfer dar. Vielmehr ist Audrey ein Kind der Marktforscher und legt sowohl bei der Handhabung als auch beim Zugriff auf Informationen, die das Internet bereitstellen kann, ganz eigene Maßstäbe an.

Die europäische Markteinführung ist für den Herbst 2001 geplant. Zuvor jedoch sollen Rahmenverträge mit Contentprovidern geschlossen werden, die ausgewählte Informationsdienste für Audrey-Nutzer zusammenstellen. Bei genauer Betrachtung lösen diese neuen webbasierten, handlichen Multitalente nämlich nicht nur das Internet vom PC ab, sondern trennen zugleich regionalisierte Informationshäppchen aus der unübersichtlichen Globalität des Internet heraus. Anders, so die Ansicht der Marktforscher, können Personenkreise, die bislang um Computer und Internet einen großen Bogen gemacht haben, nicht gewonnen werden.

Die Rechnung kann sehr wohl aufgehen: Der angepeilte Verkaufspreis liegt in den USA knapp unter 500 Dollar. Bei entsprechenden Rahmenverträgen mit regionalen Informationsdienstleistern könnte Audrey als Sponsoringprodukt deutlich unter 1000 Mark in deutsche Haushalte Einzug halten. Sollte der Preis und das Angebot stimmen, stört sich wohl kaum jemand daran, dass Audrey wegen des Stromverbrauchs meist am Netzadapter und wegen der Internetverbindung zwingend an der Telefondose hängen muss

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