Serie Location Based Services (1) Erfolgsfaktor LBS
Mobile Handheld-PCs unterscheiden sich in vielen Facetten vom Büro-PC oder dem tragbaren Notebook. Vielen langjährigen PC-Benutzern fällt es schwer, sich mit den erheblich kleineren Anzeigen anzufreunden. Einer der vielen Vorteile ist jedoch, dass sie keine lange Anlaufzeit benötigen, um einsatzbereit zu sein. In Kombination mit einem Mobiltelefon der neuen Übertragungstechnologien GPRS und UMTS können die Baby-PCs ohne weiteren Kostenaufwand sogar stets online sein.
So ist es kein Wunder, dass sie als eines der neuen Anwendungsgebiete mit erheblichem Potenzial für die neuen Mobilfunkgenerationen Location Based Services (LBS) gesehen werden. Nach einer Analyse von The Strategis Group sollen die Anwenderzahlen von Location Based Services weltweit von 70 Millionen in diesem Jahr auf über 220 Millionen im Jahr 2005 steigen.
Mobile personalisierte Informationsangebote
Location Based Services sind personalisierte Informationsangebote, die dem Mobilfunkkunden in zeitlicher und standortbezogener Relevanz angeboten werden. Die aktuellen Standortdaten des Nutzers werden dabei vornehmlich über die automatische Anmeldung des Mobilfunkgerätes bei der nächsten Funkzelle ermittelt, die so genannte Cell-ID, und entsprechend aufbereitete lokale Daten an das mobile Endgerät übertragen.
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig und kaum begrenzt. Doch fast immer geht es um E-Commerce-Lösungen, bei denen Unternehmensdaten durch die Verknüpfung mit der standortbezogenen Verbreitung einen Wettbewerbsvorteil erlangen sollen. Angebote für die breite Masse können sich auf die Bereitstellung von Informationen über die nächstgelegenen Tankstellen oder Geldautomaten im Umkreis erstrecken. Mit den neuen Mobilfunkgenerationen wird das Netz der Funkzellen noch einmal erheblich feinmaschiger, so dass auch Angebote kleiner Geschäftstreibender in die Systeme eingespeist werden könnten.
Die Ideen für Location Based Services sind so neu nicht. Im Münchener Business-Plan-Wettbewerb 1998/99 gewannen Ralph Meyfarth und sein Team von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus mit ihrer ausgegründeten Firma namens Lesswire AG den dritten Platz. Schon damals war absehbar, dass "der Trend zu lokalen Informationen drahtloser Kommunikation geht". Lesswire entwickelte und vermarktete damals ein funkbasiertes Client-Server-System mit dem Namen "Local Navigator". Dies stellte mobilen Benutzern ortspezifische Dienste bereit. Je nachdem, wo sich der Benutzer befand, konnte er über sein Endgerät (Handy, Palm-Computer, Laptop et cetera) Informationen von dort abrufen.
Suche nach der Killerapplikation für UMTS
Die Möglichkeiten künftiger Angebote werden heute verstärkt entwickelt und mit den bestehenden Technologien ausgetestet, egal ob mit einem WAP-Handy oder einem mobilfunktauglichen PDA.
Fast alle Mobilnetzbetreiber haben bereits die eine oder andere Anwendung in ihr WAP-Portal integriert. So bietet O2 in Zusammenarbeit mit dem HRS-Hotel-Service seinen Kunden ortsbezogene Hotelübersichten mit allen wichtigen Informationen und einen Direktbuchungsservice. Um unnötige Anfragen zu vermeiden, werden nur solche Hotels angezeigt, die noch über freie Betten verfügen.
Einer der ersten und bundesweit bekanntesten Dienste, bei denen die Technik in den Vordergrund rückt, ist der "Handy Finder" von O2. Sofern das eigene Handy eingeschaltet und innerhalb des O2-Netzes eingebucht ist, kann es über das Internet gegen Passwortschutz auf eine Funkzelle genau lokalisiert werden. Praktisch, wenn man das Gerät einmal hat liegen lassen und nicht mehr weiß, wo genau.
Zu Käufen animieren soll der Shopping-Führer namens Kompazz, der nach Sonderangeboten in lokalen Einzelhandelsgeschäften fahndet. Anwendungen sind aber ebenso zielgruppenspezifisch möglich, wie etwa die Vorstellung von Vodafone beweist: "Der Servicetechniker eines Waschstraßenherstellers befindet sich im Noteinsatz. Ein Bauteil ist defekt, der Betrieb steht still. Per WAP-Handy ruft er eine Info-Plattform für Bauzubehör auf. Hier erfährt er, wo sich die nächstgelegenen Händler befinden. Beim Anbieter mit dem günstigsten Preis wird sofort geordert und die Lieferung per Kurier veranlasst. Das Ersatzteil wird umgehend geliefert, und der Betrieb kann wieder aufgenommen werden."