Show wird Messe: Quo vadis, IFA? - DER SPIEGEL
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Show wird Messe Quo vadis, IFA?

Vorbei die Zeit, als die "Internationale Funkausstellung" vor allem eines war: Eine Glamour- und Leistungsshow der TV-Branche. Die hat in diesem Jahr wenig zu bieten – und die IFA gerät zum Ersatz für die Cebit Home.
Von Thomas Jungbluth
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer schon älter ist, erinnert sich an die "Internationale Funk-Ausstellung" immer mit Sonne im Herzen: Das war die Messe, auf der ARD und ZDF das Beste auffuhren, was "Wetten Dass" und der "Sommergarten" zu bieten hatten. Doch diese Zeiten sind vorbei: das Geld ist knapp, und so lassen die "Rundfunkanstalten" ihren Kessel Buntes zuhause.

Umso mehr fahren die großen Technik-Hersteller ihre Geschütze auf. Bei den kurzen Modellwechseln brauchen sie einfach zweimal im Jahr eine Plattform, um ihre großen Geräte und kleinen Gadgets unter das Volk zu bringen. Und die IFA - obwohl sie nur alle zwei Jahre stattfindet - ist immer gut, um mehr oder weniger bahnbrechende Neuerungen zu präsentieren.

So konnte vor acht Jahren hier endlich verkündet werden, dass die Hersteller sich bei der DVD auf einen Standard geeinigt hatten - der Weg für die Ablösung der Videokassette war frei. Wurde 1967 hier der Startschuss für das Farbfernsehen in Deutschland gegeben, so beschloss man vor zwei Jahren das Ende des Analog-TV und die Einführung von Digital-TV, das mit der Antenne empfangen werden kann.

Mehr als Radios und Fernseher

Nachdem auf der Cebit im März erstmals auch Unterhaltungselektronik gezeigt werden durfte, pilgern dieses Jahr auch viele Firmen nach Berlin, die mit "Funk und Fernsehen" im ursprünglichen Sinn eigentlich wenig zu tun haben. So gehören auch Computer, Drucker und Handys ganz selbstverständlich mit zum Portfolio, das unter dem Funkturm präsentiert wird - anders als in den Jahren zuvor, in denen die digitalen Umwege immer mehr krampfhaft gesucht wurden.

Kodak etwa präsentiert genauso seine Digitalkameras wie Yakumo seine PCs, Notebooks und Organizer. Einige Hersteller (Canon) hadern dagegen noch mit sich und sind nicht sicher, ob die zweite Messe im Jahr der Bringer sein wird. Sie testen das ganze mit einer separaten Show an, die stattdessen im Zentrum von Berlin stattfindet. Sony dagegen stellt auch auf dem Messegelände aus, obwohl sie am Potsdamer Platz seit einiger Zeit eine Heimstatt besitzen.

Motto: Mehr Spaß mit Digitaltechnik

Dennoch steht natürlich alles unter dem Motto der Unterhaltung. Microsoft präsentiert hier etwa nicht ein neues Windows XP für den Netzwerkbereich, sondern die Edition, mit der ein PC zum Multimedia-Terminal mutiert, ohne dass der Anwender auf dem Wohnzimmertisch umständlich seine Maus schubsen muss. Und die "Funk"-Technik, die eigentlich für die Vernetzung zwischen PCs gedacht ist (Wireless LAN) wird auf der "Funk"-Ausstellung für den Austausch von Musik zwischen dem Receiver einer HiFi-Anlage und einem zentralen "Musikspeicher" verwendet.

Die Anwender interessiert nur, wie die Tochter das Gequäke der diversen Daniels aus den Finalsendungen der Superstar-Ausscheidungen möglichst schnell vom eigenen PC herunter und auf den Walkman übertragen kann. Somit steht bei der Internationalen Funkausstellung nach wie vor eher die "Show" im Vordergrund und nicht die Technik dahinter. Was aber kein Nachteil ist, denn nur so behalten die Firmen den Nutzen ihrer Geräte im Auge und ergehen sich nicht selbstverliebt in technischen Details. Die Weichen scheinen also gestellt: Die IFA mutiert zur Leistungsshow in Sachen digitales Entertainment. Ob das Konzept trägt, wird sich erweisen: Die Cebit trennte sich erst vor zwei Jahren von ihrem Consumershow-Ableger Cebit Home.