Showtime: Apples nächster Coup? - DER SPIEGEL
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Showtime Apples nächster Coup?

Stunden vor Apple-Chef Steve Jobs heiß erwarteter Neuigkeiten-Präsentation schloss der iTunes-Musicstore die Tore - von der Wiedereröffnung wird nicht weniger erwartet als Apples Angriff auf den Filmmarkt. Kurz nach 18 Uhr ist das Warten vorbei: Dann lässt Jobs die Katze aus dem Sack.
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Was war nur mit dem Wörtchen "Music" passiert? Kunden von iTunes standen am Dienstag vor temporär geschlossenen virtuellen Toren. Eine schlichte, aber für Fans verheißungsvolle Zeile vertröstete die Musikkäufer und wies auf ein anstehendes Update des weltweit führenden Online-Musikladens hin: "It's Showtime - The iTunes Store is being updated."

Wohlgemerkt, vom "iTunes Store" war da die Rede, der Namensbestandteil "Music" war ihm anscheinend schon vorab abhanden gekommen. Kein Wunder, rechnet die Apple-Welt doch fest damit, dass es irgendeine Form von Film-Downloaddienst sein wird, die Jobs am Dienstagabend in San Francisco verkünden wird.

Und so, wie Apples kraftvolle PR-Maschinerie hinter den Kulissen anlief, wohl nicht irgendein Downloaddienst, sondern etwas Mächtiges: Schon Tage vorher regnete es Einladungen zu den Special-Events, die Apple zeitparallel in mehreren Ländern veranstaltet. Otto-Normaljournalist soll ja nicht einsam von dem Bildschirm sitzen, wenn Tech-Guru Steve Jobs einmal mehr die Welt verändert, sondern vorzugsweise in Hundertschaften: Das erinnert an den Launch des iTunes Musicstores vor drei Jahren.

Auch der hatte große Schlagzeilen produzieren können, und das vor allem aus einem Grund: Apple-Chef Steve Jobs war es gelungen, bis dahin unerreichte Konzessionen für den digitalen Musikverkauf aus den großen Plattenfirmen herauszukitzeln. Jobs, seiner ehemaligen Rolle als begnadeter IT-Verkäufer längst entwachsen, ist zuzutrauen, dass ihm Ähnliches auch für den noch immer weitgehend unbeackerten Markt der Filmdownloads gelingt: Als ehemaliger Eigner von Pixar und heutigem Miteigentümer von Disney (er hält sieben Prozent der Aktien und sitzt im Aufsichtsrat) dürfte er auch in diesem Teil der Entertainment-Industrie bestens verdrahtet sein. Die Spekulationen reichen von Downloads mit großzügigen Brennrechten bis hin zu Hardware/Shoplösungen, die den direkten Draht zur "Glotze" im Wohnzimmer beinhalten.

...oder wehrt sich die Branche noch?

"Thin Secret" berichtet allerdings, dass der große Bang vielleicht ausbleiben könnte: Allein Disney sitze bereits im Film-Download-Boot - und das liege gerade am Erfolg des iTunes Musicstore. Das klingt plausibel, denn tatsächlich hadert die Musikindustrie mit der Abhängigkeit, die sich aus iTunes' Quasi-Monopol ergeben hat. Ähnliches will die Filmindustrie angeblich vermeiden und zögere darum so lange, bis genügend viele Pferdchen zeitgleich ins Rennen um den Markt gehen. Apple jedenfalls solle diesmal keinen Vorsprung bekommen.

Reine Spekulation, die übliche Gerüchteküche vor Apples grundsätzlich nur wenige Male im Jahr stattfindenden Novitäten-Shows? Alles ist möglich.

Aber mit Mini-Nachrichten blamieren wird sich Jobs wohl kaum, weshalb es wohl kaum bei nur einer Nachricht bleiben wird. Nachdem Apple mit der Umstellung auf Intel-Chips zuletzt das Portfolio der Rechner gepflegt hatte, erwarten die Fans des Unternehmens, die mit dem Begriff "Kunden" reichlich unzutreffend beschrieben wären, nun wieder einmal den Griff in die Gadget-Kiste. Neben Metamorphosen des iPod-Konzepts, das ja immer auch auf das Angebot des iTunes-Shops zugeschnitten sein will, könnte diesmal noch anderes darin zu finden sein. Heiß - das hatte Apple durch seine nicht ganz glückliche Kooperation mit Motorola dokumentiert - ist das Unternehmen unter anderem auf Mobiltelefonie.

Soviel zur letzten Gelegenheit, an der Gerüchteküche zu schnuppern: Nach Ende des Info-Teils der Veranstaltung in San Francisico nach 19.30 Uhr deutscher Zeit wird man wissen, was Jobs wirklich in petto hatte.

pat