Sicherheitsproblem Ein Loch im Morpheus?
Nichts Genaues weiß man nich': "Irgendwie" soll es möglich sein, über die Morpheus-Verbindung Zugriff auf den gesamten Datenbestand eines an das P2P-Netzwerk angeschlossenen Rechners zu erhalten. Und das auch nicht immer, wobei ungeklärt sei, warum manche Rechner betroffen sind und manche nicht, berichtet BBC Online.
Diffuser geht es kaum. Die BBC-Redaktion zitiert ein anonymes Team von "IT-Sicherheitsexperten", denen der Hack und der entsprechende Nachweis am Freitag vergangener Woche gelungen sei. Seitdem arbeite das Team daran, den Hack zu analysieren und die offenen Fragen zu klären.
Angeblich sei es den "IT-Sicherheitsexperten" gelungen, über den Morpheus-Client an eine Liste "willkürlich ausgewählter" Nuterzernamen zu kommen. Das allerdings wäre kein Kunststück, selbst wenn es "manuell" geschähe: Die Accountnamen und damit "Adressen" von Morpheus-Nutzern im Netzwerk sind zumindest dann sichtbar, wenn der betreffende Nutzer an einem Datentausch beteiligt ist. Der Morpheus-Client bietet selbst eine Suchfunktion an, mit der zumindest das "Shared Files"-Verzeichnis aller im P2P-Netz verbundenen Rechner durchsucht werden kann: Gerade das ist der Witz an einer P2P-Börse.
Normalerweise jedoch sollte es nicht möglich sein, auf Dateien außerhalb dieses für alle angeschlossenen User freigegebenen Verzeichnisses zuzugreifen. Genau das, behauptet die von BBC Online zitierte Gruppe aber, sei ihr zumindest bei einigen der Rechner gelungen: "Das ist definitiv ein Fehler von Morpheus. Das könnte sehr gefährlich werden".
Den Nachweis jedoch tritt die Gruppe bisher öffentlich nicht an - und Morpheus ist derzeit scheinbar weder bereit, die Behauptungen zu kommentieren, noch sie zu dementieren.
Morpheus ist in einem losen, dezentralisierten Netzwerk mit den Software-Clients von KaZaA und Grokster verbunden. Diese kamen in den letzten Monaten mehrmals ins Gerede, weil sie angeblich "Spyware" transportierten: Schnüffel-Software, die "huckepack" über den Werbekanal der Programme transportiert wurde.
Prinzipiell bedeutet der Betrieb einer P2P-Software immer ein Risiko. Zwar bietet auch Morpheus die Möglichkeit an, heruntergeladene Dateien darauf zu untersuchen, ob sie "korrupt" sind. Sicherheit vor Viren, Trojaner und anderen schädlichen Programmen ist damit aber nicht unbedingt gegeben. Die P2P-Clients von Morpheus, KaZaA und Grokster erlauben den parallelen Betrieb von Virenscannern, "beißen" sich jedoch mit Firewall-Programmen: Sollte es also so sein, dass ein Rechner ungebetenen "Besuch" von außen bekommt, wäre es für den betroffenen Nutzer nur schwer möglich, das festzustellen oder zu blockieren.
Möglich ist also alles: Die Sicherheitslücke könnte sowohl in den Spezifika eines bestimmten Betriebssystemes liegen, als auch durch einen im Netzwerk verbreiteten Trojaner verursacht sein - nichts genaues weiß man. Bis die anonyme Gruppe von "Sicherheitsexperten" ihre Analyse offen legt, ist die Nachricht also mit Vorsicht zu genießen: Immerhin macht sie bewusst, dass die Öffnung eines Rechners gegenüber einem P2P-Netzwerk nicht ohne Risiken ist. Die Musikindustrie wird's freuen.