Simulation in Google Earth Google baut antikes Rom in 3D nach
Hamburg - Das alte Rom ist jetzt virtuell zu besichtigen - als 3-D-Modell auf Googles Digitalglobus Earth . In Zusammenarbeit mit einer US-Universität, verschiedenen Forschungseinrichtungen und mehreren auf 3-D-Visualisierung spezialisierten Unternehmen wurde eine Nachbildung der Stadt um das Jahr 320 auf die Satellitenbild-Weltkugel gestellt. Damals war die Weltstadt auf dem Gipfel ihrer architektonischen und technologischen Entwicklung. Mit Pomp und dem Segen des Bürgermeisters von Rom wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Direktor des Projekts "Rome Reborn" der University of Virginia in den USA sprach anlässlich der digitalen Enthüllung von einem "weiteren Schritt in Richtung einer virtuellen Zeitmaschine, die unsere Kinder und Enkel benutzen werden, um die Geschichte Roms und anderer großartiger Städte rund um den Globus zu studieren".
Das "Rome Reborn"-Projekt stellte einen großen Teil der Informationen zur Verfügung, die für die Nachbildung notwendig waren. Das 3-D-Modell der Stadt Rom existiert bereits seit 2007 (SPIEGEL ONLINE berichtete, siehe Bilderstrecke unten). Nun wurden die Daten entsprechend aufbereitet und Gebäude und Denkmäler als Pixelkästchen in Google Earth eingebaut.
Eine ungetrübte Freude sind virtuelle Rundgänge durchs digitale Rom allerdings noch nicht. Nur ein Teil der angeblich insgesamt weit über 5000 Gebäude ist jeweils gleichzeitig sichtbar, die an Pappschächtelchen erinnernden Modelle erscheinen und verschwinden beim Navigieren wie in einem 3-D-Computerspiel circa 1996 - und das bei hervorragender Hardware.
Google empfiehlt für die Benutzung ein Computer-Setup, das einem Hardcore-Computerspieler zur Ehre gereichen würde. Otto Normalanwender wird sich wohl auf einen kurzen Blick beschränken und doch lieber einen Bildband aufschlagen.
Bei den meisten Bauten wurde auf Oberflächentexturen verzichtet und auch die detaillierter nachgebildeten, etwa das Colosseum und der Konstantinsbogen, haben den Charme von Bauzeichnungen oder Kartonmodellen.
Ein Blick auf Bilder aus dem Vorbild, dem "Rome Reborn"-Modell der University of Virginia, macht deutlich, was man eigentlich sehen sollte: Originalgetreu nachgebildete, mit Oberflächenstrukturen versehene und solide wirkende Gebäude (siehe Bilderstrecke).
Noch detaillierter kann man sich ein modelliertes Rom seit Neuestem auch in einem aufwändigen 3-D-Animationsfilm aus dem Herzen des alten Rom ansehen, den man künftig in einem Spezialkino neben dem (echten) Colosseum wird ansehen können (siehe Video). Das alte Rom dürfte derzeit die meistsimulierte historische Stätte der Welt sein.
Der nützlichste Aspekt des Google-Roms (neben dem PR-Effekt für alle Beteiligten) sind denn auch die Texte: Durch Klicken auf gelbe Marker kann man sich Wissenswertes über einzelne Gebäude auf den Bildschirm holen, teilweise einschließlich weiterführender Links.
Derzeit ist das Internet-Rom also eher eine Spielerei, eine Art ruckelnde interaktive Landkarte - langfristig aber hat Bernard Frischer von der University of Virginia wohl recht, wenn er sagt, derartige Darstellungen hätten Zukunftspotential: "Im Lauf der Zeit werden sie Bildung und Forschung verändern."