Sober.n: "Ich bin's nochmal" - DER SPIEGEL
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Sober.n "Ich bin's nochmal"

Wie schafft es ein klassischer E-Mail-Wurm heute überhaupt noch, irgendwelche Rechner zu verseuchen? Indem er gut "verkauft" wird: Sober.n verlockt mit clever beiläufigen Betreffzeilen zum Klick - und ist der erste Wurm seit langem, der es wirklich zu einiger Verbreitung bringt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Mail klingt ganz unverfänglich: "Ich bin's nochmal" steht im Betreff, und im Text geht's ähnlich weiter. "Verdammt", schreibt da zum Beispiel eine angebliche "Rose", "ich hatte vergessen Dir meinen Text mitzuschicken. Aber bitte nicht woanders darueber Reden, ich wuerde mich dann zu Tode blamieren!
Ich melde mich.
Bis bald ;)"

Der Absender variiert natürlich und ist willkürlich, Name und Absendeadresse werden aus dem Mailordner eines befallenen Rechners abgegriffen. Mit ein wenig Pech taucht dort ein vertrauter Name auf und verleiht der Virensendung so Glaubwürdigkeit: So schnell kann das auch heute noch immer gehen.

Noch perfider kommt die englische Version von Sober.n daher. In radebrechendem knapp-daneben-Englisch schreibt da ein Unbekannter, aufgrund eines Providerfehlers landeten angeblich die privaten E-Mails des Virenpost-Empfängers fälschlicherweise im Postfach des angeblichen Weiterleiters. Dass da jemand wirklich auf den Dateianhang klickt, um mal zu sehen, welche Post da falsch zugestellt wurde, ist vorstellbar.

Die Masche ist natürlich so alt wie die PC-Würmer an sich und hatte in den letzten Jahren kaum noch Erfolg: Seit "I Love You" und Nachfolger sind die meisten PC-Nutzer gebrannte Kinder und entsprechend vorsichtig geworden. Doch Sober.n zeigt einmal mehr, dass es zu früh für generelle Entwarnungen ist. Klug verpackt bringt es ein E-Mail-Wurm auch heute noch zu einiger Verbreitung.

Sober.n geht seit Montagnachmittag um, die Virenexperten der IT-Sicherheitsunternehmen arbeiten an Patches, den Wurm bereits im Posteingang auszufiltern. Besonders bissig ist das Weichtier nicht, schadet zunächst nur durch Selbstvermehrung und massenhafte Verbreitung. Ohne Risiko ist der Wurm dennoch nicht, denn er versucht, diverse IT-Sicherheitsprogramme zu deaktivieren.

Bis die Hersteller von Virenfiltern alle ihre Produkte auf den letzten Stand gebracht haben, hilft die einfachste aller Methoden zur Bekämpfung von E-Mail-Würmern: Dateianhänge in unaufgefordert zugesandten Mails einfach nicht öffnen, die betreffende Mail stattdessen löschen.

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