Sobig B/C: Virenflut trotz Sommerwetter - DER SPIEGEL
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Sobig B/C Virenflut trotz Sommerwetter

Eigentlich, scherzen IT-Sicherheitsexperten, erkälten sich Rechner vor allem dann, wenn das Wetter mies ist: Wenn man am Baggersee liegt, kann man keine Viren schreiben. Dieses Jahr scheint das anders zu sein: Im Web breiten sich wahre Epidemien aus.
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Was ist jetzt schon wieder los? Ätzend langsam wird der Rechner, fast ist es, als wolle der Bildschirm gefrieren. Selbst der Cursor folgt der Maus nur noch mit Verzögerung, und im Inneren des Rechenknechtes sägt und knarzt und surrt es: Das ist das Virenschutzprogramm, das gerade eifrig versucht, eine zig Megabyte große E-Mail-Inboxdatei in den Isolationsbereich zu schleppen.

Da liegt sie dann gut und sicher und wahrscheinlich für alle Zeit verloren: Spaß macht das nicht. Das geschilderte Erlebnis teilten in der letzten Woche einige Zehntausend deutsche Web-Nutzer, die sich mit zwei neuen Varianten des Yaha-Virus herumplagen durften.

Doch weil kein Schmerz ewig währt und stets von frischen Zipperlein überdeckt wird, vergessen wir das alles ganz schnell und widmen uns dem neuesten Miesling: Sobig heißt er mal wieder, diesmal in den Varianten B und C.

Die zwei Schädlinge liefern sich ein kleines virtuelles Wettrennen um den Globus, und der Sieger ist noch nicht ausgemacht - wohl aber die Verlierer: Zurzeit herrscht Springflut an der Virenfront wie seit langem nicht mehr, und wer sein System nicht hinreichend schützt, hat beste Chancen, miese Überraschungen zu erleben.

Sobig tarnt sich als Servicepost von Microsoft, und augenscheinlich hat sich das noch immer nicht hinreichend herumgesprochen: Für viele wirkt der Absender "support@microsoft.com" Vertrauen erweckend. Denn genauso wünscht man sich doch den Service eines guten Softwarehauses, dass man sogar ungefragt wertvolle Ergänzungen und Updates per Mail geliefert bekommt. Microsoft beteuert aber glaubhaft, dass es so etwas grundsätzlich nicht tue, was das Aussondern von Sobig eigentlich einfach machen sollte: Was scheinbar vom Microsoft-Support kommt, ist garantiert ein faules Ei.

Im Fall von Sobig - und im Gegensatz zu Yaha, der nach wie vor Rechner rasiert - zum Glück nur ein ganz kleines: Alle bisher aufgetretenen Sobig-Viren beschränken sich darauf, sich selbst massenhaft zu verbreiten. Sie belasten also den netzwerkverkehr, richten darüber hinaus aber keine Schäden an.

Die Viren kommen per Mail-Anhang ins Haus geflattert, erst der Klick auf den angehängten angeblichen "Screensaver", "Movie", auf diverse "Pif"- und andere Dateien setzt das Virus in Gang. Wer aber drei Jahre nach "I Love You" noch immer auf ungefragt zugesandte Mail-Attachments klickt, gehört eigentlich mit drei Wochen Hinterhoffegen unter erschwerten Bedingungen bestraft.

Anders sieht das bei Viren wie Yaha aus, die sich als Anhang einer Mail tarnen, die von einer neutralen oder vielleicht sogar bekannten Absenderadresse kommen. Da helfen keine Vorsichtsmaßnahmen mehr, sondern nur ein adequater Virenschutz.

In Anbetracht der laufenden Virenwelle ist darum ein häufiges Updaten der Virenschutz-Software anzuraten. Alle Hersteller von Virenschutz-Software bieten Updates gegen Sobig und Yaha an. Nur, wie man die im Isolationsbereich vergrabene E-Mail-Inbox reanimiert, hat bisher anscheinend niemand gelöst.

Frank Patalong

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