Sotheby's: Virtueller Hammer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sotheby's Virtueller Hammer

Mit den Briefmarken und Überraschungsei-Figuren von eBay und Co. will Sotheby's zwar nicht konkurrieren. Doch das Traditionshaus versteigert jetzt auch übers Internet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Auch vor dem traditionsreichen Auktionshaus Sotheby's  macht die Moderne nicht Halt: Seit Dienstag fällt der Hammer nicht nur real, sondern auch im Internet . Sotheby's, das bisher schon zusammen mit dem Online-Buchhändler Amazon eine private Auktionsseite  betreibt, steigt damit auch ins Online-Auktionsgeschäft mit den wirklich teuren Angeboten ein.

Prunkstück der ersten Online-Versteigerung von Sotheby's ist eine von nur 24 erhaltenen gedruckten Exemplaren der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, so Sotheby's-Sprecher Matthew Weigman in New York. Der Erlös dafür werde voraussichtlich mehr als vier Millionen Dollar betragen.

Deutschland gehört neben den USA, Kanada und Großbritannien zu den vorerst nur vier Ländern, von wo aus Anbieter unmittelbar und verbindlich online mitsteigern können. Andere Staaten sollten nach Klärung rechtlicher und sicherheitstechnischer Voraussetzungen hinzu kommen, sagte Weigman.

Das Internet biete, so das Auktionshaus, die Möglichkeit, Angebote in ein und dieselbe Versteigerung zu geben, die sich zum Zeitpunkt der Auktion noch in Galerien verschiedener Länder befänden. So seien in Deutschland mit Sotheby's verbundene Kunst- und Antiquitätenhandlungen in Köln und Berlin an den Online-Auktionen direkt beteiligt.

Das Exemplar der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 ist weltweit einer der Auktionsgegenstände mit der größten "Wertsteigerung". 1989 hatte es ein Mann in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania für ganze vier Dollar erstanden. Die Erklärung war hinter einem unbedeutenden Bild versteckt, das der Mann einzig und allein wegen des Bilderrahmens gekauft hatte.

1991 brachte der Käufer die Erklärung zu Sotheby's. Noch im selben Jahr wurde sie für 2,42 Millionen Dollar versteigert. Nun wird dieses Exemplar - eines von nur vier in privater Hand - wieder angeboten und könnte gut eine Million Mal mehr als den Flohmarkt-Kaufpreis von 1989 einbringen.

Marktführer bei den Online-Auktionshäusern ist derzeit die Firma eBay , die eigenen Angaben zufolge weltweit über 7,7 Millionen registrierte Kunden hat. In Deutschland gehören eBay.de  (ehemals Alando.de) und Ricardo.de  zu den größten Anbietern.