Spielautomaten: Einarmige Banditen werden digital - DER SPIEGEL
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Spielautomaten Einarmige Banditen werden digital

Die digitale Revolution macht auch vor den Glückspielautomaten nicht halt. Die Geräte sollen endlich digital werden, wünscht sich die Branche - die Spieler selbst aber misstrauen den einarmigen Datenbanditen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Spezialisten von PureDepth haben Jahre damit verbracht, eine Technik zu entwickeln, die Soldaten bei der Erstellung von dreidimensionalen Karten von Kampfzonen hilft. Schließlich konnten sie ihr streng geheimes Programm auch der US-Luftwaffe und der Marine verkaufen. Das große Los zog das Start-up-Unternehmen aus dem Silicon Valley aber erst im Oktober vergangenen Jahres, als ein Vertrag mit International Game Technology unterzeichnet wurde - dem weltgrößten Hersteller von Spielautomaten.

Für Branchenkenner ist der Videobildschirm der Automaten die letzte große Hürde vor der vollständigen Digitalisierung der so genannten Einarmigen Banditen, die die Spielkasinos in Las Vegas und in anderen Orten beherrschen. Die neuen Displays von PureDepth und anderen Firmen, die gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen sollen, könnten die US-Glücksspielindustrie, die auf 85 Milliarden Dollar Umsatz kommt, von Grund auf verändern.

Wenn die High-Tech-Automaten einmal in Betrieb sind, dann können die Programmierer jeder Zeit praktisch alle Aspekte des Spiels kontrollieren - die Kosten, die Gewinnausschüttung, auch die Bilder, die bei den Gewinnreihen erscheinen. Über die Mikrochips in den Automaten können die Kasinobetreiber immer wenn sie wollen etwas verändern. "Das ist das letzte Teil im Puzzle", sagt die Finanzanalystin Aimee Marcel Remey, die die Automatenindustrie beobachtet.

Autos statt Obst für die Nascar-Fans

Wenn die Beach Boys mal wieder im Luxor in Las Vegas spielen, dann zeigen die Displays der Automaten dort statt Kirschen, Zahlen oder Symbolen vielleicht die Fotos der Band-Mitglieder. Und wenn alle in einer Reihe auftauchen, dann gewinnt der Spieler möglicherweise eine Eintrittskarte zum nächsten Konzert. Der eingebaute Drucker spuckt es sofort aus. Auch könnten zu jeder Zeit der Mindesteinsatz angehoben oder alle Maschinen zu einem Jackpot zusammengeschaltet werden.

"Und wenn die Fans der NASCAR-Rennen nach Vegas kommen, dann tauscht man die Früchte gegen Autos aus", sagt Fred Angelopoulos, der Chef von PureDepth. Der Systemadministrator müsste dafür nur ein paar Tasten bedienen. Bislang mussten Kasino-Beschäftigte solche Änderungen von Hand durchführen, das heißt, die Automaten abschalten, das Glas entfernen und die Bilder austauschen.

Aber nicht jeder ist von den neuen Aussichten begeistert. Schon jetzt ist rund die Hälfte der rund 835.000 Glücksspielautomaten mit Bildschirmen ausgestattet – die konnten sich aber nicht durchsetzen. Ihnen fehle das Gefühl, das die mechanischen Trommeln vermittelten, die bei einem Gewinn spür- und hörbar einrasteten, heißt es.

Viele Spieler misstrauen den digitalen Gesellen

Inzwischen wird mit Mischformen experimentiert, die eine mechanische Trommel und einen dreidimensionalen Bildschirm bieten.

Der Automatenhersteller WMS Industries will im nächsten Monat ein solches Gerät vorstellen, dessen patentierte Technik in Zusammenarbeit mit der japanischen Firma Aruze entwickelt wurde. Letztlich gehe es doch bei allen Kasinos darum, die Psychologie der Spieler anzusprechen, sagt Jeffrey Allen von Bally Technologies, einem Automatenhersteller aus Las Vegas. Dabei hat die neue Technik offenbar noch einige Hindernisse zu überwinden.

Viele Spieler misstrauen den digitalen Geräten grundsätzlich, schließlich haben sie die gleichen Fehler und die gleichen Probleme wie PCs. Hacker versuchen schon seit Jahren, Kasino-Systeme zu knacken. Theoretisch könnten sie Millionen Dollar erbeuten.

"Mir fehlt das Ziehen an den alten Hebelarmen und ich vermisse auch die großen Becher, die sich mit Münzen füllten, wenn man gewonnen hatte", sagt wehmütig die 71-jährige Margaret Spence. "Die Video-Maschinen erscheinen mir wie Zeitverschwendung - wie ein Videospiel." Auch wenn der Wandel vielleicht wohl nicht mehr aufzuhalten ist, etwas aber wird sich sicher nicht ändern - die magere Chance, den Jackpot zu gewinnen.

Von Rachel Konrad, AP