Sprechende Webseiten und E-Mails Das Ende der Stille
Frankfurt am Main - Bislang fristeten Programme, die Webtexte in gesprochene Sprache umwandeln, ein Nischendasein in Browsersoftware für Blinde oder Sehbehinderte. Den Massenmarkt erreichten diese Programme auch deshalb nicht, weil sie zum Teil recht teuer sind. Der IBM-Browser zum Beispiel kostet 149 Dollar.
Es gibt inzwischen aber auch mehrere kleine kostenlose Programme, mit denen man sich Webseiten vorlesen kann, zum Beispiel den WebFormator von Frank AudioData oder den Logox WebSpeech Reader von G-Data. Ziel der Software ist es ausdrücklich, dem Internet eine Wahrnehmungsebene hinzuzufügen, die vor allem die grafische Gestaltung der Webseiten ergänzen soll. Problematisch ist, dass die Stimmen, bei der Software WebSpeech stehen immerhin bis zu vier zur Wahl, noch immer etwas mechanisch klingen.
Endlich: E-Mails mit Augenzwinkern
- Institut für Sprachkommunikation der Uni Dresden:Virtuelles Sprachsynthesemuseum
- G-Data:Webspeech
- IBM:Browser für Blinde
- Webformator:Browser für Blinde
- LifeFX:Facemail
Während sich bei WebSpeech und ähnlichen Programmen oft nur ein Mund zu dem gesprochenen Text bewegt, geht die Firma LifeFX schon einen Schritt weiter und bringt mit ihrem Programm Facemail Gesichter auf den Bildschirm. Schließlich sagt ein Lächeln oder ein Blinzeln oft mehr als viele Worte. Die Gesten und Bewegungen der Kunstgesichter, die den Text vorlesen, machen auch einen halbwegs realistischen Eindruck.
Facemail benutzt zur Umwandlung geschriebener Wörter ein Text-zu-Sprache-Programm von IBM, das zusammen mit Facemail installiert wird. Um eine solche Mail auch richtig umsetzen zu können, braucht natürlich der Empfänger ebenfalls Facemail. Das Schreiben der E-Mail ist auch nicht aufwendiger als jetzt. Man muss lediglich ein paar Emoticons, zum Beispiel :) für ein Lächeln, einfügen, und schon reagiert das Gesicht entsprechend.
Geht das eigentlich nicht auch ohne Computer?
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Wenn man sich die E-Mail vorlesen lassen kann, wozu braucht man dann eigentlich noch den Computer? Moderne Spracherkennungssysteme gehen daher noch einen Schritt weiter und machen den eigenen Rechner (fast) überflüssig. So haben etwa Forscher aus Dresden ein System entwickelt, mit dem man sich seine E-Mails am Telefon vorlesen lassen kann. Präsentiert werden soll dieses Sprachsyntheseprogramm namens DRESS jetzt auf der Computermesse Cebit in Hannover (Halle 16, Stand B 23).
In den USA im Kommen sind so genannte Voice Portals, eine Art computerisierte Allround-Auskunft, die von Firmen wie Tellme, BeVocal oder HeyAnita betrieben werden. Sie benutzen modernste Spracherkennungssoftware, um die Anfrage der Kunden entgegenzunehmen, suchen dann die Antworten im Internet, die sie dem Kunden in gesprochener Sprache vorlesen. So werden die neuesten Nachrichten, Wetteraussichten, Börsenkurse oder Horoskope geliefert oder auf Wunsch auch der Weg zum nächsten Theater oder italienischem Restaurant gezeigt.
Klaus Gürtler, AP