Spurverbreiterung HSDPA UMTS mit Turbolader
Zwei Jahre nach der Einführung von UMTS schalten die Mobilfunker einen Gang höher: Auf der Cebit in Hannover starten T-Mobile und Vodafone die Breitbandtechnik HSDPA als neues Leistungsmerkmal von UMTS. Damit wird eine mobile Datenübertragung von 1,8 Megabit pro Sekunde möglich - fast fünf Mal so schnell wie UMTS, das die Verbraucher bislang nicht so recht überzeugen konnte.
Die ersten Handys mit HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) sollen bis zur Fußball-WM auf den Markt kommen - und dann etwa die flüssige Übertragung von Fußballspielen ermöglichen. Einige Geräte sind bereits auf der Cebit zu sehen, etwa von Benq-Siemens ein Klapp-Handy mit der Modellbezeichnung EF91. Sein Bildschirm von 240 mal 320 Pixel ist groß genug für die Übertragung von Filmen; neben einer 3,2-Megapixel-Kamera verfügt es über eine weitere Kamera für die Video-Telefonie. Weitere Anwendungen für das mobile Breitbandnetz sind Online-Spiele, aber auch Geschäftsanwendungen wie der Zugriff auf Datenbanken.
Neben dem Vorteil der höheren Bandbreite verkürzt HSDPA auch die Reaktionszeit beim Aufrufen von Web-Seiten. Die Laufzeit vom Absenden bis zur Ankunft eines Datenpakets beträgt bei HSDPA nur noch 100 Millisekunden, verglichen mit bis zu 400 Millisekunden bei UMTS. Besonders wichtig ist dies bei Online-Spielen, wo es auf schnelle Reaktionen ankommt, aber auch beim mobilen Zugang ins Firmennetz (VPN).
Wie schon bei der Einführung von UMTS zur Cebit 2004 feiert auch HSDPA seine Premiere zunächst auf dem Notebook. Die ersten Eindrücke im Test der Datenkarte von Vodafone sind überzeugend. Nach dem Eingeben der PIN-Nummer für die Sim-Karte und einem weiteren Mausklick steht die Netzverbindung und zeigt 1,8 Mbit/s an. Die tatsächlich erreichte Bandbreite schwankt zwischen 1,4 und 1,8 Mbit/s, was etwa der Qualität einer typischen Internet-Verbindung über WLAN und einen schnellen DSL-Zugang in der Privatwohnung entspricht.
Erster Eindruck: nicht schlecht
WLAN ermöglicht zwar inzwischen Geschwindigkeiten von 100 MBit/s auf dem Notebook, ist aber auf den engeren Umkreis der "Hotspots" auf Flughäfen oder in Restaurants begrenzt. Hier bietet das Mobilfunknetz die weitaus größere Reichweite. Im Stadtgebiet von Frankfurt am Main ist die Funkabdeckung ebenso stabil wie in Hannover. Das "Handover", also die Übergabe von einer zur anderen Mobilfunkzelle, funktioniert problemlos. Bei einer Autofahrt im Stadtgebiet gibt es keine Unterbrechung der HSDPA-Verbindung. Erst wenn man die Reichweite der Funkzelle verlässt, wird die Verbindung in das langsamere GPRS heruntergeschaltet.
Die Makrozellen im HSDPA/UMTS-Netz haben je nach Dichte des Ballungsraums eine Reichweite von mehreren hundert Metern bis zu einigen Kilometern. Auf dem Cebit-Gelände hat Vodafone testweise eine Mikrozelle eingerichtet, in deren Reichweite bis zu 10 MBit/s möglich sind. Das Maximum der HSDPA-Technik liegt nach bisheriger Einschätzung bei 14,4 Mbit/sec.
"HSDPA ist die Innovationsgrundlage schlechthin für den Mobilfunk auf dieser Cebit", sagt Telekom-Vorstandsmitglied René Obermann. Bei T-Mobile kostet der Datentransfer mit HSDPA 35 Euro im Monat plus einen Euro für jeden Nutzungstag - bis zu einer Mengengrenze von fünf Gigabytes im Monat.
Wie schon bei UMTS ist der Upload, also das Hochladen von Daten zu einem entfernten Server, auch bei HSDPA mit 384 KBit/sec noch deutlich langsamer als der Download. Abhilfe schafft hier die Mobilfunktechnik HSUPA (High Speed Uplink Packet Access), die Upload-Geschwindigkeiten von 1 bis 5,8 MBit/s verspricht. HSUPA könnte schon im nächsten Jahr eingeführt werden - zusammen mit der nächsten HSDPA-Stufe von 3,6 MBit/s. Damit werden die Mobilfunker wohl auch zur Cebit 2007 ihren Datenturbo wieder einen Gang höher schalten.
Peter Zschunke, AP
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