Spyware: P2P-Dienste beschnüffeln ihre Nutzer - DER SPIEGEL
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Spyware P2P-Dienste beschnüffeln ihre Nutzer

Wer Millionen ins Web pumpt, will irgendwann auch Geld machen. Das ist so einfach nicht, und einige Anbieter verfallen auf Methoden, die nicht gerade gut ankommen bei den Usern. Wie ZDnet berichtet, haben einige P2P-Dienste ihren Sündenfall schon hinter sich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Grundgedanke der Peer-to-Peer-Netzwerke nach dem Muster von Napster hat eine Menge mit Freiheit zu tun. Millionen von Nutzern in aller Welt glauben, sich per P2P aus der Abhängigkeit "der Industrie" befreien zu können. In der Welt der virtuellen Tauschbörsen herrscht relatives Vertrauen - und nur davon leben die Dienste.

Denn jeder Nutzer eines P2P-Dienstes tut eigentlich Ungeheures: Er öffnet seinen Rechner für ihm nicht persönlich bekannte Menschen "da draußen", im Vertrauen darauf, dass alles im Bereich der Börse nur nach dem Prinzip des Eine-Hand-wäscht-die-andere vonstatten geht.

So ist das wohl auch, und so verstehen das auch die Betreiber der Tauschbörsen - einige mehr als andere.

Eine Reihe von Tauschbörsen, deckte nun ZDnet auf, haben sogar ein ganz besonderes Verständnis dieses Grundprinzips: Im Versuch, aus den kostenlosen Diensten endlich Geld herauszukitzeln, jubeln sie ihren Nutzern so genannte "Spyware" unter - im Paket mit den Installationsdateien ihrer Software.

Der "Deal", persönliche Daten als Gegenleistung für kostenfreie Dienste weiterzugeben, gehörte zu den ersten Ansätzen des Web-Marketings. In der Praxis hat er sich nicht bewährt: Werbefachleute hofften, User seien "gern bereit", etwas von sich preiszugeben als Gegenleistung für "Mehrwerte". Vergebens: Es ist eher selten, dass User freiwillig Daten weitergeben - und wird es ruchbar, dass diese "erschnüffelt" werden, führt dies in aller Regel zu einem öffentlichen Aufschrei.

Kein Wunder also, dass man mit dem Einsatz von Spyware, Schnüffel-Software, gemeinhin nicht hausieren geht. Die Erfahrungen von RealNetworks, die über den Einsatz einfacher Spyware "personalisierte Werbung" möglich machen wollten und - ganz nebenbei - Adressen und persönliche Daten ihrer User sammelten, haben gezeigt, wie schnell ein Unternehmen seinen Ruf verlieren kann, wenn so etwas auffliegt. Viele Spyware-Programme kommen deshalb im Deckmäntelchen der "Dienstleistung" daher.

Wie zum Beispiel Gator, die "privacy Software".

Gator bietet dem Nutzer einen "Mehrwert": "Nie wieder", heißt es auf der Website des Unternehmens, müsse man Online-Registrierungen und Formulare ausfüllen, denn Gator "merkt sich" die Kerndaten und übernimmt das für den User. Dass Gator dabei den Richtlinien des "eTrust"-Siegels folgt, muss man doch wohl kaum erwähnen? Sei also beruhigt, User: Deine Daten sind völlig sicher bei uns.

Eine tolle Sache also, doch was hat Gator davon?

Wie Gator sein Geld macht, findet man nicht etwa in den Datenschutz-Richtlinien der Website, sondern unter dem Punkt "Werben bei Gator". Kunden aus der Unternehmenswelt wird angeboten, den eindeutig identifizierten Usern "personalisierte Werbung" zu präsentieren. Und das nicht nur, wenn sie die Gator-Software bewusst und willentlich nutzen, sondern immer dann, wenn sie sich im Web bewegen.

Plop! - plötzlich geht ein Fenster auf. Wo kommt das her? Wer belästigt mich da wieder? Fragen, die für den User zunächst nicht zu beantworten sind.

Doch selbst an diesem Punkt macht Gator nicht halt: Wenn man Personendaten schon einmal hat, warum sollte man sie nicht verkaufen? Und wenn ein User dazu seine Zustimmung nicht gibt, warum sollte man dem zahlenden Kunden nicht zumindest melden, wo im Web sich der Kunde gerade herumtreibt?

Ein digitaler Alptraum. Und einer, der unter anderem von AudioGalaxy eingesetzt wird. Irgendwo im "Kleingedruckten" vor der Installation gibt man als User seine Zustimmung zu diesem "Service": Am Ende warten die Buttons "Akzeptieren" oder "Ablehnen". Hand aufs Herz: Wer liest schon den Sermon der Nutzungsbestimmungen, bevor er klickt? Steht doch immer derselbe Kokolores drin, oder nicht?

"Huckepack": Mit dem gewollten Programm kommt die Spyware

Eben nicht. Etwas weniger Neugierig als AudioGalaxy/Gator sind P2P-Dienste, die sich anschicken, die Erfolgsstory des sterbenden Napster wiederholen zu wollen: BearShare, iMesh und Global DivX zum Beispiel.

BearShare ist ein auf Gnutella basierender Software-Klient, den man von der Website des Unternehmens in Form einer "selbstinstallierenden" exe-Datei herunterladen kann. Darin enthalten: Nicht nur das Installationsprogramm für den BearShare-Client, sondern auch das für ein Schnüffelprogramm namens "SaveNow".

Ein herrlich doppeldeutiger Name, den man sowohl mit "jetzt sicher" als auch mit "jetzt abspeichern" übersetzen könnte. Auch SaveNow erschnüffelt Persönlichkeits-Profildaten - und "versorgt" den User künftig mit einem attraktiven Paket sehr personalisierter Werbung. Immer, überall - und nicht nur, wenn BearShare in Betrieb ist.

Denn das haben alle Spyware-Programme gemein: Sie reiten huckepack ins System, sind aber in der Regel nicht an eine bestimmte Software gebunden. Einmal installiert, entwickelt der Browser ein kleines Eigenleben.

SaveNow erschnüffelt ein Profil, beschickt den User mit ungewollter Werbung, aber führt zumindest kein Logbuch darüber, was der User im Web anstellt.

Dass man gerade ausgeschnüffelt wird, ist in den seltensten Fällen zu bemerken. Gator greift auf eine so genannte "Trickle"-Technik zurück, bei der der Datenfluss vom User zu Gator extrem langsam vonstatten geht: Er "tröpfelt", um möglichst wenig Bandbreite zu belegen und so unbemerkt durchgeführt werden zu können.

Gegenmittel? Da muss man nach suchen...

Die bei weitem meisten Anbieter von Spyware verbergen ganz gern, was sie wirklich tun. Dazu kommt, dass man in den seltensten Fällen willentlich Spyware installiert: Sie kommt zumeist im "Bündel" mit einer Software, die man wirklich nutzen will. Neben internetbasierten Programmen gilt dies für zahlreiche Programme aus dem Shareware/Freeware-Bereich.

Die Programmierer und Anbieter solcher Programme müssen sich darüber noch nicht einmal im Klaren sein. So versichert das Shareware-Unternehmen Ashampoo, die Zusammenarbeit mit dem Softwareanbieter Cydoor aus eigenem Antrieb aufgegeben zu haben, nachdem "wir bemerkt haben, daß in der Tat nicht nur Banner- Reporting-Zahlen bei unseren Kunden abgefragt werden". Davon, versichert Ashampoo, sei man aber ausgegangen. "Wir haben uns sofort entschlossen, ein eigenes Banner-System zu programmieren, das auch in allen unseren neueren Versionen bereits integriert ist."

Die Grenze zwischen dem legitimen Wunsch, Daten über die Akzeptanz von Werbung zu sammeln und dem Versuch, doch noch dieses kleine bischen mehr zu erfahren, ist manchmal fließend.

Spyware zu finden ist nicht ganz leicht. Vergleichsweise "schlechte" Programme kann man dadurch aufspüren, dass man die "Task-Liste" von Windows beobachtet: Viele Programme starten "im Hintergrund" bei jedem Windows-Start und sind dann auch als "aktive Programme" sichtbar. Andere findet man nur, wenn man nach ganz spezifischen Dateien in den Tiefen der Festplatte sucht: Die "Counterexploitation"-Website Cexx.org hält da einige Tipps bereit.

Leichter geht das mit einer "Firewall", die den eigenen Rechner gegenüber ungewollten Datenzugriffen schützt. Viele dieser Programme sind in der Lage, Spyware dadurch zu finden, dass sie den Datenfluss im "Upload" vom Rechner ins Internet überwachen. Programme wie "Safeguard" von Utimaco stufen präventiv alle neuen Applikationen als hoch riskant ein - egal, ob man sie bewusst oder unbewusst installiert hat - und fragen beim User nach. Solche Programme sind schon für kleinere Unternehmen interessant und schlagen mit rund 150 Mark pro Arbeitsplatz zu Buche.

Für Privatpersonen ist der kleine Schutzwall sogar noch preiswerter: Produkte wie die "Personal Firewall" von Norton tragen eine unverbindliche Preisempfehlung von 99 Mark mit sich herum - im Angebot gibt es sie auch schon mal 20 Mark billiger.

Der Einsatz von Personal Firewalls gerät für viele User zum Schock: Die Zahl der Programme, die ohne Wissen des Nutzers Verbindung zu irgendwelchen Servern im Web suchen, ist notorisch hoch.

Mit dem Finden der Spyware ist die Sache leider oft noch nicht einmal getan. Selbst eine Deinstallation der betreffenden Software bietet nicht unbedingt einen dauerhaften Schutz. Durch die Kopplung an eine andere Software gelingt es vielen Programmen, sich immer wieder zu reinstallieren, wenn diese Software wieder benutzt wird.

In diesem Fall hilft dann nur eines: Produkte, die nicht "mit offenen Karten spielen" und den User mit ungewollter Schnüffelsoftware beschicken, sollte man meiden. Das Beispiel der RealJukebox im letzten Jahr hat gezeigt, dass ein Firma, die etwas auf sich hält, mit solchen Praktiken dann mehr oder weniger schnell Schluss macht.

Frank Patalong

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