Star Office 5.2: Strategisches Investment - DER SPIEGEL
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Star Office 5.2 Strategisches Investment

Es war einmal... - ein deutsches Unternehmen, das ausgezogen war, Microsoft auf dem Markt der Office-Software die Stirn zu bieten. Jetzt meldet sich Stardivision, inzwischen von der US-Firma Sun Microsystems aufgekauft, mit einer neuen Office-Suite zurück. Und verspricht eine Menge...
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Sun Microsystems hat ab sofort die nächste Version von Star Office zur weltweiten Verbreitung freigegeben. Das Programmpaket mit der Versionsnummer 5.2 kann über das Internet heruntergeladen werden. Das Programm ist die erste eigene Entwicklung nach dem Verkauf von Stardivision an Sun. Die Vorgängerversion brachte der Softwarehersteller im Herbst vergangenen Jahres noch als Mitgift in die Firmenehe.

Star Office bleibt für den Anwender kostenfrei - er muss sich nur registrieren lassen. Das Programm ist für Windows, Solaris und die Linux-Rechnerwelt erhältlich. Nur für OS/2 wurde keine Neuauflage hergestellt. Wer sich das bis zu 100 Megabyte dicke Paket nicht über das Internet laden will oder kann, dem bietet Sun es auch auf CD mit gedrucktem Handbuch an - zu einem "Selbstkostenpreis" von etwa 80 Mark.

Star Office besteht aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation, einem Präsentationsprogramm, einer Datenbank und weiteren nützlichen Programmen. Es kann sowohl für eigene Texte als auch für die Gestaltung von Web-Inhalten benutzt werden. Wie Tony Hampel, der zuständige Marketingdirektor bei Sun, betont, legt das Unternehmen großen Wert auf die "Zusammenarbeit" mit der Microsoft-Office-Familie - kein Office-Paket-Anbieter kann es sich leisten, die Standardformate der Microsoft-Programme nicht zu unterstützen. Gerade mit der Kompatibilität zu Microsoft-Programmen hatte es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben. Bis zur Version 4.0 verhinderten Kompatibilitätsprobleme den Erfolg am Markt.

Sun bietet die komplette Hilfe online an, und zur Not greifen dem Anwender "virtuelle Assistenten" unter die Arme. Neben HTML unterstützt das Programm auch das XML-Format und sei somit, so Hampel, das richtige Werkzeug zur Herstellung eigener Webinhalte. Beim Präsentationsprogramm hat Sun die Größe der Dateien abgespeckt, damit sie sich leichter mobil transportieren lassen. Zudem muss der Vortragende sich nicht das komplette Office-Paket installieren, sondern kann die virtuellen Folien mit einem "Projektor"-Programm vorführen.

Die neue Version 5.2 ist in elf verschiedenen Sprachen verfügbar, darunter auch zwei für Osteuropa (polnisch und russisch). Sun unterstützt die Verbreitung von Star Office auf breiter Front: Wer möchte, kann die Version firmenintern oder Web-weit zum Download anbieten. Wer einen Computer verkauft, kann kostenlos eine Star-Office-CD beilegen. Zeitschriften und Magazine dürfen sie auf der Heft-CD veröffentlichen.

Sun bringt auch mehrere Zusatzpakete auf den Markt, die ebenfalls kostenfrei erhältlich sind: Firmen passen mit dem Ressource Kit bisher verwendete Dateien auf die Verwendung mit Star Office an. Entwickler können mit dem Software Developer Kit das Programmpaket auf Ihre Bedürfnisse zurechtschneidern. Sun beabsichtigt sogar, den Quellcode von Star Office zu veröffentlichen.

Sun verfolgt mit der weiteren kostenlosen Veröffentlichung mehrere Strategien. Tony Hampel: "Wir glauben, der Markt braucht eine Office-Suite, und zwar nicht nur für Windows, sondern auch für andere Plattformen. Sun profitiert über den Support und den Verkauf von Sun-Hardware. Ein weiterer wichtiger Grund ist: Wir verbreiten damit unsere dot-com-Vision: Jede Firma sollte in der Lage sein, ins Internet zu gehen."

Das klingt nach hehren Idealen. Zweifler mögen mutmaßen, dass es Sun hier aber nicht nur um Idealismus geht: Die Strategie, ein kraftvolles Programm zu "verschenken", hat vor Jahren schon Netscape einen exorbitanten Marktanteil im Bereich der Browser-Software gesichert. Ist solch ein Programm erst einmal "Standard", mag man bei Sun hoffen, lässt sich damit vielleicht im Professional-Bereich auch Geld verdienen. Was der User zu Hause nutzt, das nutzt er in der Regel auch gern im Büro - und zur Zeit ist das nach wie vor Microsoft Office.

Dass Sun zudem ein lebendiges Interesse daran hat, Alternativen zur Windows-Architektur zu fördern, ist ebenfalls kein Geheimnis. Suns Profitinteresse mag also schlicht darin liegen, den übermächtigen Konkurrenten weiter zu destabilisieren. Den User mag das nur freuen: Billiger kommt man an kein professionelles Office-Programm.

Sun Star Office kann ab sofort von der deutschen Sun-Website heruntergeladen werden.

Thomas Jungbluth/Frank Patalong