Statistisches Bundesamt Eltern sind digitaler
Paare mit Kindern, fand das Statistische Bundesamt heraus, investieren überdurchschnittlich viel Geld in Unterhaltungselektronik.
Während im Schnitt nur jeder zweite Haushalt über einen DVD-Player verfüge, finde man den in 74 Prozent aller Haushalte mit Kindern. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Singles, denen man ob ihres im Vergleich mit Familien in der Regel höheren Pro-Kopf-Einkommens voreilig technische Investitionsfreude unterstellen könnte - doch gerade einmal 31 Prozent von ihnen verfügen über einen DVD-Player.
Wahrscheinlich haben sie besseres zu tun mit ihrer üppigeren und freier zu gestaltenden Freizeit. Denn natürlich spiegeln sich hier Lebensgewohnheiten: Gerade mit kleineren Kindern erleben junge Eltern eine Phase des Vorab-Rentnertums, in der sie für einige Jahre am Nachtleben nicht mehr teilnehmen können. In der Praxis ist die Miete für die DVD halt niedriger als der Preis für Kinokarten plus Babysitter - einmal abgesehen vom niedrigeren organisatorischen Aufwand.
Der Trend zieht sich durch alle möglichen Geräteklassen. Das Bundesamt erfasste auch MP3-Player und Digitalkameras. Auch hier sind die Familien ähnlich überproportional ausgestattet. Über eine Digitalkamera verfügen 57,5 Prozent der Familien gegenüber nur 15,5 Prozent der Singles. Das dürfte allerdings auch bei Analogkameras nicht anders sein: Wer Kinder hat, fotografiert generell mehr.
Dass die Ausstattung von Familien mit MP3-Playern (27,8 Prozent) im Vergleich zu Singles (6,4 Prozent) ähnlich übermächtig ist, spiegelt dagegen wohl eher die Situation von Familien in einer anderen Phase: Nirgendwo dürfte die Nachfrage nach MP3-Sticks und Co. größer und drängender sein als unter größeren Kindern und Jugendlichen.
So entpuppen sich die im ersten Augenblick vielleicht überraschend wirkenden Erkenntnisse des Statistischen Bundesamtes letztlich als durch die Lebensumstände der verschiedenen Haushalte erklärliche Selbstverständlichkeiten. Auch, dass Alleinerziehende im Vergleich mit Singles und Familien stets knapp hinter den Familien rangieren, ist nur logisch: Hier treffen noch größere Einschränkungen in Sachen Freizeitgestaltung auf ein gegenüber Familien kleineres Einkommen.
Interessant ist all das vor allem, weil es dem in der Werbung der Elektronikkonzerne vermittelten Klischee schlichtweg die Hosen auszieht. Die primäre Zielgruppe für Unterhaltungselektronik vom MP3-Stick bis zum TV-Beamer sieht völlig anders aus, als dies die Produktwerbung vermittelt.
pat