Strahlenbelastung bei Handys Heiße Ohren
New York/Frankfurt - Die Handbücher der kommenden Handys werden um einige Informationen reicher sein. Amerikanische Handy-Hersteller werden ab 1. August die technischen Strahlungswerte (SAR/Specific Absorbed Radiation) offen legen müssen, um ihre Lizenzen zu erhalten, berichtete der Nachrichtensender CNN.
Europäische Hersteller wie Siemens oder Nokia werden sich dieser Kommunikationspolitik voraussichtlich anschließen, vorausgesetzt man einigt sich auf ein einheitliches Messverfahren, berichtet Siemens-Sprecher Karlheinz Groebmair. Beim finnischen Handy-Konzern Nokia indes glaubt man, diese Vergleichswerte bis Ende des Jahres zu definieren, betont Nina Lenders von Nokia Deutschland.
Bislang hatten deutsche Unternehmen Auskünfte über die Strahlenbelastung einzelner Handys prinzipiell abgelehnt. Nach Angaben des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sahen sie keinen Sinn darin, weil die Geräte ohnehin die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte deutlich unterschreiten. Diese konnte den Gegenbeweis noch nicht erbringen, beauftragte allerdings eine großangelegte Studie zum Thema, deren Ergebnisse 2003 vorliegen sollen.
Kinder sind gefährdeter
In Großbritannien kam eine von der Regierung beauftragte Expertenkommission Anfang Mai zum Schluss, dass "der Gebrauch von Handys bei Kindern und älteren Menschen durchaus Anlass zur Sorge sein sollte." Kinder wären aufgrund ihres erst in Entwicklung befindlichen Nervensystems schwächer und würden mehr Strahlung über ihre Kopfhaut aufnehmen, sagte William Stewart, Vorsitzender der Expertengruppe. Er riet zur Vermeidung unnötiger Telefongespräche und forderte von den Netzbetreibern Zurückhaltung bei der Werbung um Kinder. Stewart deutete auch an, dass die Gruppe wissenschaftliche Beweise gefunden hätte, die gesundheitliche Auswirkungen belegten, auch wenn die untersuchten Geräte weniger als die vorgeschriebenen Grenzwerte sendeten.