Strom per Induktion: Mäuse funken batterielos - DER SPIEGEL
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Strom per Induktion Mäuse funken batterielos

Was bei Alltagsgeräten als Innovation angekündigt wird, gleicht meist der sprichwörtlichen Neuerfindung des Rades - und endet entsprechend oft in einer Peinlichkeit. A4Tech aber ist jetzt mit der ersten batterie- und kabellosen Funkmaus ein beachtlicher Wurf gelungen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie oft haben wir das nicht schon erlebt: Irgendein Unternehmen verspricht, eine Alltagsanwendung zu revolutionieren - und scheitert grässlich. Denn die Wahrscheinlichkeit, bei E-Mail-Programmen, Tastaturen oder Mäusen etwas wirklich Neues zu erfinden, das außer Technikfreaks auch Otto Normalanwender begeistert, tendiert gegen Null.

Das hat auch A4Tech erkannt. Und deshalb hat sich der taiwanesische Hersteller von Computer-Peripheriegeräten bisher auf die Entwicklung von Tastaturen, Mäusen, Lautsprechern und Kopfhörern konzentriert, die zwar frei von revolutionären Ideen, dafür aber meist preisgünstiger als die Produkte der Konkurrenz waren.

Umso erstaunlicher ist, was die Taiwanesen jetzt auf den Markt gebracht haben. A4Tech bietet seit Kurzem erstmals Computermäuse an, die nicht nur ohne Kabel, sondern auch ohne Batterien auskommen. Der Trick heißt Induktion: Nicht die Maus, sondern das Mauspad hängt am USB-Port des PCs, der bekanntlich nicht nur Daten empfangen, sondern auch Strom liefern kann. Die Unterlage induziert Spannung in die Maus und dient zugleich als Empfänger der schwachen Funksignale eines RFID-Chips, der in den Innereien des Nagers steckt und die Positionsdaten sendet.

Nerven geschont, Müll und Kosten verschwunden

Die Vorteile der Technik leuchten ein: Die Batterien - die meistens genau dann schlapp machen, wenn man um zwei Uhr morgens die Powerpoint-Präsentation für den nächsten Tag fertig stellen will - fallen ersatzlos weg, und mit ihnen die Kosten und der Sondermüll. Da die Maus nie mehr als ein paar Zentimeter vom Empfänger entfernt ist, kann sie sich zudem ein schwaches Funksignal leisten. Das wird all diejenigen freuen, die im Büro oder auf Lan-Partys mit mehreren Funkmaus-Benutzern auf engstem Raum hocken und von regelmäßigen Störungen an den Rand des Wahnsinns getrieben werden.

Weitere Pluspunkte der A4Tech-Mäuse, von denen es bisher zwei Modelle gibt: Sie sind dank der Abwesenheit von Batterien so leicht wie Kabel-Mäuse und laufen auf der überraschend hochwertigen Oberfläche der Mauspads äußerst leicht. Der optische Sensor arbeitet mit einer Auflösung von 800 dpi und zeigte im mehrwöchigen Praxistest bei SPIEGEL ONLINE keinerlei Aussetzer.

Erstklassige Technik zweitklassig verpackt

Allerdings konnte A4Tech offenbar der Versuchung nicht widerstehen, auch eine echte Innovation möglichst billig zu verpacken. Im Fall der beiden bisher erhältlichen Induktionsmäuse NB-30 und NB-50 führt das leider dazu, dass sie auch ein wenig billig wirken. Wessen Hände mehr als mittelgroß sind, könnte die NB-30 auf die Dauer als kleines Folterinstrument empfinden. Die NB-50 liegt dank ihrer Form deutlich angenehmer in der Hand, leidet aber unter wabbelig montierten Tasten. Die Gehäuse beider Testmodelle knarzen hier und dort; die NB-50 kippelt auf unterschiedlich dicken Füßchen.

Da stellt sich die Frage, warum A4Tech nicht den Mut hatte, die neue Technik sofort in den mittlerweile geplanten höherwertigen (und nur geringfügig teureren) Gehäusen anzubieten. Der Preisunterschied zur Konkurrenz wäre immer noch beträchtlich gewesen, und die Technik selbst verdient Bestnoten.

Den kleineren Mängeln der beiden derzeit erhältichen Modelle stehen jedoch deren Preis von jeweils 19,90 Euro - für eine Funkmaus inklusive hochwertigem Pad kaum schlagbar - und die Hoffnung auf qualitative und ergonomische Besserung gegenüber. Denn den beiden Erstlingen sollen im April fünf weitere, preislich höher angesiedelte Modelle folgen. Man darf gespannt sein.

Markus Becker

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