Studie: Computerspiele hemmen die Hirnentwicklung - DER SPIEGEL
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Studie Computerspiele hemmen die Hirnentwicklung

Japanische Forscher haben bei jungen Computerspielern eine dramatisch eingeschränkte Gehirntätigkeit beobachtet. Der virtuelle Zeitvertreib soll vor allem die Fähigkeit zur Selbstkontrolle beeinträchtigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was Tomb Raider und Co. mit Kindern und Jugendlichen anstellen, ist unter Experten seit Jahren umstritten. Die einen halten eine maßvolle Beschäftigung mit Computerspielen für vorteilhaft, andere befürchten eine zunehmende Abstumpfung oder gar Verrohung der Gesellschaft. Nun haben die Kritiker des virtuellen Zeitvertreibs durch eine japanische Studie Rückendeckung erhalten.

Die Gefahr sieht das Team von der Universität Tohuko jedoch nicht in der Gewaltverherrlichung mancher Spiele, sondern in einer gravierenden Behinderung der Hirnentwicklung. Wie der britische "Observer" berichtet, hatten die Forscher um Ryuta Kawashima die Gehirnaktivität bei zwei Gruppen von Teenagern gemessen. Die einen beschäftigten sich während des Experiments mit einem Nintendo-Spiel, die anderen bemühten sich um die Lösung einfacher arithmetischer Aufgaben.

Bei den Computerspielern, so die Wissenschaftler, waren nur jene Bereiche des Gehirns tätig, die mit der Wahrnehmung und der Bewegung zusammenhängen. Die Rechenaufgaben führten dagegen auch zu Aktivität in den linken und rechten Stirnlappen, die mit dem Lernen, dem Gedächtnis sowie Emotionen in Verbindung gebracht werden.

Zudem gelten diese Hirnregionen, die sich bis zum Alter von etwa 20 Jahren weiterentwickeln, als eine Art Kontrollinstanz des eigenen Handelns. So beobachtete man bei Patienten, bei denen dieses Areal geschädigt ist, eine Neigung zu unvernünftigem Verhalten. Eine solche Beeinträchtigung könnte auch bei Heranwachsenden auftreten, die einen Großteil ihrer Zeit mit Computerspielen verbringen, warnen Kawashima und seine Kollegen.

"Die Bedeutung dieser Entdeckung kann gar nicht unterschätzt werden", sagte Kawashima der Zeitung. "Mit der neuen Generation von Kindern, die häufig am Computer spielen, werden wir ein Problem haben, das wir zuvor nicht kannten." Durch die einseitige Beschäftigung könnte die Gewalt in der Gesellschaft weiter zunehmen, fürchtet der Forscher. Als Gegenmittel empfiehlt er etwa lautes Lesen oder Mathematik. Ob ein solcher Zeitvertreib bei den Teenagern auf Gegenliebe stößt, ist allerdings fraglich.