Such-Trends: Ronaldinho gegen Pamela - DER SPIEGEL
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Such-Trends Ronaldinho gegen Pamela

Schweißnasse, sportliche Körper haben es den Internetsurfern von jeher angetan. Zurzeit aber herrsche Ausnahmezustand, behaupten PR-Abteilungen: Gefragt sei eher Ronaldinho als die ewige Web-Göttin Pamela Anderson. Das, fanden wir, müsste man doch mal überprüfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn ein großes Thema durch mediale Gewässer zieht, ergibt das eine mächtige Bugwelle, die so manches sonst wichtige Thema verdrängt, und ein nicht minder mächtiges Kielwasser. Auf dieses hoffen dann Werber, PR-Agenturen und –Abteilungen, um ihre sonst eher minder beachteten Themen publikumswirksam in die Öffentlichkeit zu bringen.

Immer dann, wenn etwas Großes passiert in der Welt, gehören dazu auch die Suchwort-Statistiken der großen Searchengines. Auf die sah einst alle Welt: Jede Suchmaschine veröffentlichte ihre Ergebnisse, manche erlaubte auch den Live-Blick auf die laufenden Suchanfragen. Weil dabei zu häufig nackte Tatsachen zutage traten, gingen die meisten Maschinenbetreiber dazu über, einerseits die Statistiken zu zensieren, andererseits thematisch zu bündeln.

Google Trends  beispielsweise schaut sich an, wie sich die Nachfrage nach bestimmten Themen verändert – stets im direkten Vergleich zweier Stichworte.

Ein herrliches Spielchen. So lässt sich aktuell zum Beispiel herausfinden, dass David Beckham in der Gunst der Surfer seit zwei Jahren auf einem sanft abfallenden Ast sitzt , Ronaldinho dagegen beste Chancen hat, vor dem Fall noch einige Höhenmeter zu gewinnen. In absoluten Zahlen kicken die beiden allerdings in völlig verschiedenen Ligen: Da ist der Brasilianer ganz groß, der Brite ganz klein. Nirgends ist Ronaldinho dabei beliebter als im Senegal, die meisten Suchanfragen kamen im letzten Monat aus Dakar.

Kein Wunder: Im Senegal ist Ronaldinho etliche Male populärer als Sex , was im Rest der Welt definitiv nicht so ist. Dort schlagen Suchanfragen wie "Sex" oder "Porn" natürlich jedes Thema (und selbst Pamela). Besonders groß scheint der Bedarf da in Indien zu sein. Testen Sie es aus.

Was sucht die Welt wirklich?

Doch zurück zu Ronaldinho. Der, behauptet auch Yahoo , sei derzeit der gefragteste Fußballspieler überhaupt, vor Cristiano Ronaldo und David Beckham. Auch für Deutschland hat Yahoo ein Top-Dreigestirn aus Ballack, Podolski und Lahm ausgemacht, das in Wahrheit allerdings unter "ferner liefen" rangieren dürfte. Denn die wahren Stars des Webs sind zwar sportlich-schlank, aber weiblich.

Als hinreichend oft gekrönte Königin des Internets gilt seit Jahren aus unerfindlichen Gründen Pamela Anderson. Als neue, dürre Variante gilt seit einiger Zeit Paris Hilton. Hilton (Platz 5) führte beispielsweise in den (auf jugendfrei frisierten) Nutzerstatistiken von Google Südafrika  knapp vor Pamela (Platz 8), während Fußballthemen in diesem Land – immerhin Austragungsort der nächsten WM – offenbar keinen Menschen interessieren.

Kommt drauf an, wen und wo man fragt

Das ist offenbar fast überall so: Gerade einmal ein, zwei Suchworte schafften es in den vergangenen Wochen in die Charts in Ländern wie USA, Australien, Brasilien, Italien, Korea, Niederlande, Norwegen, Schweden, Taiwan oder Türkei. In Finnland beherrscht nach wie vor der Eurovision Song Contest, respektive dessen seltsamer Gewinner Lordi die Suchstatistiken: Fünf der Top-15-Suchbegriffe bei Google Zeitgeist entfallen auf die zu Schock-Rockern hochgejazzte Hardpop-Kapelle. Süß auch das polnische Ergebnis, wo Kontaktlinsen auf Platz 5 rangieren, die WM aber erst auf Platz 15 – das erklärt so manches. Immerhin: Ronaldinho liegt hier auf Platz 1.

Der findet sich tatsächlich fast überall in den Statistiken. Von exotischen Ausnahmen wie Korea (Platz 1: Georg W. Bush) oder den USA (wo Ronaldinho unbekannt scheint, sich aber viele für Kaka interessieren) absieht, hat der hasenzähnige Topstar zumindest zurzeit wirklich die Silikon-Schönheit Anderson auf die Plätze verwiesen.

Allein bei Lycos  ist die Web-Welt noch in Ordnung: Hier suchen – eine begründete Vermutung - Männer vor allem Pamela (Platz 1), dann Paris (Platz 2). Fußballer schaffen es dort noch nicht einmal in die Top 50 – kein Wunder, so lang es so viel interessantere Themen wie Poker (Platz 4) oder Pokemons (Platz 7) gibt. Zumindest die WM selbst (Platz 8) schafft es fast, an deren Popularität heran zu kommen.

Die skurrilste Liste aber liefern die nutzwertorientierten Russen bei Google Zeitgeist, deren Land zum einen in der WM nicht vertreten ist, zum anderen aber Heimstatt einer großen Zahl von Pamela-Anderson-Seiten sein dürfte. Die braucht man dort also nicht zu suchen. Das beliebteste Suchwort der Russen war in den letzten Wochen vielleicht auch darum ein gänzlich anderes: Geschirrspüler.

Was zu einer begründeten These für die so unterschiedlichen Suchpräferenzen in verschiedenen Ländern führt: Gesucht wird eben nicht das, was man im Übermaß hat und findet, sondern das, woran es mangelt. Ronaldinho zum Beispiel, Pokemons, Pamela oder Geschirrspüler. Nur Sex, den sucht offiziell keiner.

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