Suchmaschinen: Butler und Nüsse bedrängen Google - DER SPIEGEL
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Suchmaschinen Butler und Nüsse bedrängen Google

Lange schien die kalifornische Suchmaschine Google die gesamte Konkurrenz chancenlos abgehängt zu haben. In letzter Zeit jedoch mehren sich kritische Stimmen: Auch Google habe nicht auf jede Frage die passende Antwort. Konkurrenten wie WiseNut und Teoma wittern ihre Chance.
Von Ralf Blittkowsky
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Google hat eine Menge bewegt im letzten Jahr - nicht zuletzt die Strukturen des Suchmaschinen-Marktes. Alte Favoriten wirken heute angestaubt, die finanzkräftigeren Dienste suchen verzweifelt nach frischen Impulsen, mit denen sie ihr Standing wieder verbessern können.

Mittelmäßiger Katalog kauft intelligente Suchtechnik

Einer von Googles Herausforderern heißt WiseNut. Seit Mitte März arbeitet die neue Sternschnuppe am Suchmaschinenhimmel unter den Fittichen des US-Webkatalogs Looksmart. In den nächsten Wochen wird Looksmarts Webkatalog mit WiseNuts Leistungsmerkmalen "optimiert".

WiseNut ermittelt zu allen Webseiten Vorschauen, die unter dem Motto "Sneak-a-Peak" ("Erhasche-einen-Blick") direkt aus der Ergebnisliste aufgerufen werden können. Zusätzlich bietet WiseNut eine wechselnde Anzahl von klassifizierten Links pro Webseite an. Aus den Suchergebnissen werden so genannte "WiseNut Categories" herausgefiltert, um das Resultat ein zweites Mal in Inhaltsklassen einzuordnen. Zusätzlich zum "WiseRank"-Suchverfahren, das Google ähnlich ist, analysiert WiseNut den inhaltlichen Kontext von Webseiten und könnte, wenn das Verfahren perfektioniert ist, Google den Schneid abkaufen.

Looksmarts Neueinkauf soll in Zukunft Katalog und Suchmaschine bereichern. Die WiseNut-Programmierer haben unter Looksmarts Obhut bessere Möglichkeiten, die Ergebnislisten zu verfeinern. Looksmart erhält durch WiseNut eine leistungsfähigere Indexstruktur, um noch mehr Webseiten mit präziseren Merkmalen zu klassifizieren.

Allerdings wird sich Looksmart in Zukunft die Aufnahme und Aktualisierung von Webseiten in seinen Katalog bezahlen lassen. Welches Unternehmen nicht nur eine höhere Position seines Webangebots, sondern auch ein aktualisiertes, "Broken Link"-bereinigtes Suchergebnis anbieten möchte, wird von Looksmart zur Kasse gebeten.

Und das ist nicht billig: Unter dem Namen "Looklistings" verkauft Looksmart Rankingplätze für große, mittlere und kleine Unternehmen. Für 299 Dollar monatlich gibt es das Small-Business-Paket für kleine Unternehmen, happige 2500 Dollar zahlen alle anderen Unternehmen - auch eine Methode, Ordnung in die wirre Masse der Nennungen zu bekommen. "Relevant" ist da künftig nur der, der das nötige Kleingeld mitbringt.

Leicht wirrer Butler kauft frisches Hirn

Auch bei Googles etwas schwächerem Herausforderer Teoma gab es Anfang des Jahres eine geschäftliche Veränderung. Der "erste Internet-Butler" Ask-Jeeves, eine Mittelklasse-Suchmaschine, die Fragesätze durch die listenweise Anzeige unsortierter Webanbieter beantwortet, kaufte Anfang des Jahres Teoma und half damit dem Suchmaschinen-Youngster wieder auf die Sprünge. Teoma geht ähnlich raffiniert wie WiseNut vor, da es aus den Suchergebnissen kontextuell verfeinerte Kategorien ableitet und sie als "Expert Links" dem Suchenden anbietet.

Dieses Verfahren nennt Teoma "Subject-Specific Popularity". Es ermittelt nicht nur eine Google ähnliche Relevanz von Webseiten, sondern auch deren "Autorität". Durch das ausgetüftelte Verfahren vermag Teoma noch zwischen hochrangigen Seiten qualitativ zu unterscheiden und der einen oder anderen eine höhere Bewertung (Autorität) zuzuweisen. Leider klappte das Verfahren in der Vergangenheit nicht immer überzeugend, da die Menge der Webseiten, auf die Teoma zurückgreifen konnte, weit hinter den Möglichkeiten von Google und WiseNut zurückgeblieben war.

Das kann sich aber in den nächsten Monaten ändern, denn für das betagt wirkende Ask-Jeeves kann Teoma eine Investition in die Zukunft bedeuten, von der beide profitieren.

Die beiden Beispiele zeigen, dass technische Findemethoden für das Internet vergänglich sind und durch bessere Lösungen von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Von den Veränderungen in der Suchmaschinenlandschaft erfahren die immer öfter verärgerten Surfer meist nur dann, wenn sie sich anhand von Online-Fachdiensten auf dem Laufenden halten.

Im US-Raum hat sich "Searchenginewatch" auf die kritische, technisch versierte Berichterstattung aus der Suchmaschinen-Szene spezialisiert. Im deutschsprachigen Raum und mit internationalem Fokus berichtet das @-Web über wirtschaftliche und technologische Hintergründe von Suchmaschinen, Web-Katalogen und Metasuchern. Auch der Hamburger Buchautor und Suchmaschinenexperte Stefan Karzauninkat beobachtet auf seiner Website Suchfibel.de die wechselnden Lebenszyklen von Suchdiensten genau.