Supermarkt Mit "Scanny" gegen lange Schlangen
Lübeck - Freitagabend im Supermarkt. Die Warteschlange an der Kasse ist besonders lang, die Kinder quengeln, und dann reicht das Geld mal wieder nicht.
Solche Szenen könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn sich flächendeckend durchsetzt, was die Karstadt-Quelle AG zur Zeit in Lübeck, Frankfurt und Berlin in den Lebensmittelabteilungen ihrer Warenhäuser testet: Scanny - ein Strichkode-Lesegerät für den Kunden.
Scanny sieht aus wie ein Telefonhörer und macht den Kunden zu seinem eigenen Kassierer. Bei jedem Teil, das in den Einkaufswagen wandert, fährt er mit Scanny über den aufgedruckten Strichkode. Das Gerät speichert die Preise, am Ausgang werden die gesammelten Daten ins Kassensystem übertragen, der Kunde zahlt und geht.
"Die Kunden müssen die Waren an der Kasse nicht mehr aufs Laufband legen, das spart Zeit", meint Jürgen Hoffmann. Als Organisationsleiter des Lübecker Karstadt-Hauses betreut Hoffmann den Versuch in der Hansestadt.
Da die Scanny-Kunden zudem eine eigene Kasse hätten, gehe der Einkauf mit dem kleinen Gerät erheblich schneller vonstatten als der konventionelle Kauf, erläutert Hoffmann. Ein weiterer Vorteil: Da das Gerät auf Wunsch Zwischensummen anzeige, behalte der Kunde stets den Überblick über die zu zahlende Summe.
Als erstes Karstadt-Haus Deutschlands startete Lübeck vor rund zweieinhalb Jahren den Versuch mit den tragbaren Lesegeräten. Doch anders als zum Beispiel in Großbritannien, wo einige Supermarktketten bereits flächendeckend solche Lesegeräte benutzen, stehen die Kunden in Deutschland der neuen Technik eher skeptisch gegenüber. Etwa drei Prozent des Umsatzes der Lebensmittelabteilung werden in Lübeck über Scanny abgewickelt.
"Wir haben zur Zeit rund 2500 Scanny-Kunden, davon etwa 500 regelmäßige Nutzer", sagt Hoffmann. Darunter seien Jugendliche ebenso wie Berufstätige, die die Möglichkeit des schnellen Einkaufs in der Mittagspause schätzen. "Doch wir haben auch 70 Jahre alte Kunden, die mit Scanny einkaufen", berichtet Hoffmann.
Über die Gründe für die Zurückhaltung der Kunden will Hoffmann nur spekulieren. Möglicherweise fürchten einige, ihre im Gerät gespeicherten Daten könnten für Werbung missbraucht werden. Diese Furcht sei jedoch unbegründet, sagt Hoffmann. "Wir registrieren nur Name, Adresse und Umsatz", versichert er.
Weniger reserviert verhalten sich dagegen die Kunden des Karstadt-Hauses am Berliner Hermannplatz, wo der Versuch seit einem halben Jahr läuft. "Dort laufen bereits acht Prozent des Umsatzes über das System", erklärt eine Karstadt-Sprecherin.
"Beim Lebensmitteleinkauf legen viele Kunden Wert auf Schnelligkeit. Hier bietet sich Scanny an", sagt die Sprecherin. Dabei soll es zunächst auch bleiben. Denn: "An eine Ausweitung auf andere Abteilungen denken wir nicht."
Eva-Maria Mester