Surfer werden ausgespäht Invasion der Web-Wanzen
Erst dachten die Onlineforscher des Internetunternehmens Cyveillance, ihnen sei ein Fehler unterlaufen - die Zahlen erschienen ihnen zu hoch. Nach einer Überprüfung stand es dann tatsächlich fest: Die Anzahl so genannter Web-Bugs hat sich in den letzten drei Jahren fast verfünffacht.
Über eine Million Web-Seiten hatte Cyveillance-Mitarbeiter Brian Murray nach dem Zufallsprinzip untersucht. Bei knapp vier Prozent fand er eine Web-Wanze. Bei der letzten Untersuchung 1998 war nur gut ein halbes Prozent mit einem kleinen Späher ausgerüstet.
-
3 Min
Die Mini-Spione verbergen sich hinter harmlosen Namen wie "clear GIF" oder "1x1 GIF" und sind oft nicht größer als ein Pixel, liefern aber wertvolle Informationen. Unter anderem petzen sie ihrem Auftraggeber - mit genauer Zeitangabe - die IP-Adresse von Besuchern der Seite und welchen Browser diese dabei benutzen. Außerdem können Web-Bugs selbständig Cookies setzen und damit ein genaues Profil der Surfer erstellen.
Kurzer Draht zum Marktforscher
Vor allem auf privaten Homepages haben sich die Web-Wanzen explosionsartig vermehrt, stellten die Forscher fest: Auf 18 Prozent der untersuchten Seiten fanden sie Web-Bugs. Das liegt aber weniger an der Neugierde der Seiteninhaber, als vielmehr an den Anbietern, bei denen diese ihre Homepage einrichten. Wie die "New York Times" berichtet, sind besonders die kostenlosen Homepages von Online-Riesen wie AOL oder GeoCities verwanzt.
AOL, so die Zeitung, ermutige seine Nutzer, auf ihrer Homepage einen Werbebanner für das Unternehmen zu platzieren. Für jedes dadurch geworbene AOL-Mitglied lasse der Konzern 50 Dollar Werbeprämie springen. Zusammen mit dem Werbebanner wird allerdings ein Web-Bug des Marktforschungsunternehmens Be Free mit auf der Seite installiert - ohne dass AOL seine Kunden darüber vorher informiert.
Tom Gerace, einer der Gründer von Be Free, sagte der "New York Times", dass mit den Web-Wanzen die Surfer nicht persönlich identifiziert würden. Die Web-Bugs dienten dazu, "um unseren Kunden und deren Partner eine flexible und zuverlässige Marketinganalyse zur Verfügung zu stellen."
Überhaupt, so Gerace, benutze er den Ausdruck Web-Wanzen ungern. Viel lieber spricht der Marktforscher von kleinen Web-Leuchtfeuern.