Surftipp: Einkaufshelfer im Web - DER SPIEGEL
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Surftipp Einkaufshelfer im Web

Hartnäckig hält sich die Mär, im Web gäbe es manches günstiger - und manchmal stimmt das sogar. Zahlreiche Preisvergleichsseiten erlauben einen hinreichend fairen Überblick, aber reicht das? Ein Überblick über Informationsmöglichkeiten fürs Shopping am Beispiel "Notebook-Kauf".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie sind flach, leicht und sehen alle mehr oder minder gleich aus: Wer den Kauf eines Notebooks plant, weiß, was "Qual der Wahl" bedeutet. Der Preis eines Notebooks ist noch nicht einmal eine reine Frage der Ausstattung: Wie in keinem anderen Marktsegment spielt hier auch der Prestigefaktor eine gewichtige Rolle. Weitgehend identische Konfigurationen finden sich oft mit Preisunterschieden von einigen hundert Euro.

Wie wühlt man sich dann am besten durch den Preis- und Leistungswust?

Es kommt darauf an, was man will. Nahe liegende Ansätze für den Vergleich von Notebooks gibt es einige:

  • Preis: Wer bietet mir zum niedrigstmöglichen Preis die beste Ausstattung?
  • Bedürfnisorientiert: Wer bietet mir für die von mir gewünschte Konfiguration den besten Preis?
  • Modellorientiert: Wer bietet das von mir gewünschte Modell als "Schnäppchen"?
  • Leistungsorientiert: Wer bietet für ein definiertes "Preisfenster" die beste Leistung?

Für all diese Informationen ist ein wirklich qualifizierter Fachverkäufer wahrscheinlich die beste aller Quellen: Er erfasst intelligent, was der Kunde von ihm will und berät ihn entsprechend passend. Schade, dass Mammuts in der Innenstadt von München weit häufiger sind.

Da bleiben dann eigentlich nur noch zwei Ansätze: renommierte PC-Zeitschriften und das Web.

"Old Media": Schwarz auf Weiß

Die seriös testende Zeitschrift hat etwas zu verlieren, wenn sie Unsinn verbreitet: Sie nämlich, als Kunden. Gute PC-Zeitschriften werden sich darum bemühen, ihre Tests möglichst genau durchzuführen, sie nachvollziehbar zu machen, ihre Methoden offen zu legen. Ein echter Test geht dabei deutlich über den bloßen Vergleich von Leistungs- und Preisdaten hinaus.

Das klingt gut und verlässlich und ist es auch, wenn Sie weise kaufen. Tests sind nämlich populär, jeder will sie: Also findet man sie jede Woche in diversen Zeitungen, Fachblättern und Magazinen. Ein echter Test ist aber auch ein exorbitant teures Stück redaktioneller Inhalt, den die bei weitem meisten Redaktionen in Deutschland weder leisten, noch sich leisten können: Für so etwas braucht man ein Labor. Ergo entstehen die meisten Tests als Auftragsarbeit "extern" - und da reicht die Spanne von beauftragten Labors bis hin zu informierten Fachjournalisten.

Nur wenige Marken haben "inhouse" das Knowhow, echte IT-Tests durchzuführen. Dazu gehören einige wenige PC-Zeitschriften. Den seriösesten Ruf genießt in dieser Hinsicht die Hannoveraner "c't", die ihre Testmethoden grundsätzlich offen legt und sich um Verfahren bemüht, die Testergebnisse auch wiederhol- und damit nachweisbar zu machen.

"c't"-Tests sind allerdings vor allem etwas für Leser mit einem gerüttelten Maß an Vorverständnis für die Materie: Die Redaktion spricht aus Prinzip keinerlei Empfehlungen aus, stellt die Ergebnisse einfach nur detailliert dar. Im Fließtext zu den Messergebnissen gibt es auch Kommentare und Bewertungen einzelner Aspekte, ein "Gesamturteil" oder eine "Note" gibt es dagegen nie: In der Philosophie der "c't" kann es niemals einen "Testsieger" geben, weil sich das immer an den Bedürfnissen des Rat suchenden Kunden festmachen müsste - und die sind grundverschieden.

Die "c't des Normalusers" ist das Münchner PC-Magazin "Chip". Die "Chip" bietet in jedem Heft eine Auswahl von Tests, die als sehr verlässlich gelten. Sie sind weniger detailliert als die Tests der "c't", wollen aber auch eher Überblick als Tiefenanalyse bieten. Neben dem bestbewerteten Testsieger gibt es Redaktionsempfehlungen oder Preis-/Leistungssieger. Die Aufarbeitung ist auch für reine "Anwender" verständlich.

Die nächste Alternative sind Fachzeitschriften. Auch im Elektronikbereich gibt es für jede noch so kleine Nische die passende Zeitschrift: die Auslage im Bahnhofskiosk zeigt da eine stetig wechselnde Vielfalt von Titeln. Fragen Sie die Verkäufer, was etabliert ist, was gekauft wird und was jeden Monat liegen bleibt.

Gute, etablierte Fachzeitschriften sind eine Top-Quelle. Ein Minuspunkt ist die prinzipiell sehr hohe Abhängigkeit der Nischenzeitschriften von der Industrie, über die sie berichten: Kaum jemand kann es sich leisten, es sich mit führenden Herstellern zu verscherzen. In Gefahr, da stets ein wenig zu euphorisch zu sein, sind vor allem Titel, die als mediale Versuchsballons Mode- und Trendartikel bedienen. Tendenziell bietet hier die Anbindung an renommierte, große Verlagshäuser mehr Sicherheit - was nicht heißt, dass nicht auch große Häuser Mist produzierten.

Im Zeitschriftenmarkt wie im Web gilt: Wirklich seriös sind nur Angebote, die nicht nur loben ("Die coolsten Angebote im Laptop-Markt"), sondern auch mutig verreißen können ("Vorsicht: Konsumschrott").

Das Web: gewusst wo

"Im Web", hieß es 1994 in einem berühmten Cartoon in der "New York Times", "weiß niemand, ob Du ein Hund bist".

Wollte sagen: Kommunizieren kann im Web jeder, und nichts ist geduldiger als ein Monitor. Wer hinter dem am anderen Ende sitzt, weiß man oft nicht. Wer wollte da ausschließen, dass die Produktempfehlung, die man soeben bekommen hat, nicht vom Hersteller bezahlt war?

Im zweiten Teil: Verlässliche Web-Quellen, Vor- und Nachteile von Preisvergleich-Services. Weiter...

Mehr noch als im Zeitschriftenmarkt sollte man im Web auf den Ruf der beratenden Quelle achten. Das muss nicht immer ein großer Verlag sein: Als Top-Quelle gilt etwa "Tom's Hardware-Guide", eine Website, die zu zahlreichen Produkten Tests und Rezensionen anbietet (siehe Linkverzeichnis).

Auch die "Chip" unterhält eine große Website, die von Produktbesprechungen über Testdatenbanken bis hin zum Preisvergleich eine Menge Informationen in übersichtlicher Form bereithält. Eine echte Großmarke im Web ist daneben das internationale CNet, in Deutschland durch das ZDnet vertreten. Von IT-News über redaktionell fundierte Produktbesprechungen bis hin zum Shoppingguide ist da so ziemlich alles zu finden.

Preisvergleichsseiten

Das Internet bietet sich nahezu an für reine Preisvergleichs-Services: Da lassen sich erfasste Angebote nach verschiedenen Filterkriterien ordnen, die Ergebnisse sind in der Regel direkt mit Links hin zum Anbieter verbunden.

Das ist sehr nützlich, wenn man weiß, was man will - aber auch nur dann.

Beispiel "Idealo Preis-Produkt-Shopvergleich": Der erlaubt es, nach Produkten zu suchen, die nach einer recht großen Zahl verschiedener Filterkriterien geordnet werden können. So ist dort zu erfahren, dass im Billig-Segment das "Elitegroup Desknote A-929" für Preise zwischen 435,37 und 859,62 Euro zu haben ist. Einen Klick weiter aber erfährt man, dass sich die drei erfassten Modelle in ihrer Konfiguration durchaus unterscheiden. Welche für mich nun die Beste wäre, muss ich als Kunde selbst entscheiden.

Das ist typisch. Der Preisvergleich allein funktioniert nur, wenn man nach spezifischen Modellen oder Konfigurationen sucht.

Gerade letzteres ist aber gar nicht so einfach: Die "Preissuchmaschine" etwa bietet an, die Laptop-Datenbank nach Kriterien wie "Intel bis 2 Ghz" zu durchsuchen. Das allein aber sagt etwa so viel über einen Rechner aus, wie die Angabe "2-Liter-Motor mit 70 PS" beim Auto - ohne dabei zu verraten, ob es um einen Cabriot-Zweisitzer, einen Kleinlaster oder einen Diesel-Geländewagen geht.

Kelkoo, eines der größten Shopping-Vergleichsportale, setzt da noch einen drauf: Die Datenbank ordnet die Angebote nach keinem nachvollziehbaren Kriterium, was das Stöbern zu einem lang anhaltenden Suchspaß macht. Zum Thema Notebook bietet Kelkoo 7237 Ergebnisse aus 128 Shops. Doch keine Angst: Schon nach 362 Seiten ist man umfassend informiert.

Wer sich übersichtlichere Ergebnisse wünscht, kann diese nach Filtern wie "Handy ohne Vertrag" oder "Camcorderzubehör" ordnen - was allerdings keinerlei Sinn ergibt. Zum Glück gibts auch den Filter "Notebook" für die Suchanfrage "Notebook", und das reduziert die Ergebnisse aus unerfindlichen Gründen auf nur noch 5658 (oder 283 "Beratungsseiten"). Vollends niedlich wird es dann, wenn man beispielsweise bei Getprice.de nach hohen Preisen sucht: Da gibt's gerade Apple ibooks im 15-er-Pack für 25.000 Euro. Ah, jetzt ja...

Man sieht: Irgendwie wird das Informationsbedürfnis bei einem so teuren Kauf wie im Falle eines Notebooks von reinen Preisvergleichs-Services nicht wirklich bedient.

Einen Weg zwischen den Welten versucht da die Spezialseite "Notebookinfo". Die Datenbank erlaubt die Eingrenzung der Anfrage nach zahlreichen Preis-, Marken- und Ausstattungskriterien. Abgefragt wird dann ein ziemlich genau definiertes Produkt. Die Chance, ein solches dann zu finden, ist allerdings noch relativ gering: In der Datenbank finden sich zurzeit "nur" 560 Modelle.

Dafür allerdings gibt es einen guten Grund: Was hier verlinkt ist, sind nicht nur Shops, sondern auch Testberichte, was den reinen Preisvergleich durch das Erschließen von wichtigen Informationen aufwertet.

Auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar ist dagegen, warum für ein Suchergebnis immer nur ein bestimmter Shop angegeben wird. Das liegt natürlich daran, dass Notebookinfo mit Partnershops kooperiert (22 an der Zahl), denen es Kunden zuführt.

Immerhin sind die Preisempfehlungen keine Schlechten: In Stichproben schlugen die Notebookinfo-Preistipps die von Kelkoo um bis zu 3 Euro, während Idealo Links lieferte, bei denen man noch 4 Euro sparen konnte. Das sind bei teuren IT-Produkten wahrlich Peanuts.

Fazit: Unter dem Strich tun sich die Preisvergleich-Services kaum etwas, wenn man nach konkreten Produkten sucht - und dann sind sie nützlich. Echte Beratung erfährt man dagegen nur durch den verschiedene Produkte vergleichenden Test - in Web oder Magazinen.