T-DSL Mit Highspeed auf die Wartebank
Bonn - Schneller, höher, weiter. Unter dieser Überschrift könnte man die Werbe-Versprechungen der Deutschen Telekom zu ihrer neuen Internet-Übertragungstechnologie T-DSL zusammenfassen. "Datenversand per Turbo", das "Erleben des Internets in einer völlig neuen Dimension" sind nur einige der Sprüche, mit denen die Werbemaschinerie des einstigen Staatsunternehmens trommelt. Bis zu zwölfmal schneller als mit ISDN-Anschluss könnten Daten nun übertragen werden, möglich wird laut Telekom ein wahres "Highspeed-Internet".
Doch wer als Kunde das neue T-DSL-Breitbandnetz nutzen will, erlebt schnell sein blaues Wunder. Einige Wochen Wartezeit auf einen Anschluss sind nur die Ausnahme, der Regelfall sind mehrere Monate.
Paradox: Moderne Infrastruktur verhindert DSL
Wenn überhaupt. Wer nämlich beispielsweise in den neuen Ländern wohnt, kann von T-DSL vielleicht auch auf weite Sicht nur träumen. Grund: Anfang der neunziger Jahre wurde der Osten von der Telekom mit Glasfaser verkabelt. Das Pech: Die neue T-DSL-Technik funktioniert ironischerweise nur mit den alten Kupferkabeln. Alle, die neu mit Glasfaserkabeln vernetzt sind, schauen also jetzt erst einmal in die Röhre.
Damit nicht genug. Bereits jetzt schiebt man bei der Telekom einen Berg von rund 500.000 unerledigten T-DSL-Anmeldungen vor sich her. Dennoch will man laut Pressemitteilung bis Ende des Jahres 2,6 Millionen Kunden an das T-DSL-Netz anschließen. Eine utopische Vorstellung?
Nicht, wenn es nach Telekom-Sprecher Stephan Broszio geht. Er ist weiterhin optimistisch, spricht von einem baldigen "Schließen der Schere zwischen vermarkteten und installierten Anschlüssen". Während der Computermesse Cebit, betont Broszio, werde die Telekom neue Zahlen vorlegen, die diese Zielsetzung untermauern sollen. Schuld an der derzeitigen Misere sei nicht die Telekom, sondern vielmehr die Partnerfirmen, die mit ihren Lieferungen der technischen Ausstattung für die Haushalte nicht nachkämen. "Unser Ziel ist ehrgeizig. Jetzt kommt es auf die Zulieferer an, dass wir die Zusagen auch einhalten können", macht Broszio klar.
Eine Mitverantwortung der Telekom an der Verärgerung tausender Kunden sieht der Unternehmenssprecher nicht. "Vielen Leuten wurde doch gesagt, dass sie nicht in den nächsten Wochen und Monaten bedient werden", winkt Stephan Broszio lapidar ab. Ein Großteil von diesen hätte die Verträge zudem im Rahmen einer Sonderaktion abgeschlossen, um sich auf zwei Jahre die alten Tarife zu sichern. Da dürfe man sich "eben auch nicht wundern", so sein Kommentar, wenn es mal etwas länger dauere mit der neuen, schnellen Technologie.
Peter Lehnert, ddp