Taschen-Fernsehen: Das WM-Programm der Mobilfunker - DER SPIEGEL
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Taschen-Fernsehen Das WM-Programm der Mobilfunker

Klinsi und Co, hoffen Deutschlands Mobilfunkbetreiber inständig, könnten via WM per TV-Handy das kümmerliche UMTS-Geschäft beleben. Um diesen Profit versprechenden Heilungsversuch hinzubekommen, haben sich die Funker so einiges ausgedacht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird nicht nur auf dem Rasen und im Fernsehen stattfinden. Zu den vielen kleinen und größeren "Stadien" in Wohnzimmern und auf öffentlichen Plätzen mit ihren Großleinwänden kommen im Juni und Juli auch unzählige Kleinst-Arenen auf dem Handy. Die Netzbetreiber haben für ihre Kunden WM-Pakete zusammengestellt.

Dabei informieren sie über Tore, Ergebnisse und Turnier-Klatsch nicht mehr nur per SMS und MMS sowie WAP-Portal. Erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft gelangt das Geschehen auch als Handy-TV-Programm aufs Display. Fußball wird damit zum Vehikel, um dem lahmenden UMTS-Geschäft der Netzbetreiber neuen Schwung zu verleihen.

Branchenprimus T-Mobile hat für die WM gleich einen eigenen Handy-Fernsehkanal geschaffen. Nachrichten, Hintergrundberichte und Interviews sind bei dem Paket "T-Mobile FIFA WM Highlight" allerdings eher schmückendes Beiwerk. Im Mittelpunkt des Angebots der Telekom-Tochter steht die Live-Übertragung von 20 Begegnungen auf das Handy-Display.

Vodafone und O2 haben zwar keine Live-Spiele zu bieten, doch WM-Fernsehen auf ihr Handy bekommen auch die Kunden dieser beiden Mobilfunkanbieter. Vodafone liefert täglich eine Info-Sendung, einen Spielbericht sowie eine Tageszusammenfassung. O2-Kunden bekommen auf Wunsch neben Spielzusammenfassungen und Nachrichten auch Expertentalk und Interviews auf das Handy gestreamt.

Neben den TV-Angeboten setzen alle Mobilfunkanbieter - auch das Düsseldorfer Unternehmen E-Plus, das ein Handy-Fernsehen anbietet - auf bereits erprobte Infodienste. Kunden ohne UMTS-Handy oder in Regionen ohne UMTS-Versorgung können sich unterwegs per SMS und MMS über Spielstände, Ergebnisse, WM-Gerüchte und -Nachrichten auf dem Laufenden halten lassen. Über die WAP-Portale der Betreiber wird es darüber hinaus Live-Ticker zum Spielverlauf einzelner Partien geben.

Damit ist die WM für die Netzbetreiber ein willkommener Anlass, für ihre bisher wenig beachteten Datendienste zu werben. Besonders deutlich wird dies durch das Angebot von Vodafone. Das Düsseldorfer Unternehmen bietet seinen Kunden alle WM-Infos kostenlos an. Erst nach Ende des Turniers verlangt der Netzbetreiber Geld für Abonnements. Nutzer können sich dann nahtlos weiter mobil über die Bundesliga und die Champions League informieren lassen. Wer das nicht möchte, kann monatlich kündigen.

Bei T-Mobile kostet das Handy-Fernsehen zwar Geld, der Dienst ist mit einer Monatspauschale von 7,50 Euro aber bezahlbar. Aufpassen sollten Kunden eher bei SMS- und MMS-Infodiensten. Bei diesen Angeboten berechnet E-Plus jede einzelne Nachricht. Aus dem Einzelpreis von 59 Cent für eine Bildnachricht zu einem Tor kann auf der Rechnung schnell ein hoher Betrag werden. Übersichtlicher sind auch hier pauschal bezahlte Services wie sie O2 und T-Mobile anbieten.

Björn Sievers, ddp

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