Tech-Spielzeuge im Test Echtes TV on demand
Männer, heißt es, seien Kinder. Ein wenig groß geraten, aber immer bereit, sich für ein neues Tech-Spielzeug zu begeistern. Die Nachfrage nach Daddeleien ist so groß, dass in Japan neuerdings sogar Bankautomaten mit Spielen ausgestattet werden, damit "Mann" sich die Zeit beim Warten auf den Kontoauszug vertreiben kann. Noch höheren Stellenwert als der reine Zeitvertreib besitzt allerdings alles, was man "haben" kann: Die Liste der begehrenswerten Gadgets ist nahezu unendlich. Die meisten davon haben eines gemeinsam: Man braucht sie nicht wirklich, aber es ist nett, sie zu besitzen.
Das birgt Zündstoff. Ganze Industrien leben vom Verkauf digital beseelter Waren, die von der Kundschaft geschlechtsabhängig mit "Wow, muss ich haben!" oder eben mit "Reparier erst einmal das Auto" beurteilt werden. Aus Männern nur schwer zu vermittelnden Gründen sind nur wenige Frauen dazu bereit, auf ihren Urlaub zu verzichten, um sich das Wohnzimmer in ein Home-Entertainment-Center verwandeln zu lassen. Viele Ehefrauen meinen gar, "er" säße eh schon "zu viel vor der Glotze".
Wie gut, dass es auch kleine, preiswerte Gadgets gibt, die helfen, solche Konflikte zu vermeiden.
Gelegenheit macht Fernseher
Im Trend liegen derzeit DVB-T-Empfänger in Gestalt von USB-Sticks für die Windows-Plattform. Erste Modelle gab es auf der Cebit zu sehen, in den letzten Wochen kommen nun immer mehr auf den Markt. Die Preise liegen zwischen 70 und 120 Euro, angeboten werden sie derzeit von Brainwave, LifeView, TechnoTrend, Twinhan (der einzige laut Datenbank der DVB-T-Betreiber angeblich auch Mac-kompatible Stick, der Hersteller äußert sich nicht dazu), Typhoon und Wideview.
Und auch von Yakumo, die ein Gerät im Programm haben, das weitestgehend baugleich mit einem vergleichbaren dnt-Gerät zu sein scheint. Die langsam anschwappende Welle der USB-TV-Sticks sorgte wohl dafür, dass Yakumo das Gerät nun zwei Monate vor dem eigentlich geplanten Verkaufsstart auf den Markt drückte. Das preiswerte Angebot (hier und da schon knapp über 60 Euro zu haben) haben wir uns einmal näher angesehen.
Yakumo ist bekanntlich die Marke, die vor einigen Jahren antrat, den Elektronik-Markt als eine Art IT-Aldi aufzurollen: Mit qualitativ zumeist respektablen Produkten, immer nett niedrig gepreist. Die nach eigener Auskunft "internationale Marke" (Firmensitz in Braunschweig, Produktion in China) hat mittlerweile so gut wie alles im Angebot.
Und mit dem "Quickstick" nun auch richtig früh eine ganz neue Technik. Der USB-Stick macht echtes "TV on demand" möglich: Fernsehen, wann immer man das will und wo immer man es braucht. Heimlich im Büro zum Beispiel.
Voraussetzung dafür ist, dass man in einem bereits mit DVB-T versorgtem Gebiet lebt. Ist das der Fall, kann es losgehen: Der kleine USB-Stick sollte in einer USB-2-Schnittstelle landen, vorab werden die Treiber installiert. Aufwändig ist das nicht, und nach knapp fünf Minuten kann der PC-Fernseher auf Empfang gehen: Eine TV-Karte braucht er dafür nicht.
Mitgeliefert wird natürlich auch die Antenne, die hier etwa die Dicke und Länge einer Bleistiftmine besitzt: Das reicht wohl nur desbalb, weil sie auf einem Magnetsockel sitzt, der den Gegenstand (z.B. Heizung), an dem man sie befestigt, zur Antennenverlängerung macht (und das reicht dann).
Im Test funktionierte das sowohl auf einem älteren Rechner (1,8 Ghz-AMD, 512 MB Ram) als natürlich auch auf einem neueren Boliden (3 GHz Pentium, 1 GB Ram) ganz prächtig. Das Bild kommt dicht genug (bis zu 720 x 576 Pixel), um als gestochen scharf empfunden zu werden, der Ton ist Stereo, über 20 Kanäle sind empfangbar.
Da hört die Hexerei aber nicht auf. Der Stick dient auch dazu, den Rechner zum Festplattenrekorder mutieren zu lassen. Die mitgelieferte Software schneidet die Sendungen als MPG-2 mit und parkt sie auf der Festplatte - als programmierten Mitschnitt oder auch als Timeshift, wenn überraschender Besuch (vom Chef?) den Filmgenuss unterbricht. Für einen ausgewachsenen Kinofilm muss man 1,5 bis 2 GB veranschlagen, die Qualität der Aufzeichnung ist anständig. Sowohl aus dem laufenden Programm, als auch aus der Aufzeichnung lassen sich Screenshots machen.
Ein kleines Haar in der Suppe: Auf absehbare Zeit dürften USB-Sticks wie der Quickstick die kleinsten verfügbaren externen DVB-T-Empfänger für Computer sein. Gerade das macht sie ja so sexy, bringt aber auch einen Nachteil mit sich: Weil ihnen ein Kühler fehlt, wird der Stick im Dauerbetrieb merklich warm. Yakumos Techniker halten das bei einer normalen Nutzung aber für kein Problem. Zu lösen ist es eh nicht: Kein Platz, kein Kühler.
- "Quickstick":DVB-T-Stick von Yakumo
- Etwas klobiger:DVB-T-Stick von Brainwave
- dnt:DVB-T-Stick
- DVB-T-Stick von LifeView
- Wohl bald zu haben:DVB-T-Stick von Twinhan
- DVB-T-Stick von Typhoon
- Wideview:USB-Stick zum DVB-T-Empfang
Der natürlich integrierte Electronic Program Guide (EPG) rundet das Soft-/Hardwarepäckchen ab: Mit seiner Hilfe könnte man beispielsweise anhand des Sendeplatzes programmieren, ab sofort jede Folge der Desperate Housewifes aufzuzeichnen. Im Kurztest funktionierte auch das recht gut, was aber natürlich davon abhängig ist, ob die Sender ihren Zeitplan einhalten oder nicht.
Unter dem Strich ergibt das alles ein verblüffendes Päckchen, das mit einem empfohlenenen Verkaufspreis von 79 Euro (es gibt bereits Sonderangebote) nicht zu hoch angesetzt ist. Die Systemanforderungen sind äußerst moderat: Lauffähig sind Stick und Programm unter Windows 2000/XP, die CPU sollte mindestens 800 Mhz bringen, nach heutigen Maßstäben mickrige 128 MB Arbeitsspeicher sollen reichen.
Nachteilig macht sich das Fehlen einer nicht Hochgeschwindigkeits-fähigen USB-Schnittstelle bemerkbar: Da kann das Bild dann schon mal merklich ruckeln. Doch auch schnelle USB-2-Schnittstellen sind bereits seit mehreren Jahren Standard. Ein Computer, der nicht älter als circa 3 Jahre ist, sollte keinerlei Probleme bekommen. Und auch gut ausgestattete alte Schätzchen machen den TV-Spaß noch mit.
Man sieht: Viel braucht es nicht, den Arbeitsrechner in ein TV-Entertainment-Gerät zu verwandeln. Jetzt noch für den Fall der Fälle schnell die Steuerklärungssoftware aufgerufen, sollte "Mann" ertappt werden. Noch effektiver zur Ablenkung von Ehefrau oder Chef dürfte allerdings der Notstart des brandneuen "Flying Doraemon" von Taiyo Toy sein (siehe Foto): Es gibt wirklich nichts, was uns IT- und Spielzeugtechnik nicht bieten - wobei die Grenze zwischen beiden oft verschwimmt.