Tech-Trends: Bürosoftware verliert ihren Wert - DER SPIEGEL
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Tech-Trends Bürosoftware verliert ihren Wert

Zu den umsatzstärksten Softwareprodukten überhaupt zählen Büropakete wie Microsoft Office. Das könnte sich ändern: Google vertieft seine Kooperation mit Sun und verteilt nun gratis deren StarOffice-Suite. Dem Trend kann Microsoft sich kaum entziehen - und kontert mit eigener Gratis-Software.
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Google vertreibt ab sofort im Rahmen seines kostenlosen Download-Software-Pakets die Bürosoftware-Suite StarOffice von Sun. Damit vertiefen die beiden Unternehmen eine Kooperation, die eigentlich schon seit 2005 besteht. Damals vereinbarten die Unternehmen höchst diffus eine intensivierte Zusammenarbeit beim Vertrieb von Produkten wie Java, der Google Toolbar oder Suns StarOffice. Konsequenzen hatte das so gut wie keine: Letztlich demonstrierten die Firmen nur Gemeinsamkeit, und die richtete sich natürlich gegen den allgemeinen Überfeind - Microsoft.

Praktisch begann Google parallel damit, statt Sun die Entwicklung und den Vertrieb der Office-Suite OpenOffice finanziell und personell zu fördern. Aus User-Perspektive war und ist das Jacke wie Hose: OpenOffice beruht auf dem im Jahr 2000 von Sun freigegebenen Sourcecode von StarOffice und unterscheidet sich nur in Ansätzen vom Sun-Produkt. Die einzige Überraschung am Google-Sun-Deal ist also, dass die Entscheidung zugunsten von StarOffice ausfiel und nicht für OpenOffice.

Denn obwohl die Softwarepakete weitgehend identisch sind, unterscheiden sie sich doch in einem wichtigen Punkt: OpenOffice gilt heute als zweiterfolgreichste Office-Suite hinter Microsofts Büropaket und war und ist kostenlos - und StarOffice dümpelte trotz eines Kampfpreises um 60 Euro seit dem Launch von OpenOffice weitgehend erfolglos vor sich hin. So könnte man die aktuelle Nachricht, von Google selbst im Firmenblog bereits am Sonntag veröffentlicht und zunächst von kaum jemandem bemerkt, auch ganz anders übersetzen: Sun gibt den Versuch auf, mit Bürosoftware noch Geld verdienen zu wollen. Der Trend zum Wertverlust von Office-Produkten gewinnt damit mächtig an Schwung.

Denn obwohl Bürosoftware-Pakete noch zu den Umsatzmotoren für Firmen wie Microsoft zählen, verliert das ganze Segment zusehends an Wert.

Seit Jahren sind OpenOffice und StarOffice eine höchst potente Konkurrenz zu Microsofts teuren Paketen, das eine umsonst, das andere bisher zumindest billig vertrieben. Seit die Software-Suiten so gut wie völlig kompatibel zu allen Microsoft-Büroformaten sind, gibt es kaum mehr Argumente gegen ihren Einsatz. Das könnte sich durch die Vertriebspartnerschaft mit Google nun endlich auch herumsprechen - und das ist von nicht zu unterschätzendem Wert für den ewigen MS-Gegner Sun.

Microsoft: Rückzug auf Raten?

So untergräbt der Deal eine der tragenden Säulen des Microsoft-Imperiums. Eine Säule, an der auch Google selbst mit seinen online verfügbaren Office-Alternativen "Google Docs & Spreadsheets" ohnehin schon fleißig zu sägen begonnen hat. Nicht, dass die Firmenlenker in Redmond das nicht hätten kommen sehen. Der Deal hatte sich lang angekündigt, galt als überfällig, und noch bevor Google und Sun an die Presse gingen, hatte Microsoft schon reagiert: Eine Woche vor Google kündigte Microsoft an, selbst ein kraftvolles Büropaket kostenlos in Umlauf bringen zu wollen. Microsoft Works, dereinst die eigentliche Office-Suite aus Redmond, seit Jahren als kleinere, preiswertere Version vermarktet, wird nun verschenkt.

Beide Nachrichten kombiniert bestätigen den Trend hin zur Entwertung des Geschäftsfeldes Bürosoftware. Für die meisten Nutzer ist das seit langem eine Art Gratis-Beigabe: Viele PCs werden mit OEM-Versionen der Microsoft-Produkte verkauft, deren Preis der PC-Kunde also gar nicht wahrnimmt - die Programme sind irgendwie inklusive. Das ist ein Trend, der sich nun noch verstärken dürfte. Office-Pakete sind auf dem Weg, zum Instrument zur Sicherung von Marktanteilen zu werden, wie auch Mediaplayer, Brennsoftware, Browser und viele andere Softwareprodukte zuvor.

Damit steht die Softwarewelt vor einem grundlegenden Wandel. Man muss sich fragen, was künftig überhaupt noch verkäuflich ist außer Betriebssystemen, Spielen und harten Anwendungen für das Business wie CAD-Programme oder SAP-Software. Microsoft scheint die Antwort für sich schon gefunden zu haben. Das Works-Büropaket zum kostenlosen Download ist zugeschnitten auf den vernetzten Büroarbeiter. Verdienen will MS künftig auch noch an diesem verschenkten Produkt: Mit online eingespielter Werbung.