Telefonservice: "Ruf an, schlaf ein!" - DER SPIEGEL
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Telefonservice "Ruf an, schlaf ein!"

Schlaflose gibt es genug, und sie haben Geld. Etwas Ähnliches muss sich wohl ein Start-up gedacht haben, das "Schlafen on demand" per Telefon anbietet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Spät in der Nacht: Schlummertrunk und Baldrian-Dragees versagen. Im Fernsehen versprechen Frauen über und unter Fünfzig aufregende Minuten, obwohl man genau das Gegenteil braucht. Was tun? "Ruf an, schlaf ein", lockt der Telefondienst Call to sleep. Nach dem Anwählen einer 0190er-Nummer, so versichert die Firma, werden Schlaflose überall und jederzeit ins Reich der Träume befördert.

"Schlafen on demand" nennt sich die Erfindung des österreichischen Hoteliers Günter Aloys, die vom "Mental-Trainer und Hypnotiseur" Frank Wruss akustisch umgesetzt wurde. Unterlegt von meditativer Musik sollen die Einflüsterungen des Fachmanns für schnelle Schläfrigkeit sorgen. Wruss: "Das Prinzip der Telesuggestion per Telefonnummer ist eine viel versprechende Variante für all diejenigen, die schnell und spontan, von jedem Ort und zu jeder Zeit Hilfe für einen gesunden Schlaf suchen."

Hört sich gut an: Einschlafen an jedem Ort, ganz spontan. Ein Anruf in einer drögen Konferenz, und schnell sind die Tore zum Schlummerland aufgestoßen. Allerdings empfiehlt sich, vorher die "Kurzschlaf"-Funktion auszuwählen, mit der man, so Call to sleep, nach 15 Minuten wieder aufwacht. Aktiviert man versehentlich das "Nachtschlaf"-Programm mit lang anhaltender Wirkung, gibt es vermutlich ein böses Erwachen.

Auch der Blick auf die Telefonrechnung ist möglicherweise wenig entspannend - pro fernmündlicher Hypnoseminute sind 1,21 Mark fällig. Immerhin: Nach maximal sechs Minuten Säuselei wird die Verbindung angeblich automatisch unterbrochen, für die "technische Neuheit" will sich die Firma bereits ein Patent gesichert haben. Notorisch Schlaflose sollen den Dienst auch zum Festpreis abonnieren können.

Für ein praktisches Problem haben die professionellen Sandmännchen jedoch keine Lösung anzubieten: Wohin mit dem Mobiltelefon, wenn man gerade einschläft? Am Ohr festbinden? Das hinterlässt unschöne - und am Arbeitsplatz verräterische - Abdrücke im Gesicht. Oder riskieren, dass das teure Businesshandy beim ersten Schnarcher auf den Boden kracht? Dann doch lieber Schäfchen zählen.

Martin Paetsch