Telekom Flatrate kommt am 1. Juni auf Probe
Bonn - Die Telekom darf den umstrittenen neuen Tarif namens T-Net-XXL für sechs Monate auf Probe einführen. Damit können Telekom-Kunden mit einem ISDN-Anschluss gegen eine um 14,89 Mark höhere Grundgebühr an Sonn- und Feiertagen umsonst im Internet surfen und innerhalb Deutschlands auch umsonst telefonieren.
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post teilte am Dienstag in Bonn mit, sie werde die Flat Rate zunächst für die Dauer vom 1. Juni bis 31. Dezember 2000 genehmigen. Die Telekom muss in dieser Zeit monatlich über die Entwicklung der Kundenzahlen und das tatsächliche Nutzungsverhalten berichten. Hintergrund sind Vorwürfe von Wettbewerbern, der Ex-Monopolist betreibe mit dem Angebot ein Preisdumping.
Der neue Tarif ist für den Regulierer vor allem deshalb problematisch, weil er in der Grauzone zwischen Festnetztelefonie und Web-Kommunikation liegt. Als marktbeherrschendes Unternehmen muss sich die Telekom ihre Telefontarife von der Behörde genehmigen lassen. Für Onlineangebote gilt dies jedoch nicht, weil hier der Wettbewerb wesentlich größer ist.
Behördenpräsident Klaus-Dieter Scheurle sagte, eine uneingeschränkte Genehmigung sei wegen der bestehenden Prognose-Unsicherheiten zu dem Tarif nicht möglich gewesen. Um XXL auch über den 31. Dezember hinaus betreiben zu können, müsse die Telekom bis 30. September 2000 einen neuen Entgeltantrag stellen.
Bei den Rivalen der Telekom ist die Entscheidung auf scharfe Kritik gestoßen. Der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner, sagte am Dienstag in Bonn, er sei mit dem geplanten halbjährigen Testlauf für das Telekom-Kombiangebot auf Internet und Festnetz absolut nicht zufrieden. Das Risiko liege voll bei den Konkurrenten der Telekom, während das Bonner Unternehmen selbst mit keinerlei Problemen zu rechnen habe.