Telekommunikation France Télécom lässt MobilCom fallen
Paris Nach Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" hat der Verwaltungsrat des französischen Staatskonzern France Télécom bei seiner Sitzung in Paris beschlossen, aus der Kooperation mit MobilCom endgültig auszusteigen. Auch der Nachrichtensender "n-tv" berichtete am Donnerstagabend unter Berufung auf Gewerkschaftskreise, dass France Télécom die Zusammenarbeit mit MobilCom beenden wird.
Mehr als vier Stunden hatten die 21 Mitglieder des Gremiums am Donnerstagabend über die Schulden des Konzerns in Höhe von fast 70 Milliarden Euro und die Zukunft der MobilCom-Beteiligung beraten. Dann sei die Entscheidung gefallen, MobilCom nicht mehr finanziell zu unterstützen, verlautete aus dem Gremium. France Télécom ist mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt und seit einiger Zeit der einzige Kreditgeber für das angeschlagene deutsche Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten.
Eine Rettung in letzter Minute, an der sich auch das Kanzleramt beteiligt hatte, ist damit offenbar gescheitert. MobilCom-Chef Thorsten Grenz hatte das Bundeskanzleramt um Vermittlung gebeten. Ein Regierungssprecher hatte am Donnerstag gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass das Kanzleramt auf Arbeitsebene mit der französischen Regierung und Vertretern von MobilCom gesprochen hat.
Auch das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium hatte sich für den MobilCom-Standort Büdelsdorf bei Rendsburg eingesetzt. Nach Angaben eines Sprechers stand das Ministerium mit MobilCom-Vertretern und der Bundesregierung in Verbindung.
Bereits am Mittwoch hatte die französische Zeitung "Le Figaro" berichtet, France-Télécom-Chef Michel Bon habe die Pariser Regierung überzeugen können, die teure deutsche Beteiligung fallen zu lassen. Dem war MobilCom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid umgehend entgegen getreten: Die Meldung sei falsch und France Télécom erfülle nach wie vor ihre Verpflichtungen gegenüber MobilCom. Um dies zu belegen, verteilte er noch am Mittwoch Fotokopien von Dokumenten. Demnach haben die Franzosen gerade noch 30 Millionen Euro nach Büdelsdorf überwiesen. "Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will", sagte Schmid.
An der Frankfurter Börse führten die Informationen aus Frankreich zu einem Ausverkauf von MobilCom-Aktien. Die Papiere büßten zeitweise mehr als 65 Prozent ihres Börsenwerts ein und notierten am Donnerstag Nachmittag zwischenzeitlich auf einem historischen Tiefstand von 1,55 Euro bis zum Handelsschluss erholten sich die Titel leicht auf 1,80 Euro.
MobilCom gehörte an den deutschen Börsen zu den am meisten gehandelten Aktien. Das seit März 1997 am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte Mitte 2000 bei einem Allzeithoch von 144 Euro einen Börsenwert von 6,4 Milliarden Euro. Derzeit wird das Unternehmen noch mit rund 86 Millionen Euro bewertet.
Ein Aktienhändler sagte bereits am Donnerstag Nachmittag, am Markt werde mit einer Insolvenz von MobilCom gerechnet. Die Ängste bestünden bereits seit längerer Zeit. SES-Research-Analyst Klaus Baumann prognostizierte, MobilCom werde "auf jeden Fall" insolvent, falls sich France Télécom zurückziehe. Die Titel des französischen Konzerns drehten im Handelsverlauf gegen den Markttrend ebenfalls ins Minus und wurden mit einem Abschlag von drei Prozent bei 10,42 Euro gehandelt. Die Unternehmensanleihen des Konzerns zogen hingegen deutlich an, da ein Rückzug aus dem deutschen Markt eine Entlastung der Bilanz bedeuten würde.