teXXas: Stundenplan fürs Internet - DER SPIEGEL
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teXXas Stundenplan fürs Internet

Mit einem "Guide für Webevents" will eine kleine Firma aus Berlin ganz groß herauskommen. Ihr Traum: die Programmillustrierte im Netz zu werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Suchmaschinen gibt es im Internet wie Sand am Meer. Eher zum Frust, als zur Freude der User. Denn das Ergebnis einer Suche ist meist wenig konkret, oft viel zu umfangreich und in den seltensten Fällen aktuell.

Fünf Berliner Jungunternehmer wollen das jetzt ändern: Mit teXXas  präsentieren sie, so die Eigenwerbung, "Deutschlands größten Guide für Webevents". Klingt wie ein typischer Marketingspruch. Kann sich aber durchaus sehen lassen.

Das Prinzip hinter teXXas ist einfach: Genauso wie eine Programmillustrierte die besten Fernsehsendungen eines Tages auf einen Blick präsentiert, will der Webguide auflisten, was im Moment im Netz los ist. Dabei kommen vielleicht nicht unbedingt die allerbesten Events zusammen, aber zumindest die besten, die dem fünfköpfigen Team bekannt sind.

Und das Angebot ist überraschend groß. Ob Online-Spiel, Auktion oder Live-Ticker von Sportveranstaltungen - bei den teXXanern sind sie relativ übersichtlich aufgelistet. Am meisten Raum nehmen allerdings, wenig überraschend, Ankündigungen für Chats ein. Die reichen vom "Star-Trek-Chat" über den "St. Pauli-Insider-Treff" bis zum "Kiffer-Treffpunkt".

Momentan sind die Angebote in acht Kategorien eingeteilt, von "C" wie Computer bis "S" wie Shopping. Weitere Unterrubriken sind in Planung. Die sind auch dringend nötig, denn schon jetzt wirkt die Übersicht mitunter wenig übersichtlich. Unterschiedliche Farben oder eine weitere Rubrizierung könnten das ansonsten in einem unaufgeregten, gefälligen Design daherkommende Angebot noch besser machen.

Neben dem Link zum eigentlichen Ereignis findet sich auf teXXas auch jeweils eine kurz Beschreibung des Events. Dort sind Sprache, Kosten und etwaige Software-Voraussetzungen verzeichnet. Auch eine Wertung findet sich dort, die von "geht so" bis "teXXas-tip" reicht. Was auf einer Massen-Webseite allerdings ein - anschließend gar nicht mehr so geheimer - "Geheim-Tip" zu suchen hat, bleibt wohl Geheimnis der Entwickler.

Die haben allesamt Erfahrung im Bereich Internet und Medien. Ralf Kühling und Björn Trautwein, bei teXXas fürs Redaktionelle zuständig, kommen vom Berliner Boulevardblatt "B.Z.". Marketing-Chefin Nicole Ludwig war zuvor unter anderem beim Auktionshaus eBay beschäftigt. Und die beiden Programmierer Gregor Kopij und Adam Watrowicz haben schon zahlreiche Internetprojekte realisiert - unter anderem für die Deutsche Telekom oder für BerlinOnline.

"Wir wollen die 'Hörzu' fürs Internet werden, Ordnung in die Millionen von Websites bringen", erklärte Trautwein dem Berliner "Tagesspiegel ". Bis der Stundenplan fürs Internet schließlich stand, sind mehrere Monate Vorbereitungszeit ins Land gezogen. Geldgeber mussten gesucht, Konzepte entworfen worden. Vor allem aber stand tagelanges Surfen im Internet an - auf der Suche nach möglicherweise konkurrierenden Angeboten, aber vor allem nach meldenswerten Events.

Anders als erwartet mussten die fünf bei ihrem Geldgeber "keine Überzeugungsarbeit leisten". Von wem und ihn welcher Höhe die teXXaner ihr Risikokapital bekommen haben, wird allerdings vornehm verschwiegen. Nur soviel gibt Trautwein preis: "Unser Budget für die nächsten zwei Jahre ist gedeckt."

Finanzieren will sich der Webguide ganz konventionell: durch Bannerwerbung und Kooperationen. So soll demnächst mit einem CD-Shop und einer Videodatenbank zusammen gearbeitet werden. Später wollen die Jungunternehmer auch anderen Angeboten Zugriff auf ihre Datenbank bieten - gegen Bares versteht sich.

Das Ziel ist hochgesteckt: Bereits in zwei bis drei Monaten will die kleine Firma mit dem einprägsamen Namen Geld verdienen. Ob die fünf Berliner das, wozu Firmen wie Yahoo oder eBay Jahre gebraucht haben, in so kurzer Zeit schafft, erscheint allerdings fraglich.

Alexander Stirn