Trend-Thema Sicherheitskonzepte für den E-Commerce
Das Internet ist längst ein Marktplatz, auf dem Geschäfte in Milliardenhöhe getätigt werden. Bis zum Jahr 2003 wird sich der Umsatz im virtuellen Warenhandel europaweit jährlich verdoppeln. Das prognostizieren die Marktforscher von Forrester Reseach. Im Jahr 2004 werde das Gesamtvolumen bei 1,6 Billionen Dollar liegen.
Doch noch immer kneifen viele Datensurfer beim letzten Schritt: Rund 90 Prozent der Online-Kundschaft durchstöbert zwar die virtuellen Regale, verlässt den Cybershop aber ohne Bestellung. Der Grund: Angst. Gerade in Deutschland bremsen Bedenken von Käufern und Händlern noch immer den Siegeszug des E-Commerce. Deswegen kommt sicheren und praktikablen Zahlungssystemen eine Schlüsselfunktion zu. Auf der Cebit werden neue Lösungen gezeigt.
"Einkaufen im Internet muss so sicher und einfach sein, wie das Einkaufen in einem Tante-Emma-Laden". Lars Eickmeier, Geschäftsführer der Hamburger High-Tech-Schmiede Emprise E-Commerce Services, kennt die besonderen Anforderungen der Deutschen an Geschäfte, die über das Internet abgewickelt werden. Im Gegensatz zu amerikanischen Verbrauchern ist hierzulande das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertraulichkeit extrem groß. "An das Bezahlen mit Kredit- und Kundenkarten im Hotel und beim Tanken haben sich alle gewöhnt", sagt Eickmeier. "Im Internet geschieht das gleiche, nur das Element der Unterschrift fehlt."
Meistens werden von Online-Shops nur die Nummer der Kreditkarte und das Verfallsdatum abgefragt - ähnlich wie beim Mieten eines Autos übers Telefon. Um sicher zu stellen, dass der Käufer auch tatsächlich die Karte vor sich hat, plädieren Eickmeier und andere E-Commerce-Experten dafür, dass beim Online-Bezahlen weitere auf der Karte vermerkte Informationen abgefragt werden. "Das kann beispielsweise der Name der Bank sein, die diese Karte ausgestellt hat, oder die auf der Rückseite gedruckten drei letzten Zahlen."
Das E-Payment-System SelfServe minimiert heute schon den Missbrauch der Kreditkarte im Internet durch den Kunden und den Händler. Die Daten des Kunden werden ausschließlich in einem Rechenzentrum gespeichert, das in Zusammenarbeit mit einer Bank die Bonität des Käufers online überprüft. Der Shop-Besitzer bekommt in Sekundenschnelle das Ergebnis der Bank - ohne Nummer der Karte - und die Garantie für die Zahlung der Rechnungssumme. "Der Händler hat das Geld innerhalb weniger Tage. Das Risiko trägt die Bank. Eigene Hard- und Software benötigt der Händler nicht", betont Lars Eickmeier, dessen Hamburger Firma Emprise E-Commerce Services das Online-Zahlungssystem vertreibt.
Um dem Kunden Sicherheit zu geben, dass der Händler keinen Missbrauch mit den Daten betreibt, erhält dieser keinen Zugang zu den im Rechenzentrum gespeicherten Daten. Die sind außerdem elektronisch verschlüsselt. Auch Doppelbuchungen durch den Händler sind ausgeschlossen.
Mehr als 100 Währungen können über SelfServe bearbeitet werden. Wenn ein Internet-Teilnehmer aus Deutschland beispielsweise in einem amerikanischen oder japanischen Online-Shop bestellt, zahlt er mit der Kreditkarte in seiner Heimat-Währung. Der Händler wiederum erhält den entsprechenden Betrag auch Wunsch in seiner Landeswährung. Neben Kreditkarten können auch Lastschriftverfahren, Micropayment und Telefonrechnungen für das Bezahlen genutzt werden. Lars Eickmeier: "SelfServe baut keine neuen Käuferbarrieren auf, sondern baut Hemmnisse ab."
Die Konzernmutter, die am Neuen Markt notierte Emprise AG, besitzt seit einigen Monaten die Mehrheit an Online Commerce Solutions (OCS), Seattle, USA, die SelfServe entwickelt hat. Präsentiert wird SelfServe auf der Cebit in Halle 6 am Stand des Münchner Herstellers von E-Commerce-Software OpenShop, der das elektronische Zahlungssystem der Emprise E-Commerce Services integriert hat. Andere Partnerschaften haben die Hanseaten mit Intershop und Catalog unterschrieben.
Auch andere Anbieter von E-Payment-Systemen fürs Internet tummeln sich auf der diesjährigen Cebit. Die Tüftler von Wirecard zum Beispiel gehen einen ähnlichen Weg wie die Emprise E-Commerce Services. Cybercash dagegen legt größten Wert auf die Sicherheit, weniger auf die einfache Handhabung. Einen ganz anderen Weg bezeichnet die Abkürzung SET (Secure Electronic Transaction). Bei diesem Verfahren werden Zahlungsvorgänge nicht direkt zwischen Kunde und Händler abgewickelt, sondern es ist eine Zertifizierungsstelle zwischengeschaltet - meistens eine Bank. Eine weitere Alternative könnte das Bezahlen mit EC-Karte sein. Allerdings müssen dafür Lesegeräte an die Personalcomputer angeschlossen werden.
Auch sogenannte virtuelle Geldbörsen sind in Hannover zu bewundern. Der Kunde richtet ein spezielles Konto ein, das ausschließlich für das Begleichen von Forderungen im Internet genutzt wird. Die Commerzbank, die Postbank und andere Geldinstitute zeigen dieses CyberCash auf der Cebit. Ohne Bankkonten und Kreditkarten kommt Net900 aus. Grundlage des Inkassosystems der Telekom-Tochter TeleCash ist eine 400 Kilobyte große Spezialsoftware, die über eine kostenpflichtige 0190-Nummer automatisch eine Datenverbindung zu einem Rechenzentrum herstellt, wenn der User ein kostenpflichtiges Angebot im Internet nutzen will. Die Rechnung wird ihm mit der Telefonrechnung präsentiert. Auch die amerikanische Firma eCharge nutzt die Telefonrechnung für die Abrechnung.
Lars Eickmeier arbeitet bereits am nächsten Schritt: Unter dem Dach einer neuen Firma namens chainNet will er etwa zehn Unternehmen aus den USA, aus Irland, Israel, Dänemark und Deutschland zusammenbringen. Jedes dieser High-Tech-Häuser liefert Bausteine, mit denen sämtliche Anforderungen des e-commerce vom Web-Portal bis zur Integration in bestehende DV-Landschaften erfüllt werden sollen. Damit sollen auch kleine und mittlere Betriebe in die Online-Geschäftswelt vorstoßen können, "denn sie bekommen alles aus einer Hand", sagt Eickmeier. "Bei unserem Modell steht nicht die Technik, sondern endlich der Händler und der Käufer im Mittelpunkt."