Trio mit Tastatur Organizer werden erwachsen
Personal Digital Assistants, kurz PDAs, sind schon lange kein exotisches Spielzeug für Computerfreaks mehr. Die Firmen setzen alles daran, die Geräte immer leistungsfähiger zu bauen. Damit den Anwendern der Auf- und Umstieg auf die nächst teurere Generation versüßt wird, können die Geräte heutzutage häufig mehr, als noch vor Jahren so manches Notebook.
PDAs unterscheiden sich darin, mit welchem "Betriebssystem" sie arbeiten. Für "Stand-Alone-Geräte, also solche ohne integriertes Mobiltelefon, besonders weit verbreitet sind Palm, Pocket Windows CE und Linux. Bei den Handy-Organizern ist zudem noch "Symbian" zu finden. Alle werden mit Programmen ausgeliefert, die sie inzwischen perfekt auf heimische Office-PCs abstimmen.
SPIEGEL ONLINE hat sich drei PDAs der gehobenen Preisklasse aus den verschiedenen "Lagern" angesehen.
Palm ist Sony
Bei den Palm-Organizern sind die Geräte der Firma Sony am weitesten ausgereift. Zwar kann man auch vom Originallieferanten des Palm-Betriebssystems Geräte mit der neuesten Version Palm-OS 5.0 kaufen, die inzwischen auch farbfähig sind und eine höhere Auflösung bieten. Aber erst der Sony Clié NX70V bietet die gewissen Extras, die ihn zur echten Empfehlung im Palm-Lager werden lassen.
Neben der üblichen Touch-Oberfläche und den Bedientasten verbirgt sich in dem aufklappbaren Gehäuse eine komplette Tastatur. Die hat "nur" Mickymaus-Größe, aber für ausführlichere Notizen ist das allemal angenehmer als die Skribbelei mit der Sketch-Schrift oder die Fummelei mit den Bildschirmtasten.
Sony liefert zudem eine ganze Palette an Multimedia-Anwendungen mit: Der Anwender kann Musik hören und Bilder sowie kleine Filme ansehen. Und nicht nur das: Er kann sie auch aufnehmen. Dafür enthält der Sony Clié eine richtige Digitalkamera, die bis zu 640 x 480 Bildpunkten auflöst. Ein Blitz ist zwar nicht zu finden, den bietet erst die nächste Generation, der Clié NV90 (rund 600 Euro), den Sony zur Cebit vorstellt. Doch die lichtstarke Kamera bannt auch bei mäßigem Umgebungslicht genug visuelle Informationen auf den Chip.
Was ist Loox?
Mit dem Konkurrenzprodukt Pocket Windows ist der Pocket PC Loox 600 von Fujitsu Siemens ausgestattet. Das Gerät kostet ca. 500 Euro, doch wie bei einem Mercedes wird es erst durch die üppige Zusatzausstattung perfekt - und leider auch entsprechend teuer.
Besonders hervorzuheben sind hier der Huckepack-Akku (ca. 100 Euro), der die Standzeit des Gerätes locker verdoppelt, das Mobilfunk-Modul (Preis noch nicht bekannt) und die Klapptastatur (ca. 100 Euro). Die ist in geschlossenem Zustand kaum größer als der Loox selbst, aber ausgeklappt bietet sie die Abmessungen einer Subnotebook-Tastatur.
Der Loox wird auf einen Steckverbinder in der Mitte gesteckt, und nach Installation des Treibers kann man zum Beispiel in Pocket Word so schreiben wie mit einem Laptop. Lediglich die Lage der rechten Umschalttaste ist etwas ungewöhnlich, sie liegt rechts neben den Cursortasten - da greift der Schnellschreiber öfter mal daneben. Ansonsten ist das Klappteil aber durchaus "Zehnfinger-blindschreibtauglich".
Im Vergleich dieser Eigenschaft fallen die beiden anderen Geräte natürlich ab, denn sie bieten nur taschenrechnerähnliche Tasten, die nur mit Daumen und Zeigefinger im Wechselspiel bedient werden können.
Auf dem Fujitsu-Siemens Loox läuft Windows CE in der jüngsten Version 2002, inklusive des Media Players und des Internet Explorers. Bei der Bedienung braucht der windowsgewöhnte Anwender sich also nicht allzu sehr umzustellen. Ein Highlight verbirgt das Gerät in seinem Inneren: Die Daten überträgt der Loox schnurlos wahlweise nicht nur per Infrarotverbindung, sondern auch über die neue Schnittstelle Bluetooth. Wer ein Handy mit Bluetooth besitzt, kann so problemlos auch unterwegs auf die E-Mails zugreifen.
Linux kommt langsam, aber mächtig
Der dritte im Bunde der tragbaren Alleskönner, ist der Sharp Zaurus SL5500. Das Gerät arbeitet mit einer speziell angepassten Version von Linux. Bereits vor Jahresfrist hatten wir den Vorgänger unter der Lupe, der wurde allerdings nur an Entwickler verkauft.
Das aktuelle Gerät ist inzwischen ausgereift und insgesamt mit ca. 400 Euro Verkaufspreis in diesem kleinen Vergleich der günstigste Organizer. Auch der Sharp SL 5500 hat eine Tastatur, die kommt zum Vorschein, wenn eine kleine Schublade am unteren Geräterand nach unten herausgezogen wird.
Dass unter der Oberfläche Linux dieselt, ist nur hier und da zu merken. Wird das Gerät zum ersten Mal gestartet, arbeitet der Mini-Computer ein paar Funktionen im Kommandofenster ab, und dann ist das "Look and Feel" ähnlich wie bei den Geräten mit Palm OS. Sogar ein Multimediaplayer für Audio-Dateien ist auf dem Gerät zu finden.
Ein Manko des Linux-PDAs sei hier jedoch nicht verschwiegen: Während die Anwender von Palm- und Windows-CE-Geräten mit Software (kommerzielle und frei kopierbare) inzwischen überschüttet werden, sieht es da für das Sharp-Helferlein nicht so üppig aus.
Fazit: Alle drei Organizersysteme sind inzwischen ausgereift und bieten alle Funktionen, die ein mobiler Mensch unterwegs sich wünschen kann. Wem es weniger auf die viele Software ankommt, sondern auf die grundsätzlichen Funktionen, der kommt mit dem Sharp SL 5500 bestens aus. Wer auf Palm-Kompatibilität Wert legt und trotzdem nicht auf üppige Ausstattung verzichten möchte, greife zum Sony Clié NX70. Wer Funktionen satt und dabei auf die gewohnte Windows-Umgebung nicht verzichten möchte oder wer auch unterwegs längere Texte eingeben will, ohne dafür gleich ein Notebook "mitzuschleppen", für den ist Fuitsu-Siemens' Pocket Loox 600 die erste Wahl. Die Geräte zeigen überdies einen Trend der diesjährigen Cebit: Wirklich Neues gibt es wenig, aber lohnende Verbesserungen bestehender Konzepte.