Triple Play Nur der Inhalt zieht
Hamburg - In diesem Jahr soll es richtig losgehen: In Deutschland werden ernsthaft Komplettpakete für schnelles Internet, Fernsehen und Telefon geschnürt. In Frankreich rollt die Welle unter dem Schlagwort Triple-Play schon seit eineinhalb Jahren. Ein furioser Wettbewerb um die besten Inhalte und Nutzungsmöglichkeiten der Technik ist dort entbrannt. Zuweilen bleibt der Kunde allerdings auf der Strecke.
Das neue Internet-Zeitalter kommt in Frankreich über die "box" ins Haus. Sie ist der Endpunkt der alle digitalen Inhalte übertragenden Telefonleitung. Von ihr aus geht es meist per drahtlosem W-Lan weiter zum Telefon, PC und zum Fernseher.
Mit über einer halben Million Nutzer sind die Preise seit den ersten Kombi-Angeboten stark gesunken. Standard ist heute eine Monatsgebühr von rund 30 Euro. Dafür bekommt der Kunde per ADSL nicht nur rasend schnelles Internet und 30 bis 100 Fernsehprogramme, sondern auch kostenloses Telefonieren ins Festnetz - frankreichweit.
"Die Dynamik auf dem Markt ist enorm", sagt Jean-François Hernandez von der Regulierungsbehörde ART. So schaffte Wanadoo, die Tochter des Ex-Monopolisten France Télécom, von Mitte bis Ende vergangenen Jahres den Sprung von 116.000 auf 200.000 Triple-Play-Kunden.
In Frankreich "übt" T-Online schon
Ähnlich rasant die Entwicklung beim Konkurrenten Free, wo Ende Dezember gleichfalls schon fast 200.000 zahlende Nutzer verzeichnet wurden. Neuf Cegetel und die Telecom-Italia-Tochter Alice teilen sich den Rest des Marktes. Demnächst wollen auch die T-Online-Tochter Club Internet und AOL mit TV-Angeboten digitale Trios anbieten.
Angesichts der sich kaum unterscheidenden Preise habe sich der Wettbewerb vollständig auf die Inhalte verlegt, sagt Hernandez. Tatsächlich vergeht kaum ein Monat, in dem ein Anbieter nicht ein neues Extra auf den Markt bringt. Bei Free, traditionell in einer Vorreiterrolle, gibt es inzwischen auch kostenlose Telefongespräche in 14 Länder außerhalb Frankreichs.
Durch eine kleine Aufrüstung können über die Box Bilder vom PC direkt an den Fernseher oder Musikstücke an die Hifi-Anlage im Wohnzimmer geschickt werden. Wanadoo hat während der Olympischen Winterspiele versucht, Kunden durch sieben Zusatz-TV-Kanäle mit den Übertragungen aus Turin zum Vertragsabschluss zu locken.
Noch hakt es im Triple-Netz
Besonders wichtig sind für alle Zusatzangebote, die auch Geld bringen. Große Hoffnungen werden dabei neben Computerspielen und Musikangeboten vor allem auf Video-on-Demand (VoD) gesetzt. Free verkaufte im ersten Monat seit dem Start seines Video-Angebots Mitte Dezember immerhin auf Anhieb 150.000 Filme auf Abruf.
Untereinander kämpfen die Triple-Player mit harten Bandagen. Klagen gegen angebliche Dumping-Angebote der France-Télécom-Tochter Wanadoo sind ebenso an der Tagesordnung wie Beschwerden bei der Regulierungsbehörde über unfaire Mietpreise für Leitungen des Ex-Monopolisten.
Doch auch untereinander gönnen sich die Herausforderer keine Pause und zögern nicht, ihren Streit auf dem Rücken der Kunden auszutragen. So reichte der Verbraucherverband UFC-Que Choisir im Januar Beschwede ein, weil Free seinen Abonnenten plötzlich Gratis-Telefonate in Rechnung stellte. Hintergrund laut Free: Konkurrenten wie Neuf Cegetel und Alice würden nun "exorbitante" Gebühren von Free für Telefongespräche zu ihren Kunden verlangen.
Bei der Technik fühlen sich manche Kunden derweil regelrecht als Versuchskaninchen missbraucht: Tagelang kein Anschluss, ruckelnde oder eingefrorene Fernsehbilder, stundenlanges Hängen in der Warteschleife der Hotline, ahnungslose Techniker - die Beschwerdelisten in Frankreichs Internet-Foren sind lang. Behördensprecher Hernandez hält die tatsächliche Zahl der betroffenen Kunden jedoch für "marginal". Zugleich räumt er ein, dass die Technik kompliziert ist. "Da sind noch nicht alle Probleme gelöst."
Martin Trauth, AFP