Trittbrettfahrer: Schlechte Medizin gegen Sasser - DER SPIEGEL
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Trittbrettfahrer Schlechte Medizin gegen Sasser

Oft steckt hinter PC-Viruswellen nicht mehr als ein infantiler Schlagabtausch zwischen Virenautoren. So bekriegen sich seit Monaten die Autoren von Bagle und Netsky - der "abgeschossene" PC-Nutzer ist nur ein Kollateralschaden im bösen Spiel. Der Netsky-Autor versucht es nun im Kielwasser von Sasser.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Virengefechte" zwischen konkurrierenden Autoren sind nichts Neues, sie laufen stets nach dem gleichen Muster ab: Ich kille Dein Virus, Du killst meins. Und weil wir gerade einmal dabei sind, schieße ich noch den befallenen Rechner ab, damit der User das auch merkt: Die Zahl der "erlegten" PC-Systeme wird zum Gradmesser für die Güte des Virus. Für die Autoren geht es um Konkurrenz, um zweifelhaften Ruhm und Ehre, für die betroffenen Privatanwender und Unternehmen um Zeit, Nerven und Geld.

Die Autoren der Wurm-Serien Bagle und Netsky schossen in dieser Hinsicht in den letzten vier Monaten den Vogel ab: Noch nie gab es in so kurzer Zeit so viele Varianten von PC-Viren. In der letzten Woche gingen deshalb die IT-Sicherheitsunternehmen bei ihren Viren-Benennungen in die zweite alphanumerische Runde: Ihnen waren die Buchstaben ausgegangen. Am 27. April folgte darum auf Netsky.Z die erste Virenvariante mit Doppelnamen: Netsky.AB.

Und der Autor bleibt fleißig. Seit der Nacht von Montag auf Dienstag kursiert Netsky.AC, ein vergleichsweise harmloser Wurm, der aber zum Vorbote der nächsten "Schlacht" geraten könnte. Er erhöht seine Verbreitungschancen dadurch, dass er vorgibt, ein "Removal-Tool", eine Entfernungs-Software gegen diverse verbreitete Viren zu sein - inklusive gegen Sasser.

Auch diese neueste Variante des Netsky-Wurms verbreitet sich per E-Mail und gibt sich als Warnung eines Antiviren-Unternehmens aus. "Der E-Mail-Text behauptet, dass der betreffende Rechner mit Sasser, Netsky, Bagle, Blaster oder MyDoom Würmern infiziert sei", erklärt Gernot Hacker vom IT-Sicherheitsunternehmen Sophos. "Der Netsky-Autor spielt mit den Ängsten der Anwender vor Viren-Attacken."

Sophos warnt ausdrücklich davor, angeblich von IT-Sicherheitsunternehmen per E-Mail verschickte Programme zu aktivieren, sondern stattdessen grundsätzlich die Webseiten der Unternehmen zu nutzen.

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