Tuning für den PDA Rasend schnell ins Internet
Das Problem ist so bekannt wie ärgerlich: Webseiten sind viel zu groß für die handlichen Bildschirmausgaben der PDAs und Smart-Phones - und das gilt oft auch für extra auf mobile Geräte abgestimmte Angebote. Je nach Gerät und verwendetem Browser können die Seiten überall anders aussehen oder Funktionalitäten, die auf Java oder JavaScript basieren, stehen nicht gleichermaßen zur Verfügung. Das klingt nach einer Neuauflage des Desktop-Browserkrieges zwischen Netscape und Microsoft.
Die Frage der mobilen Anwender lautet also einmal mehr: "Mit welchem Gerät und welchem Browser surfe ich ohne große Schwierigkeiten?"
Diensteanbieter fragen sich dagegen, für wie viele unterschiedliche Systeme es sich überhaupt lohnt, ihre Angebote zu optimieren. Denn die Zugriffszahlen zu den mobilen Lösungen sind oft noch immer verschwindend gering. Aber ein übergreifender Standard wie i-mode ist für das mobile Business nicht in Sicht, und darin liegt auch eines der größten Hemmnisse - oder etwa doch nicht?
Ausweg aus dem Dilemma
Zumindest für die Besitzer eines PDAs mit den Betriebssystemen PalmOS oder PocketPC gibt es einen praktischen Ausweg aus den Wirren unterschiedlichster Hard- und Softwarelösungen und -standards.
Unter bestimmten Voraussetzungen, versteht sich: Der PDA muss mindestens über einen freien Arbeitsspeicher von 1 MB verfügen und unter Palm OS 3.5 (oder höher) laufen, auch ein PocketPC wird unterstützt. Der eigene PC sollte optimalerweise über ein Windows-Betriebssystem verfügen. Für Mac und Linux gibt es immerhin eine "abgespeckte" Version. Und das Handy sollte daten- und infrarotfähig sein, oder der Handheld alternativ ein Modem besitzen.
Wer alle diese Voraussetzungen erfüllt, für den bietet die Firma Webtogo auf ihrer Internetseite eine kostenlose Komplettlösung, die aus einem SMS- und E-Mail-Client, einem PDA-Browser sowie einem Konfigurationsassistenten besteht. Sie ermöglicht es, mobil auf das Internet zuzugreifen, E-Commerce-Angebote zu nutzen und E-Mails abzurufen.
Die Installation der benötigten Software ist einfach, benötigt allerdings einiges an Platz auf den oftmals schmal bemessenen Handhelds, und nur die Technik-Freaks dürften sich daran stören, dass sie nicht über jede Änderung ihrer Systemkonfiguration informiert werden.
Herzstück des Systems ist aber ein Optimierungsserver, der die Internetseiten für den eigenen PDA optimal aufbereitet und den Datenumfang für die Übermittlung mit Hilfe einer speziellen Kompressionstechnologie erheblich reduziert.
"Mit unserer Lösung können Nutzer zu jeder Zeit schnell und günstig auf das Internet zugreifen, unabhängig davon, wo sie sich gerade aufhalten", kommentiert Daniel Beringer, Geschäftsführer von Webtogo den Service seines Unternehmens. "Dabei begnügen wir uns nicht mit den abgespeckten WAP-Sites, sondern machen den kompletten Inhalt des World Wide Web mobil zugänglich. Die auf dem PDA angezeigten Seiten werden lediglich über unseren Server optimiert, um kürzere Download-Zeiten zu erreichen. Damit ist Webtogo eine echte Alternative zu den noch immer nicht verfügbaren UMTS-Diensten."
Für die Nutzung werden lediglich die Verbindungsgebühren zum Netzbetreiber abgerechnet, die durchschnittlich zwischen 10 und 20 Cent pro Minute betragen. Damit kopiert man letztlich das Geschäftsmodell von i-mode: Die beteiligten Mobilfunkbetreiber zahlen eine Gewinnbeteiligung der Onlinegebühren an Webtogo.
Auch im Ausland verfügbar
Für den Einsatz im Ausland auf Geschäftsreisen und im Urlaub gibt es günstige lokale Einwahlnummern auch außerhalb Deutschlands in Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Belgien, Frankreich und Großbritannien. Für die Nutzer entstehen dabei keine Zusatzgebühren durch das sonst übliche Roaming oder internationale Einwahlnummern, außer den normalen Onlinetarifen.
Neben dem GSM-Standard werden auch Verbindungen über die schnellen Mobilfunkstandards GPRS und HSCSD unterstützt.
Ist das die Lösung des Problems?
Sollte sich das Angebot als Renner erweisen, dürften sich vor allem die Marketingstrategen der Mobilfunker freuen, die schon sehr frühzeitig das Mobile Business ausgerufen haben. Endlich wäre der Beweis erbracht, dass mobile Geräte auch für mehr als Telefonieren genutzt werden.
Webtogo steht vor der Aufgabe, immer Herr der Lage zu bleiben, damit aus dem künstlich geschaffenen Flaschenhals nicht doch wieder ein Engpass wird - trotz versprochenem PDA-Turbo.
Doch so erquicklich die Idee für Webtogo sein mag, so praktisch für die mobilen Surfer: letztlich bleibt das Grundproblem ungelöst. Auch pfiffige Lösungen wie Webtogo sind Symptom-Kittlerei anstelle einer grundsätzlichen Lösung, die allen nutzen würde: Was fehlt, ist der Standard für das mobile Internet.