TV-Programmführer-Test: Papier gegen Webseiten und EPGs - DER SPIEGEL
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TV-Programmführer-Test Papier gegen Webseiten und EPGs

Wer präsentiert das Fernsehprogramm am besten – die klassische Zeitschrift, ein Online-Service oder ein elektronischer Programmguide? Ein Vergleichstest von 18 Infoquellen führte zu erstaunlichen Ergebnissen.
Von Volker Straßburg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Programmfülle via Kabel und Satellit hat innerhalb weniger Jahre enorm zugenommen. Aber auch die Art und Zahl der Anbieter, die Durchblick im Sender-Dschungel versprechen, ist deutlich größer geworden:

  • Die älteste und nach wie vor populärste Info-Quelle ist eine Programmzeitschrift.

  • Im Internet offerieren zahlreiche Anbieter Programm-Infos und interaktive Recherchemöglichkeiten.

  • In vielen Set-Top-Boxen stecken elektronische Programmführer (EPG), die nicht nur Infos zu Sendungen, sondern auch Hilfe bei der Timerprogrammierung geben.

  • Mittlerweile verfügen auch einige höherwertige Recorder und Fernseher über einen EPG.

  • Nach wie vor genutzt werden auch die Programmhinweise im Videotext.

  • Das Fachmagazin "Video" hat die wichtigsten Info-Quellen aller fünf Gattungen ausgewählt und in der Praxis gründlich getestet.

    Die Datenquellen

    Jede Art von Programm-Übersicht benötigt einen Lieferanten, der alle Infos sammelt, Inhaltsangaben erstellt und am besten auch die Sendungen für die Zuschauer bewertet. Einer der wichtigsten Anbieter ist der Heinrich Bauer Verlag, der nicht nur seine eigenen Zeitschriften wie den Marktführer "TV Movie" mit Daten versorgt, sondern auch den Internetdienst "TV Movie" und NexTView-EPGs.

    Auf elektronische Programmführer hat sich zudem "tvtvservices" aus München spezialisiert. Der Anbieter erstellt täglich einen riesigen Datenpool, aus dem unterschiedliche EPGs in zahlreichen Gerätegattungen Informationen schöpfen.

    Programm-Zeitschriften

    Sie lieben Action-Filme und möchten am liebsten Schwarzenegger sehen? Dann müssen Sie nicht mühselig jeden Sender einzeln nach "Terminator", "Conan" & Co. durchforsten, denn moderne TV-Zeitschriften sind nicht nur nach den Suchkriterien "Tag" und "Programm" strukturiert.

    So verraten viele Blätter gleich eingangs die Programmhöhepunkte für den kompletten Zeitraum der Vorschau, der meist 14 Tage beträgt. Zudem bieten sie tägliche Spartentipps, wobei "Spielfilm", "Sport", "Serien", "Unterhaltung", "Dokumentationen" und "Kinder" die üblichen Genres sind. Als Arnie-Fan fahnden Sie natürlich unter "Spielfilme" und kommen so relativ schnell zum Ziel – wo Sie obendrein eine redaktionelle Bewertung des Films erhalten.

    Zusätzliche Orientierungshilfe bietet die Unterteilung jedes Tages in Sendezeiten, üblich sind dabei die Kategorien "vormittags", "tagsüber", "abends" und "nachts". Natürlich kann man das Programm auch nach den einzelnen Sendern durchstöbern, denn die klassische Streifenansicht – Programm neben Programm – bietet jede TV-Zeitschrift.

    Internet-Programmführer

    Das Plus der Internet-Guides gegenüber den Zeitschriften liegt in der Interaktivität. Alle Sendungen sind in einer Datenbank abgelegt, in der sich nach vielen Kriterien recherchieren lässt. So liefert die Stichwortsuche "Schwarzenegger" eine ganze Liste seiner Filme. Auch die Zahl der Genres ist im Web viel größer. Sogar die Suche in einer Kombination aus Sparte, Sendezeit und Datum ist möglich – wer will, packt noch Kriterien wie "Breitbildfilm" oder "Live" oben drauf.

    Trotz dieser Vielfalt präsentieren die Internet-EPGs ihre Daten auf Wunsch wie Zeitschriften in klassischer Streifenansicht. So kann man auch online einfach ein wenig bei den Sendern stöbern. Das Einzige, was in den meisten Internet-Guides kurioserweise fehlt, sind ShowView-Angaben, um den Videorecorder schnell zu programmieren. Lediglich der TVMovie-Dienst bietet diesen Service.

    Der EPG in der Set-Top-Box

    Ob für Satellit, Kabel oder Antenne – in jedem Empfänger für Digital-TV steckt ein elektronischer Programmführer. Die auf aufwändigen EPG-Varianten erhalten ihre Daten einmal oder gar mehrmals täglich von einem Provider, den der jeweilige Boxenhersteller für diese Leistung bezahlt.

    Wie die Internet-Guides sind auch hochwertige EPGs nach Sparten und Sendern sortiert, was eine entsprechende Auflistung am TV-Schirm ermöglicht. Zudem sind die Daten fest in der Box gespeichert und somit ohne Wartezeit auf Knopfdruck verfügbar. Bislang spendieren aber nur Kathrein, Panasonic und Technisat ihren Boxen solche Komfort-Guides.

    Einfachere EPGs begnügen sich mit den so genannten "Service Informationen", die nahezu alle Sender im digitalen Datenstrom ihres Programms übertragen. Diese "SI"-Daten werden aber nicht in der Box gespeichert, sondern nach dem Aufruf des EPGs neu geladen. Während des Navigierens in den Seiten kommen deshalb laufend neue Daten hinzu, andere werden dafür gelöscht. Das klappt mit einigen Boxen in wenigen Augenblicken, andere brauchen deutlich länger. Als gute Lösungen stellt "Video" die Programmvorschauen von Hyundai und Topfield vor.

    Die in der Praxis so nützliche Genre-Aufteilung beherrscht aber kein SI-EPG. Der Schwarzenegger-Fan muss also jeden Sender nach "Eraser", "Predator" oder "Kindergarten-Cop" durchforsten.

    Der so genannte "Now & Next"-Service gehört dagegen zum Standardrepertoire eines EPG. Er verrät, was der gewählte Sender aktuell und gleich im Anschluss zeigt. Ein besonders komfortables Extra jedes EPGs: Hat der Arnie-Fan beim Stöbern entdeckt, dass übermorgen "True Lies" läuft, genügt ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, und schon ist die Aufnahme des Films programmiert. Ein Festplatten- Receiver schaltet sich automatisch zur richtigen Zeit ein und konserviert das Action-Spektakel auf seiner Harddisk.

    Hat die Set-Top-Box keine Festplatte, muss man einen externen Recorder manuell oder – falls vorhanden – über dessen EPG mit der Set-Top-Box abgleichen. So können sich Empfänger und Recorder zur Aufnahme gleichzeitig einschalten.

    Die abrufbare Datenmenge wird von der Kapazität des EPG-Speichers begrenzt. Deshalb bieten TV-Guides entweder eine lange Vorschauzeit mit knappen Inhaltsangaben. Oder mehr Detailinfos, wenn der Vorausblick kürzer ist.

    Weiter in Teil 2: Videotext und EPGs in Festplattenrecordern

    EPG in TV und Recorder

    Die meisten Fernseher und DVD-Recorder haben nur einen analogen Kabeltuner an Bord, digital übertragene SI-Daten können sie daher nicht empfangen. Dafür gibt es für analogen Empfang Datendienste, die parallel zum Bild in der so genannten vertikalen Austastlücke – also unsichtbar zwischen zwei TV-Bildern – übertragen werden. Der bekannteste Programmguide ist NexTView, seine Daten überträgt mittlerweile nur noch der Sender Kabel 1 aus dem Datenpool der tvtv-Macher. Der Heinrich Bauer Verlag – bis vor kurzem der zweite NexTView-Anbieter – hat seinen Datendienst via RTL 2 eingestellt.

    Die tvtv-Daten zeigen das Angebot von 32 Sendern im Überblick. Über die zehn populärsten Programme wie ARD, ZDF oder RTL informiert eine Acht-Tage-Vorschau, Infos zu den übrigen Sendern kommen für drei oder fünf Tage im Voraus. Inhaltsangaben gibt’s nur für die jeweils nächsten vier Filme der Hauptsender.

    Auch NexTView-EPGs machen die Aufnahmeprogrammierung zum Kinderspiel. Loewe etwa bietet seinen Guide in TV-Modellen mit integrierter Festplatte an. Da klappt das Programmieren so bequem wie mit digitalen Festplatten-Receivern.

    Sogar der Paarlauf mit einem externen Recorder funktioniert ohne Stress: Fernseher mit NexTView-EPG bieten in der Regel eine Link-Funktion, die den Datentransfer vom TV zum externen Recorder per Scartleitung ermöglicht. Hat der Recorder ebenfalls eine Link-Funktion, erhält er vom TV alle Aufnahmedaten.

    Für DVD-Recorder mit Festplatte hat ShowView-Erfinder Gemstar den EPG-Dienst Guide Plus+ entwickelt, den zahlreiche hochwertige Modelle nutzen. Wie bei NexTView werden die Programmdaten über einen TV-Sender verschickt, Gemstar kooperiert dabei mit Eurosport.

    Die Funktionen sind ebenfalls mit denen von NexTView vergleichbar. Einziger gravierender Unterschied: Während die TV-Hersteller bei NexTView das EPG-Menü selbst gestalten, erhalten die Recorder-Produzenten ihre Seiten von Gemstar. Daher zeigt Guide Plus+ unabhängig vom Recorder-Hersteller meist die gleiche Optik, die sich von der des Gerätemenüs mal mehr, mal weniger stark unterscheidet.

    Wenig ausgefeilt ist das dritte EPG-System für analoge TVs und Recorder: Naviclick von Thomson bezieht seine Daten aus dem Videotext. Programmierhilfe wie NexTView und Guide Plus+ bietet auch dieser Variante, genre- oder senderübergreifende Suchfunktionen fehlen aber.

    Videotext

    Am wenigsten Komfort und Ausstattung bietet der Videotext. Wer die Seitennummer 333 eintippt, erhält immerhin Now & Next-Infos des jeweils eingeschalteten Senders und meist auch Links zu Inhaltsangaben. Damit endet der Service aber auch schon.

    Senderübergreifende Infos fehlen im Videotext, und eine Vorschau von maximal einer Woche offerieren derzeit nur die ARD-Programme. Aufnahmen lassen sich mithilfe des Videotexts in keinem Fall programmieren.

    Fazit

    Die bewährte Fernsehzeitschrift hat noch lange nicht ausgedient – will man in ein, zwei Minuten erfahren, was am Abend läuft und wie Experten das Angebot beurteilen, sind die besten Zeitschriften mit ihrer gekonnten Sparten-, Zeit- und Sender-Aufteilung unschlagbar. Wer dagegen sein Programm aktiv gestalten möchte, dem helfen Stichwortsuche sowie Sparten- und Tages-Tipps eines guten EPG weitaus besser.

    Es lohnt sich also, beim Kauf einer Set-Top-Box oder eines DVD-Recorders die Leistung des elektronischen Programmführers genau zu prüfen und eventuell ein anderes Modell zu wählen. Denn im Alltag ist ein funktioneller EPG viel wichtiger als etwa eine um 40 Gigabyte größere Festplatte.