TV-Trend: Fernsehflundern mit Netzzugang - DER SPIEGEL
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TV-Trend Fernsehflundern mit Netzzugang

Mehr Bild, weniger Drumherum: So sehen die Fernseher der Zukunft aus. Auf der Mega-Messe CES präsentieren die Hersteller dünnere, leichtere, größere Flachbildgeräte - die auch noch wie Computer funktionieren: mit Filmen aus dem Internet und Videos von USB-Sticks.
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Das ist ein harter Tag für Jodi Sally. Die Toshiba-Managerin steht auf der wichtigsten US-High-Tech-Show CES vor ein paar Hundert Journalisten, Bloggern und Analysten und kann ihr wichtigstes Produkt nicht zeigen. Sally steht steif da, schaut ins Leere und versucht so schnell wie möglich, wieder vom Podium zu kommen. Wochenlang waren sich die Technik-Gerüchteseiten im Internet einig: Ein wichtiges Toshiba-Produkt in diesem Jahr würde ein neuer, günstiger Abspieler für das hochauflösende Videoformat HD DVD sein. Doch dann kündigte das Hollywood-Studio Warner zwei Tage vor dem Start der Unterhaltungselektronikmesse CES an, keine Filme mehr für dieses Toshiba-Format anzubieten - sondern nur noch die Konkurrenz Blu-ray zu nutzen.

Jetzt muss Toshiba-Managerin Sally so tun, als sei Toshiba bloß ein Fernsehhersteller. Etwa fünf von 45 Minuten spricht die Toshiba-Managerin über ihr einstiges Vorzeige-Format HD DVD: Eine Million HD-DVD-Abspieler habe man schon in den USA verkauft. Toshiba sei Marktführer, wenn es um die DVD der nächsten Generation gehe. Außerdem sei HD DVD schon oft totgesagt worden.

Allerdings sieht es nun so aus, als würden im kommenden Jahr etwa zwei Drittel der Hollywood-Filme nicht mehr im HD-DVD-Format erscheinen. Und dazu sagt Sally nichts. Keine Ankündigungen, keine Fragen, nur Durchhalteparolen - und dann eine sehr lange Vorführung vieler neuer, extrem flacher Fernseher.

Noch ist nicht restlos geklärt, welches Videoformat sich durchsetzen wird: Blu-ray? HD DVD? Beide? Oder spielen DVD-Träger bald keine entscheidende Rolle mehr, weil die Videobilder gleich aus dem Internet kommen?

Während Elektronikkonzerne und Filmstudios den Formatkrieg für die nächste DVD-Generation ausfechten, ignorieren Kunden das Gerangel - und kaufen immer mehr Flachbild-Fernseher: 2007 etwa doppelt so viele wie 2006.

Die Hersteller heizen die Stimmung an, versprechen Geräte mit besseren Bildern, größeren Schirmen, kleineren Gehäusen, Internet-Anschluss und USB-Schnittstellen.

Fernsehflundern und Wohnzimmer-Netzwerke - SPIEGEL ONLINE zeigt die TV-Trends der CES in Las Vegas:

Die schmalste TV-Einfassung der Welt

Die schmalste TV-Einfassung der Welt

Kleiner ist feiner: Toshiba feiert sich für den LCD-Fernseher mit der angeblich schmalsten Fernseheinfassung der Welt: Etwas mehr als 2,2 Zentimeter misst der Abstand vom Bild zum Fernsehrand bei den schicksten neuen Toshiba-Geräten. Aus ein paar Metern Entfernung wirkt das tatsächlich so, als würde ein Bild an der Wand hängen. Ein fast ebenso schmal eingefasstes LCD-Modell hatte Konkurrent Sharp allerdings bereits im vorigen Jahr auf der Ifa in Berlin vorgestellt. Das war allerdings noch ein früher Prototyp – das Serienmodell soll erst 2010 in die Läden kommen.

Die Hersteller versprechen sich viel von den schlanken Rahmen: Kunden können sich einen 52-Zoll-Fernseher dahin stellen, wo zuvor nur ein 46-Zoll-Modell Platz hatte, oder ein 37-Zoll-Modell, wo bisher ein 32-Zoll-Gerät stand. So sollen Geräte mit größerer Bilddiagonale verkauft werden, die mehr Profit bringen. Modelle mit dem Schmalspur-Rahmen wird Toshiba zuerst in den USA anbieten. Verkaufsstart: April. Das günstigste Modell (XV540) soll je nach Bildschirmgröße 1700 bis 2900 Dollar (52 Zoll) kosten.

Pioneers schwarze Fernseh-Flunder

Pioneers schwarze Fernseh-Flunder

Flacher als ein iPhone soll der dünnste Plasma-Fernseher der Welt werden: Der japanische Elektronik-Konzern Pioneer zeigt die schlanke, schwarze Fernseh-Flunder in einem düsteren Raum auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas. Das Schummerlicht passt: Pioneer verspricht für das Gerät eine angeblich noch nie auf Plasmabildschirmen erreichte Farbqualität - "echtes Schwarz" heißt das in der Pioneer-Werbesprache. Einfacher gesagt: In den Bereichen, wo das Bild schwarz sein soll, strahlt der Plasma-Fernseher überhaupt kein Licht aus.

Ob Pioneer diese Versprechen einlöst, wird man frühestens in einem Jahr prüfen können: Die Technik der "Projekt Kuro" genannten Flunder wird 2008 noch nicht zu kaufen sein. Aber Pioneer demonstrierte zumindest, dass der Mager-Schirm funktioniert. Neun Millimeter ist er tief (zum Vergleich: Das iPhone ist 11,6 Millimeter dick), 18,6 Kilo leicht und hat eine Bildschirmdiagonale von 50 Zoll (etwa 127 Zentimeter).

Panasonic bleibt bei Plasma

Panasonic bleibt bei Plasma

Wie Pioneer setzt Panasonic weiter auf Plasma-Fernseher. Die einstigen Plasma-Nachteile will man weit hinter sich lassen. So sind von 16 in Las Vegas vorgestellten Plasma-TVs 14 mit Full-HD-Bildschirmen ausgerüstet, das Argument niedriger Auflösungen gilt also nicht mehr. Und auch an der Lebensdauer wurde gearbeitet. Das Problem: Plasmas altern schneller als LCDs, verlieren nach und nach an Helligkeit. Panasonics neue Viera-Serie hingegen soll 100.000 Betriebsstunden aushalten, bis die Helligkeit auf die Hälfte des ursprünglichen Wertes sinkt. Das entspricht bei vier Stunden Fernsehen am Tag einer Lebensdauer von 68 Jahren, ein ausgesprochen theoretischer Wert.

Wie bei Plasmas üblich liegen die Bilddiagonalen im oberen Bereich ab 42 Zoll. Das hat rein technische Gründe. Die Plasmazellen können einfach nicht beliebig verkleinert werden. Wohl, um auch kleinere Größen anbieten zu können, hat Panasonic deshalb auch LCD-TVs vorgestellt. Deren Diagonalen liegen zwischen 26 und 37 Zoll, wobei nur das größte Modell Full-HD-Auflösung bietet.

Zielgruppe Frau: Philips verschreibt sich dem Lifestyle

Zielgruppe Frau: Philips verschreibt sich dem Lifestyle

Der holländische Elektronikkonzern will nach Bekunden des Chefs der neu geschaffenen Consumer-Lifestyle-Abteilung, Andrea Ragnetti, künftig besonders jene Kundschaft erreichen, die nach Ansicht von Philips für die Kaufentscheidungen zuständig sind - Frauen. Weniger technisch, dafür emotionaler soll das Design werden.

Wie bei der neuen 7000er Serie. Deren herausragendes Merkmal ist, dass die Lautsprecher nicht mehr sichtbar sind. Stattdessen pusten sie ihren Klang seitlich aus dem Gehäuse. Damit der Ton trotzdem beim Zuschauer ankommt, sind die Fernseher von einer halbrunden Plexiglaseinfassung umrandet, die den Schall nach vorne umleitet. Die Preise der neuen Design-CDs liegen zwischen 1700 Dollar für das kleinste Modell mit 42 Zoll und 2800 Dollar für das Highend-Modell mit 52 Zoll.

Weniger für den TV-Alltag geeignet, dafür umso spektakulärer in der Bilddarstellung ist ein "3D Wowzone" genanntes Philips-Gerät. Aufgebaut aus drei 42-Zoll-Fernsehern überspannt er eine Bilddiagonale von sagenhaften 138 Zoll. Das allein wäre freilich noch nicht sonderlich aufregend. Doch der breite Brummer kann Videos in räumlicher 3D-Darstellung anzeigen - und zwar ohne, dass die Zuschauer dazu 3D-Brillen bräuchten. Mangels geeigneter Inhalte ist das allerdings nicht fürs Wohnzimmer, sondern als Werbefläche gedacht. Durch die 3D-Effekte, so Philips, würden Passanten die Darstellungen länger betrachten als gewöhnliche 2D-Filme – ein für Werber gewichtiges Argument.

Samsung wird drahtlos und vernetzt

Samsung wird drahtlos und vernetzt

Die Südkoreaner, deren schwarzes Klavierlackdesign vielfach kopiert wurde, haben sich einen neuen Designtrick ausgedacht. Leichte in eine Glasumrandung eingearbeitete Farbeffekte sollen künftig Käufer locken. TOC, "Touch of Color", heißt das in der Samsung-Sprache.

Vor allem aber sollen technische Gimmicks Kauflust wecken. So etwa die Integration von Wireless-USB, einer drahtlosen Variante des USB-Standards. An einer Demonstration, die zeigen sollte, wie leicht sich Samsungs neuer mit Wireless-USB ausgerüsteter Camcorder auf Knopfdruck drahtlos mit einem TV-Gerät verbinden lässt, scheiterte Samsungs Digital-Media-Chef Jongwoo Park allerdings im ersten Anlauf. Erst als ein Helfer Fernseher und Camcorder neu startete, klappte alles wie gewünscht.

Wichtiger scheint Park aber ohnehin die integrierte Internet-Funktionalität einiger neuer Fernseher zu sein. Via Netzwerkbuchse lassen sie sich ins Heimnetzwerk einbinden und können dann zum Beispiel bestimmte RSS-Online-Nachrichten oder die Wettervorhersage anzeigen. Im modernen Alltag spannender dürfte allerdings die Möglichkeit sein, via USB Fotos und Filme auf dem Gerät anzuschauen. Selbst DiVX-Videos soll der Rechner dabei ohne Hilfe von außen darstellen können.

Sharp setzt aufs Stromnetz

Sharp setzt aufs Stromnetz

Auf das Thema Internet hat sich auch die Konkurrenz von Sharp verlegt. Deren neueste Aquos-Fernseher sind ebenfalls vernetzbar. Damit man dafür weder neue Kabel verlegen noch ein kompliziertes Drahtlos-Netzwerk aufbauen muss, bietet Sharp hierfür sogenannte Powerline-Adapter an, die eine Vernetzung über vorhandene Steckdosen und Stromkabel ermöglichen. Da Sharp sich dabei an den sogenannten HomePlugAV-Standard hält, sollte diese Lösung auch mit Systemen anderer Hersteller kombinierbar sein.

Die Nutzungsmöglichkeiten des Webzugangs sind aber auch bei Sharp eingeschränkt. Zum Verkaufsstart sollen die internettauglichen Geräte vier Widgets mit auf dem Weg bekommen. Deren Spektrum ist wenig überraschend: Wetter, Börsenkurse, Comics und eine Bildersammlung können abgerufen werden.

Sharp nutzt die Internet-Verbindung aber auch in anderer Richtung. So können Techniker bei Problemen via Web auf den Fernseher zugreifen und den Fehler suchen. Schnelleren, besseren Service verspricht der Hersteller damit. Kosten soll der Dienst nichts. Die Fernseher selbst muss man dagegen teuer bezahlen: Zwischen 3200 und 11.000 Dollar verlangt Sharp für die Luxusmodelle.

Doch damit sind sie die absolute Ausnahme. Fast die Hälfte der Käufer nimmt nämlich nicht die teuren Edelmodelle, sondern die Billiggeräte für unter 1000 Dollar aus dem Laden mit nach Hause. Doch das sind eben eher Butter-und-Brot-Geräte, die längst nicht so umfangreich und modern ausgestattet sind wie jene TV-Boliden, mit denen die Hersteller hier in Las Vegas protzen.

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