UMTS: Die 3G-Handys kommen (wirklich) - DER SPIEGEL
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UMTS Die 3G-Handys kommen (wirklich)

Mittlerweile bieten drei deutsche Handynetzbetreiber UMTS-Handys feil. Motorola verkauft in Deutschland bislang keine High-Speed-Geräte - doch das soll sich bald ändern: Im Herbst und Winter kommen vier verschiedene UMTS-Telefone auf den Markt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man will es schon gar nicht mehr hören, dieses Wort UMTS. Jedes Jahr aufs Neue wurde auf der CeBIT der Start des Hochgeschwindigkeitsnetzes angekündigt, jedes Jahr versprachen die Hersteller neue, bessere Geräte - zu kaufen gab's diese jedoch in Deutschland nie.

Der UMTS-Hype bei der Lizenzversteigerung und die Ankündigungsrhetorik von Netzbetreibern und Handybauern haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Meldungen über UMTS-Technik rufen heutzutage bei vielen nur noch ein müdes Gähnen hervor. UMTS? Sollte das nicht schon seit Jahren funktionieren?

T-Mobile versucht seit der diesjährigen CeBIT gar mit einem Kunstgriff, den tendenziell negativ besetzten Begriff UMTS auszumerzen: TM3 nennen die Bonner Mobilfunker seitdem mobile Kommunikation, sei es nun UMTS, das langsame GPRS oder W-LAN. TM3 steht für T-Mobile Multimedia. Der Kunde soll nicht nach UMTS fragen, sondern telefonieren und mobil surfen - mit welcher Technik, darum kümmert sich T-Mobile - so in etwa lautet die TM3-Philosophie.

Dass die UMTS-Netze mittlerweile zumindest in den Großstädten stehen und seit Mai T-Mobile und Vodafone erste Handys anbieten, geht da fast schon unter. T-Mobile macht die Vorteile des schnellen Handynetzes mit seinem Musikdownloadangebot deutlich: In 20 bis 30 Sekunden ist ein 90-Sekunden Titel aufs Handy herunter geladen.

Trotzdem sind UMTS-Handys nach wie vor rar. T-Mobile und O2 verkaufen für rund 200 Euro das Nokia 7600 - ein Gerät mit gewöhnungsbedürftig-futuristischem Design. Vodafone hat mittlerweile zwei Klapphandys der neuen Generation am Start: Das Sony-Ericsson Z 1010 für 299 Euro und das Samsung Z 105 für 199 Euro. E-plus bietet im Augenblick nur eine UMTS-Datenkarte für Laptops an, die zum schnellen Surfen, nicht aber zum Telefonieren taugt.

Doch mit dem Gerätemangel dürfte es in wenigen Monaten vorbei sein. Der amerikanische Handybauer Motorola hat für Herbst und Winter insgesamt vier UMTS-Handys angekündigt. Die ersten beiden, das A1000 und das E1000 zielen bei nicht subventionierten Preisen von 1100 Euro beziehungsweise 850 Euro noch nicht auf den Massenmarkt.

Bei den für das Weihnachtsgeschäft vorgesehenen Geräten C975 und V975 könnte das schon anders sein. Die Preise stehen zwar noch nicht fest, sie sollen jedoch nach Auskunft einer Motorola-Sprecherin "definitiv unter denen der Modelle A1000 und E1000" liegen.

Das C975 ist ein klassisches, schlankes Handy mit Farbdisplay, integrierter Foto- und Videokamera sowie MP3-Player und soll bis zu 150 Stunden im Stand-by durchhalten. Die Kamera zoomt vierfach, das Gerät eignet sich zur Videotelefonie und hat einen Slot für so genannte Transflashkarte zur Speichererweiterung. Das sind MMC-Karten im Miniformat.

Das V975 gehört zu Klapphandy-Klasse, ähnelt technisch und in der Ausstattung aber dem C975. MP3-Player und VGA-Kamera mit Vierfach-Zoom sind an Bord - das Klappgerät soll sogar bis zu 260 Stunden Betrieb meistern, ohne an die Steckdosen zu müssen.

Nicht nur Motorola drückt in Sachen UMTS aufs Gaspedal, auch Nokia wird im vierten Quartal ein UMTS-Smartphone auf den Markt bringen. Das Nokia 6630 wiegt knapp 130 Gramm und knipst mit einer 1,2-Megapixel-Kamera. Damit ist es sogar noch leichter als die beiden Motorola-Modelle C975 und V975, die knapp 140 Gramm wiegen.

Auch der angekündigte Preis ist günstig: Rund 500 Euro soll das Nokia-Handy ohne Vertrag kosten. Dieser vergleichsweise niedrige Preis zeigt, dass UMTS-Geräte durchaus Chancen haben könnten - auch wenn das mancher nicht mehr glaubt. Die Kunden müssten dann nur noch Gefallen an Dingen wie Videotelefonie finden, damit das Geschäft bei den Netzbetreibern richtig brummt.

Holger Dambeck