Untersuchung: Immunabwehr im Internet - DER SPIEGEL
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Untersuchung Immunabwehr im Internet

Physiker durchleuchteten die Fehlertoleranz des weltgrößten Kommunikationsnetzwerks und diagnostizierten Schwachstellen. Wer diese gezielt angreift, kann einen veritablen Kollaps produzieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ausgehend von der Annahme, dass komplexe Systeme immer wieder einen überraschend hohen Grad an Fehlertoleranz und Selbstheilungskräften aufweisen, wollten Physiker der University of Notre Dame in Indiana diese Prozesse am Kommunikationsnetz WWW austesten. Dies berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Ergebnisse geben durchaus Anlass zur Besorgnis, denn das Netz der Netze ist weitaus empfindlicher für Angriffe, als bislang angenommen.

Mehr oder weniger zufällig auftretende Ausfälle von Verbindungsknoten, die in der Realität ohnehin täglich passieren, zögen kaum Konsequenzen nach sich. Wenn sich die Angriffe jedoch auf die wichtigen Knoten mit extrem hohen Datenaustausch konzentrierten, hätten sie fatale Auswirkungen auf deren Transportfunktion. Die Anzahl dieser neuralgischen Punkte weltweit bezifferten die Wissenschafter mit 140 Stück.

Laut Expertenschätzung reicht es aus, ein Prozent dieser Knotenpunkte, an denen die Provider ihre Daten massiv austauschen, anzugreifen, um die Leistungsfähigkeit des Internet um die Hälfte zu senken. Bei vier Prozent wäre der globale Datenfluss komplett gelähmt. Das Internet würde in lauter kleine, nicht mehr miteinander verbundene Netze zerfallen.

"Während das System global gesehen als robust erscheint und Router da und dort ohne gröbere Konsequenzen ausfallen können, ist es nun auch ein Faktum, dass jemand mit genügend Geld und Ressourcen das System gezielt lahm legen kann," bestätigt auch der technische Direktor von der Internet-Sicherheitsfirma Global Integrity.