Verbreitung via Bluetooth Erster Handy-Wurm aufgetaucht
Im Oktober 2003 verunsicherte eine Kettenmail tausende Mobiltelefonbesitzer. Darin wurde vor einem Handy-Virus gewarnt, das angeblich sämtliche Kontaktdaten auf der Sim-Karte löscht. Das Virus werde durch einen Anruf mit der Display-Meldung "ACE-?" übertragen, hieß es in der Warn-Mail.
Nokia und Motorola dementierten umgehend, dass es einen solchen überhaupt Schädling gibt. Die ganze Geschichte stellte sich als Hoax heraus - neudeutsch für Ente.
Doch nun vermelden gleich mehrere Antivirenspezialisten gleichzeitig den ersten Wurm fürs Handy. Cabir heißt das Virus, das Geräte mit dem Symbian-Betriebssystem via Bluetooth-Funk befällt. Der Wurm verbreitet sich über eine so genannte SIS-Datei, die sich als "Security Manager" ausgibt.
Wenn der Telefonbesitzer beim auftauchenden Installationsdialog auf "Ja" drückt, dann wird der Schädling installiert und sucht anschließend ständig nach Bluetooth-Geräten in der Umgebung, um die SIS-Datei auch dorthin zu schicken.
Wirklichen Schaden richtet Cabir glücklicherweise nicht an, sieht man von der selbständigen Verbreitung ab. Das Virus gilt als Versuchsballon eines Programmierers mit dem Namen "vallez", der zur europäischen Hackergruppe "29a" gehört. Cabir wurde dann offenbar als "proof of concept" Antivirenspezialisten wie F-Secure, Symantec und Kaspersky Labs zugespielt, die sein Wirken auf ihren Seiten ausführlich beschreiben.
Laut Symantec sind nur Nokia-Handys der 60er Serie gefährdet. Der Wurm würde jedoch auch versuchen, beliebige andere Geräte zu attackieren, sofern deren Bluetooth-Funktion eingeschaltet ist, wie etwa Drucker. Die Firma Kaspersky Lab schreibt auf ihrer Seite, dass auch die Telefone Nokia 3650 und 7650 vom Wurm befallen werden können.
Symantec weist darauf hin, dass sich die Akkulaufzeit stark verkürzt, weil ein infiziertes Gerät ständig nach aktiven Bluetooth-Handys scannt.
Cabir kursiert bislang offenbar vor allem in Labors. Experten fürchten jedoch dass schon bald die ersten wirklich gefährlichen Handy-Viren "in freier Wildbahn" auftauchen, die fremde Handys kapern und darauf Dateien löschen oder selbsttätig Telefonate beginnen oder unterbrechen.
Mobilfunkanbieter spielen die bislang nur theoretische Gefahr von Handyviren immer wieder herunter. Doch bei den immer komplexeren Geräten und mit der zunehmenden Standardisierung von Telefon-Betriebssystemen werden Virenepidemien wie auf Windows-PCs immer wahrscheinlicher.
Als Sicherheitsmaßnahme empfiehlt es sich, die Bluetooth-Funktion, soweit vorhanden, möglichst immer zu deaktivieren oder das Gerät in den Unsichtbar-Modus zu setzen.