Verschlüsselung: 512-Bit-Code geknackt - DER SPIEGEL
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Verschlüsselung 512-Bit-Code geknackt

Der angeblich schwierigste Code der Welt ist dechiffriert worden. Ein schwedisches Computerteam ist hinter das Geheimnis eines 512-Bit-Schlüssels gekommen und wird das Ergebnis veröffentlichen.
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London - Der britische Autor Simon Singh hatte in seinem Bestseller "The Code-Book" eine Belohnung von 10.000 Pfund (rund 32.700 Mark) ausgelobt, wenn es jemand schafft, zehn Codes unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zu entschlüsseln, die im Buch vorgegeben waren. Die Bandbreite reichte von Chiffren des antiken Griechenlands über viktorianische Geheimkünste und die Enigma-Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg bis zum 512-Bit-Code eines RSA-Algorithmus der Neuzeit. Nun muss Singh den Preis überreichen. "Der schwierigste Code aller Zeiten ist geknackt worden", so der Autor.

Mehr als ein Jahr hatten Kryptografie-Kracks aus der ganzen Welt an dem so genannten Cipher-Wettbewerb teilgenommen. Auf einer eigens geschaffenen Website  beteiligten sich rund 2400 Fans an der Lösungssuche. Einen Betrug bei dem nun eingesandten Ergebnis schließt Singh aus. Er sei beim Schreiben seines Buches sehr sorgfältig umgegangen. Verräterische Skripte habe er verbrannt, und über den Schlüssel habe er nie gesprochen.

Am 7. Oktober schickte ein Team um den Schweden Frederik Almgren die Lösung an Singh. Am 13. Oktober soll das 40-seitige Lösungsmanuskript auf seiner Page  veröffentlicht werden. Von dem Schlüssel ist bislang nur wenig durchgesickert: Ein Computer hätte eigentlich 70 Jahre gebraucht, um den einzigartigen Code zu dechiffrieren. Doch das schwedische Team fand einen anderen Weg. Sie schrieben einen speziellen Algorithmus, der auf einem herkömmlichen Rechner das Ergebnis lieferte.

Singh glaubt allerdings nicht, dass mit der Entschlüsslung seines Codes, der vielen Schlüsseln im Internet genutzten ähnelt, der Kriminalität Tür und Tor geöffnet werde. Der zu betreibende Aufwand, um einen anderen RSA-512-Bit-Schlüssel zu knacken, stehe in keinem Verhältnis zum "Erfolg". Ein Dieb einer aus dem Internet abgegriffenen und verschlüsselten Kreditkartennummer müsste nach Ansicht des Physikers mehrere Zehntausend britische Pfund investieren, um letztendlich über ein Kreditvolumen von vielleicht 1000 Pfund zu verfügen.

Singh hofft aber trotzdem, dass das von ihm initiierte Experiment Kryptografie-Experten veranlasst, noch sicherere Codes zu entwickeln. Kurzfristig wäre auch die Umstellung von derzeit üblichen 512-Schlüsseln auf 1024-Codes denkbar.