Versprochen: Windows XP kommt irgendwann - DER SPIEGEL
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Versprochen Windows XP kommt irgendwann

Microsoft arbeitet kräftig an der Verbesserung seines Rufes. Kündigte das Unternehmen vor Jahren Software noch an, bevor diese entwickelt wurde, ist man in Sachen Windows XP heute weiter und weiser: Das Betriebssystem steht mehr oder weniger und wird auch ausgeliefert. Nur wann, das wissen die MSler noch nicht.
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Der US-Softwarekonzern Microsoft hat nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, wann genau sein neues Betriebssystem Windows XP auf den deutschen Markt kommen soll. "Wir befinden uns noch in der Planungsphase", sagte Windows-Spezialist Christoph Nern von Microsoft Deutschland am Dienstagabend in München bei der Präsentation einer Vorabversion des XP-Betriebssystems für den deutschen Markt. Fest stehe bislang nur das Jahr - und das soll 2001 sein. Windows XP solle in der zweiten Jahreshälfte nach Deutschland kommen. Zu den Umsatzerwartungen und dem Kaufpreis wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Computerexperten kritisieren, dass einige Anwendungen zu detailverliebt seien und zudem die Speicherkapazitäten vieler PCs überfordere. Nach Presseberichten sind bis zu einem Viertel aller Computer in den USA für das neue Windowssystem nicht ausreichend gerüstet.

Doch das hat Tradition. So schrieb Andreas Grote im Januar 1996 in der "Frankfurter Rundschau" zum Thema funkelnagelneues Betriebssystem Windows 95: "Mindestens einen 486-Prozessor, acht MB Arbeitsspeicher (RAM) und 80 MB freien Platz auf der Festplatte braucht der Anwender, will er Windows 95 auf seinem System installieren. ... Auf die enormen Hardwareanforderungen sind die Nutzer jedoch nicht vorbereitet. Von den insgesamt 11,5 Millionen Personal Computern in Deutschland sind derzeit nur etwa vier Millionen mit einem 486er Prozessor ausgerüstet, von denen wiederum schätzungsweise ein bis 1,5 Millionen beim Kauf mit mehr als acht MB Arbeitsspeicher ausgerüstet waren".

Durchgesetzt hat sich "95" trotzdem - und dass, obwohl Microsoft im September 1995 keineswegs ein wirklich funktionierendes Betriebssystem vorgelegt hatte. Anfänglich wackelte Windows 95 an allen Ecken und Kanten, der Erstversion folgte schnell eine "B"-Variante - Fehlersuche und Produkt-Testing hatte quasi die Kundschaft übernommen. Der zitierte "Frankfurter Rundschau"-Bericht trug im Übrigen die Überschrift "Windows 95 als Schrottproduzent".

Fehler, die Microsoft heute nach Möglichkeit vermeiden will. Windows 95 kam als "einziges Betriebssystem, bei dem das Haus gleich mit abstürzt" (Foren-Spott) auf den Markt, weil sich Microsoft vorab auf ein Veröffentlichungsdatum festgelegt hatte: Mit Windows 95 hatten die Redmonder einen Namen gewählt, der gewissermaßen verpflichtete.

Windows XP soll "fertig" sein, wenn es auf den Markt kommt. Bislang können Computernutzer die Vorabversion "Beta 2" des Betriebssystems nur testen. Weltweit haben sich dafür nach Angaben des Unternehmens rund eine halbe Million Menschen registrieren lassen.

Microsoft räumte in, dass auch für Windows XP trotz neuer Sicherungsmaßnahmen ein wirksamer Schutz vor Raupkopien schwierig werde. Pressereferent Thomas Jensen sagte, die neue Produktaktivierung solle in erster Linie "die psychologische Hemmschwelle" erhöhen, sich Daten schwarz zu kopieren. Microsoft hatte als Maßnahme gegen Produktpiraterie angekündigt, dass Privatnutzer und Firmen ihre Software künftig aktivieren lassen müssen. Computerexperten halten dies aber für wenig wirksam, weil man sich die Software für mehrere Geräte lizenzieren lassen kann.